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Provisionen verlangt Bestatter: Onlinevermittler machen Preisdruck

Wer einen Bestatter sucht, nutzt dafür oft das Internet. Die Betriebe wollen deshalb dort präsent sein. Doch Vorsicht: Einige Vermittlungsportale verlangen Provisionen. Es geht aber auch ohne.

Es ist ein Trend der dem Bundesverband Deutscher Bestatter Sorgen macht: Im Internet tauchen immer wieder Portale auf, die Trauernden die Vermittlung eines günstigen Bestatters versprechen. Die Betreiber dieser Portale treten quasi als Makler in Sachen Bestattung auf; ihr Honorar für diese Dienstleistung holen sie sich bei den Bestattungsunternehmen wieder. Denn nur so können sie den Kunden einen angeblich sehr günstigen Dienst versprechen.

"Vermehrt treten Portale in Erscheinung, die sich unkundigen und in der Trauersituation vielfach überforderten Menschen gegenüber als Verbraucherschützer darstellen", teilt der Bundesverband mit und weist darauf hin, dass Bestattungsunternehmen, die mit derartigen Vermittlungsportalen zusammenarbeiten, meist mit zwölf bis zwanzig Prozent Provision in Bezug auf die Auftragssumme rechnen müssen.

Provisionszahlung wird verschleiert

Im Klartext heißt das: Die vermeintlichen Makler versprechen den Kunden günstige Preise, doch am Ende bezahlt der Bestatter drauf. Er bekommt über diesen Weg zwar eventuell einen Auftrag, doch auf seine regulären Preise wird er nicht kommen, wenn er die Vermittlungskosten begleichen muss. Dass eine derartige Provision fällig wird, wird nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Bestatter weitestgehend verschleiert.

Zusätzlich negativ für den Kunden: "In fast allen derart belegbaren Fällen zeigt sich, dass die erbrachte Bestattung keineswegs günstiger ist als bei Preisvergleichen von Bestattern in der konkreten Region, vielmehr unnötig teuer, weil die zu entrichtende Provision bereits eingepreist wird", schreibt der Verband in einer aktuellen Mitteilung. Bei der Zusammenarbeit mit einem solchen Vermittlungsportal würden an den Bestatter meist auch nur Pauschalpreise weitergegeben, die die Makler den Kunden versprochen haben.

Bestatter online finden ohne Provision

Doch eine Vermittlung über das Internet kann auch anders ablaufen: Bereits seit dem Jahr 2015 hat der Bundesverband Deutscher Bestatter ein provisionsfreies und für alle Seiten kostenfreies Suchportal auf der Webseite bestatter.de eingerichtet.

Das Portal ermöglicht eine regionale Suche und zeigt anhand von Piktogrammen, welche Leistungen die eingetragenen Bestatter ihren Kunden anbieten. Diese können dann über das Portal direkt Kontakt zu den Unternehmen aufnehmen – ohne Vermittler, ohne Provision. Wer den direkten Preisvergleich sucht, kann sich auch Angebote von maximal drei Bestattern zukommen lassen. dhz

Das Portal des Bundesverbands Deutscher Bestatter finden Sie unter bestatter.de .

Online-Konkurrenz für Bestatter

Bestatter bekommen immer mehr Online-Konkurrenz. Vergleichsportale wie Bestattungen.de und Bestattungsvergleich.de werben damit, günstige Angebote für den Trauerfall zu finden. Außerdem gibt es Start-up-Firmen wie das seit kurzem am Markt tätige Unternehmern Mymoria, die die ganze Planung einer Bestattung von zuhause aus ermöglichen will und auch Kontakte zu Bestattern herstellt.

Die etablierte Bestatterbranche ist von solchen Angeboten nicht begeistert, denn häufig wären die Kunden in einer heiklen emotionalen Situation mit einem richtigen Preisvergleich überfordert und so werden vermeintliche Schnäppchen gerne angenommen – auch wenn sie gar keine seien oder die Kunden dadurch große Abstriche bei den Leistungen machen müssen. Statistisch werde man alle 18 Jahre mit dem Tod eines engen Angehörigen konfrontiert, den Kunden fehlten deshalb Erfahrungswerte. Deshalb sagt Oliver Wirthmann, der Sprecher des Bundesverbands Deutscher Bestatter, dass es in diesem Segment kein Preisgefühl gebe.

Wirthmann verweist auf eine wenige Wochen alte Umfrage von Infratest Dimap im Auftrag des Bestatterverbands. Dabei nannten 70 Prozent der Befragten die persönliche Beratung als wichtigsten Punkt bei der Beurteilung eines Bestattungsunternehmens. Genau das könnten Online-Portale nicht bieten. Auch eine online angebotene Telefonauskunft verspricht meist mehr als dann geleistet wird. Von mindestens zwei Stunden an Planung und Absprachen mit den Angehörigen geht die Branche aus, wenn es um darum geht, ein Begräbnis und alles, was dazugehört, zu organisieren. dpa

Dieser Beitrag wurde am 25. Oktober 2016 aktualisiert.

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