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Provisionsvereinbarungen bei Vergleichsportalen Bestattungsvermittlung online: Richter fordern mehr Transparenz

Wer sich online einen Bestatter sucht, kann Vergleichsportale nutzen. Doch die Angebote sind nicht immer transparent. Der Bundesgerichtshof hat nun die Rechte der Verbraucher gestärkt.

Vergleichsportale gibt es heutzutage nicht nur für Flugreisen oder Stromanbieter, sondern auch für Bestatter. Auf Internetseiten wie bestattungen.de oder bestattungsvergleich.de kann man sich im Trauerfall schnell und unkompliziert einen Betrieb suchen. Doch bei manchen Portalen mangelt es an Transparenz. Der Bundesgerichtshof hat nun die Rechte der Verbraucher gestärkt.

Vermittlung gegen Provision üblich

In dem konkreten Fall hatte der Bundesverband der Bestatter (BDB) gegen das Portal bestattungsvergleich.de Klage eingereicht. Auf der Internetseite erhalten Nutzer nach Eingabe gewünschter Leistungen verbindliche Angebote verschiedener Bestatter. Dabei werden nur Anbieter berücksichtigt, die mit dem Betreiber des Portals für den Fall eines Vertragsabschlusses eine Provision von 15 Prozent oder 17,5 Prozent des Angebotspreises vereinbaren. Die Nutzer des Portals werden nicht auf die Provisionsvereinbarung hingewiesen.

"Dass Provisionen gezahlt werden, ist bei vielen Vergleichsportalen üblich, z.B. in der Strom- oder Versicherungsbranche", sagt Askan Deutsch, Anwalt für Wettbewerbsrecht von der Kanzlei FPS aus Hamburg, "Wobei 17,5 Prozent doch sehr hoch ist. Hier können bei einer durchschnittlichen Bestattung einige hundert Euro an Provisionen für den vermittelten Betrieb zusammenkommen, die er an das Vermittlungsportal zahlen muss." Doch der entscheidende Aspekt in diesen Fällen sei die Intransparenz, sagt Deutsch: "Wettbewerbsrechtlich problematisch wird es bei Vermittlungsportalen, wenn zum Beispiel nicht alle Gebühren aufgelistet werden oder wichtige Hinweise fehlen."

Vorwurf des unlauteren Wettbewerbs bestätigt

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat nun entschieden, dass Vermittlungsportale die Nutzer darauf aufmerksam machen müssen, wenn nicht sämtliche Anbieter, sondern nur ausgewählte Unternehmen berücksichtig werden. Deutsch erklärt hierzu: "Der Sachverhalt ist deshalb so relevant, weil nicht alle Anbieter auf dem Markt dabei sind. Gerade kleine Bestatter sind nicht bei dem Portal gelistet oder müssen hohe Provisionen zahlen. Deshalb sieht der BGH hier Wettbewerbsnachteile."

In einem ähnlichen Fall hatte das Landgericht München im Juni 2016 geurteilt, dass Verbraucher von Vergleichsportalen besser aufgeklärt werden müssen. Geklagt hatte der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute gegen das Vergleichsportal Check24. Ob das aktuelle Urteil auch Auswirkungen auf die Politik anderer Vergleichswebseiten hat, ist unklar. Deutsch sieht darin eher eine Einzelfallentscheidung, die sich nicht so leicht auf andere Branchen übertragen lässt. Der Verband erhofft sich jedoch mehr Transparenz auch bei anderen Onlinevermittlern.

Bestattungsvermittlung im Internet seit Jahren im Trend

"Wir sind mehr als zufrieden mit dem Urteil", sagt Stephan Neuser, Generalsekretär des Bundesverbands der Bestatter, "gerade weil eine Bestattungsdienstleistung häufig aus einer emotional belastenden Lage heraus und unter hohem Zeitdruck in Anspruch genommen wird, sind Ehrlichkeit und Verlässlichkeit besonders wichtig."

Bereits 2013 hatte der Verband gegen ein anderes Vermittlungsportal geklagt. Der BDB beobachte seit mehreren Jahren den problematischen Trend, Bestattungsdienstleistungen über provisionsorientierte Vermittlungsportale im Internet anzubieten. Daher hat er 2015 ein provisionsfreies Suchportal auf der Webseite www.bestatter.de eingerichtet. Dort können Menschen nach Bestattungsunternehmen in ihrem persönlichen Umfeld suchen, die einzelnen angebotenen Serviceleistungen des Bestattungshauses einsehen und ohne Vermittler Kontakt mit ihrem Bestatter aufnehmen.

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