München und Oberbayern -

Konjunkturumfrage Beste Stimmung

Die Stimmung in den Handwerksbetrieben im Kammerbezirk war auch im 3. Quartal 2018 ausgezeichnet. Insgesamt 59 Prozent der Befragten bezeichneten ihre Lage als gut, weitere 33 Prozent als befriedigend.

Auch wenn sich die Stimmung gegenüber dem Vorjahreszeitraum um zwei Punkte verschlechterte, ist der Gesamtwert von 92 Punkten immer noch ausgesprochen gut: In einem Sommerquartal wurde er überhaupt erst zum dritten Mal seit der Wiedervereinigung erreicht.

Der Aufschwung hat jedoch auch seinen Preis. „Immer mehr Indikatoren stagnieren, die Auslastung der Betriebe ist kaum mehr steigerungsfähig. Stärkeres Wachstum wäre nur noch durch einen kräftigen Beschäftigungsaufbau möglich. Aufgrund des herrschenden Fachkräftemangels ist dies aber nahezu ausgeschlossen“, betont Kammerpräsident Franz Xaver Peteranderl.

Hohe Kapazitätsauslastung

Die Betriebe des oberbayerischen Handwerks bewerteten ihre Auftragseingänge im Berichtszeitraum etwas schlechter als noch vor Jahresfrist. 22 Prozent berichteten von einem Anstieg (minus fünf Punkte gegenüber Vorjahreszeitraum), während 61 Prozent gleichbleibende Nachfrage registrierten (plus vier Punkte). Die Kapazitätsauslastung blieb mit 82 Prozent unverändert hoch. Der Auftragsbestand kletterte im Vorjahresvergleich um 0,7 auf 8,9 Wochen. Das ist der höchste Wert für ein 3. Quartal seit 1991. Die Reichweite legte in allen Gewerbegruppen zu. Am höchsten liegt sie im Bauhauptgewerbe mit 11,5 Wochen und im Ausbaugewerbe mit 10,0 Wochen. Den stärksten Anstieg verzeichnete das Handwerk für den gewerblichen Bedarf (7,8 auf 8,8 Wochen).

Im 3. Quartal blieb die Umsatzschätzung der Betriebe im Kammerbezirk etwas unter der Vorjahresmarke. 21 Prozent erwarten steigende Umsätze (minus fünf Punkte gegenüber Vorjahreszeitraum), 62 Prozent gehen von gleichbleibenden Umsätzen aus (plus vier Punkte). Nach einer Hochrechnung der Kammer wurden im oberbayerischen Handwerk zwischen Juli und September etwa 10,6 Milliarden Euro umgesetzt. Der Kammerpräsident: „Das ist ein sattes Plus von nominal 6,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Einen Teil dazu trug auch der Anstieg der Handwerkerpreise von durchschnittlich 2,8 Prozent bei. Allerdings liegt dieser nur leicht oberhalb der Inflation. Nach Abzug der Preissteigerung verbleibt im Berichtszeitraum ein Umsatzplus von etwa vier Prozent.“

Leichtes Beschäftigungsplus

22 Prozent der Befragten meldeten im Berichtszeitraum eine Aufstockung ihrer Belegschaft (plus zwei Punkte gegenüber dem Vorjahreszeitraum). 15 Prozent mussten mit weniger Beschäftigten auskommen (plus sechs Punkte). Ende September waren etwa 308.000 Personen im Münchner und oberbayerischen Handwerk tätig. Das ergibt einen leichten Beschäftigungszuwachs von 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Wegen der Schwierigkeiten bei der Akquise von Fachkräften investiert das Handwerk im Kammerbezirk schon das gesamte Jahr über auch anderweitig: 32 Prozent berichteten im 3. Quartal von größeren Anschaffungen, ein Prozentpunkt mehr als vor Jahresfrist. Nach Schätzungen der Kammer wurden zwischen Juli und September etwa 265 Millionen Euro für neue Fahrzeuge, Maschinen und Gebäude ausgegeben. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Plus von 3,9 Prozent. Die Zahl der Handwerksbetriebe sank im Berichtszeitraum um 0,4 Prozent auf gut 79.300.

„Die Wachstumsprognosen für die Gesamtwirtschaft werden langsam nach unten korrigiert. Das Handwerk folgt der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung immer mit einiger Verzögerung und befindet sich dementsprechend noch in der Hochphase. Diese wird auch im Schlussquartal des laufenden Jahres anhalten“, prognostiziert Peteranderl. Vor allem die großen Auftragspolster sorgen in weiten Teilen des Handwerks für Sicherheit. Für das Gesamtjahr rechnet die Handwerkskammer mit einem nominalen Umsatzplus von 6,1 Prozent. Die Beschäftigung dürfte um 0,9 Prozent steigen, die Investitionen um 4,0 Prozent zulegen. Bei der Zahl der Handwerksbetriebe dürfte es so gut wie keine Veränderung geben.

Warnung vor Fahrverboten

Mit Blick auf die angekündigten streckenbezogenen Fahrverbote in Städten wie Berlin warnt der Kammerpräsident vor ähnlichen Entscheidungen in München: „Die Autofahrer weichen auf Nebenstraßen aus, was sicher nicht zu weniger Verkehr und Emissionen führt. Fahrverbote können daher nicht die Lösung sein. Wir brauchen stattdessen zukunftsfähige Verkehrskonzepte, auch für München.

Dazu zählen zum Beispiel der Ausbau des ÖPNV und eine Reduzierung des individuellen Kfz-Verkehrs in den Innenstädten.“ Laut einer Umfrage im oberbayerischen Handwerk würden es 64 Prozent der Befragten begrüßen, wenn Anliegerparkplätze u.a. in Parkflächen für Handwerker, soziale Dienste, Car-Sharing-Fahrzeuge sowie neue Radwege umgewandelt würden.

Den Vorschlag der Münchner Stadtratsfraktion der Grünen, keine neuen Gewerbegebiete auf unversiegelten Flächen zuzulassen und außerdem ökologische Kriterien zur Vergabe an Betriebe einzuführen, lehnt das Handwerk kategorisch ab. Damit entstünden faktisch nur noch Büroflächen und keine Räume mehr für Handwerksbetriebe, so Peteranderl.

Letztlich würde das die Versorgung der Menschen mit Waren und Dienstleistungen gefährden. Ebenso lehnt der Kammerpräsident die Forderung der Grünen ab, Gewerbeflächen nur im Erbpachtrecht zu vergeben: „Handwerker denken generationenübergreifend und damit im besten Sinne nachhaltig. Deshalb wollen sie Eigentum erwerben. Außerdem benötigen sie die Gewerbeflächen als Sicherheit, um bei Banken neue Kredite zu bekommen.“

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