Mobilität -

Studie "Verkehrsklima 2016" Besserverdiener fahren am aggressivsten

Das Verkehrsklima auf Deutschlands Straßen hat sich spürbar verbessert. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Befragung der Unfallforschung der Versicherer (UDV). Gut ein Viertel der Deutschen fühlt sich auf den Straßen sehr sicher. Besserverdiener fahren am aggressivsten.

Die Studie "Verkehrsklima 2016" zeigt: Die Deutschen fühlen sich auf den Straßen sicherer als noch vor einigen Jahren. Laut der Befragung der Unfallforschung der Versicherer (UDV) fühlen sich rund 23 Prozent der Verkehrsteilnehmer sehr sicher. Bei der letzten Erhebung im Jahr 2010 waren dies nur 11 Prozent.

Vor allem Frauen fühlten sich 2016 auf Deutschlands Straßen deutlich sicherer. Auffällig: Besserverdiener und Menschen mit einem hohen Bildungsgrad sind im Straßenverkehr am aggressivsten. Insgesamt gaben 62 Prozent der Teilnehmer an, sich sicher oder sehr sicher zu fühlen. Im Jahr 2010 waren dies noch  53 Prozent. Neben Autofahrern wurden auch Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel, Fußgänger, Fahrradfahrer und Pedelecfahrer befragt.

Autofahrer mit einem hohen Monatseinkommen sind am aggressivsten

Trotz eines erhöhten Sicherheitsgefühls dennoch auffällig: Die Mehrheit der Teilnehmer empfindet den Straßenverkehr als "stressig", "aufreibend" oder "chaotisch".

Gut die Hälfte der Autofahrer, die in der Studie befragt wurden, bezeichnet ihr Verhalten selbst nicht als aggressiv, wobei es hier deutliche Unterschiede in den Altersgruppen gibt. Am aggressivsten fahren demnach die 25 bis 34-Jährigen, am wenigsten die über 75-Jährigen. Erstaunlich: Autofahrer mit hohem Monatseinkommen und höherem Bildungsgrad geben sich als aggressiver zu erkennen. Auch Diejenigen, die öfter eine Strafe (Bußgeld, Punkte, Fahrverbot) kassierten, schätzen sich selbst als aggressiver ein.

Frauen "wehren“ sich häufiger als Männer gegenüber Dränglern durch kurzes Bremsen oder gegenüber Überholern durch kurzes Beschleunigen. Auch fahren Sie eher schneller, wenn sie sich ärgern. Beim dichten Auffahren, beim Drängeln oder bei der Nutzung der Lichthupe liegen die Männer allerdings deutlich vorne.

Wahrgenommene Verkehrssicherheit: Die Jahre im Vergleich

Sicherheitsempfinden 2016 2010 2008
gar nicht sicher 3* 3 2
nicht sicher 4 5 4
weitestgehend sicher 31 10 25
sicher 39 42 39
sehr sicher 23 11 30

*Prozent

Verkehrsklima: Aggressiv sind immer die andere

Eine große Diskrepanz gibt es beim beobachteten und beim selbst zugegebenen aggressiven Fehlverhalten. Während fast alle der Befragten schon einmal das "absichtliche Zufahren" einer Lücke oder das zu dichte Einscheren beobachtet haben, geben nur rund 20 Prozent zu, dies auch selbst zu tun.

Noch extremer sind die Aussagen zum rücksichtsvollen Überholen von Radfahrern: 97 Prozent der Befragten gaben an, dass sie "besonders viel Rücksicht" dabei nehmen, fast ebenso oft beobachten sie aber, wie Radfahrer zu dicht überholt werden.

Größtes Risiko ist die Smartphone-Nutzung

Obwohl die mobile Kommunikation in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat, ist das Problembewusstsein der Autofahrer für dieses Thema nicht gesunken. Eher im Gegenteil: 2016 geben mehr Pkw-Nutzer als 2010 an, dass das Schreiben von Kurznachrichten und E-Mails oder das Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung zu risikoreich ist.

Das weitverbreitete Problem der Handynutzung am Steuer ist der Mehrheit der Verkehrsteilnehmer bewusst. Allerdings: Je höher das Risiko eingeschätzt wird, desto seltener werden Nebentätigkeiten ausgeführt. SMS oder Emails lesen (73 Prozent) und schreiben (86 Prozent), telefonieren ohne Freisprechanlage (61 Prozent) und im Internet surfen (90 Prozent) wird von der Mehrheit als sehr risikoreich empfunden.

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Das Smartphone als häufige Unfallursache

Wie gefährlich es ist, das Smartphone während der Fahrt zu nutzen, zeigt auch die Frage nach der häufigsten Unfallursache. Die Mehrheit sieht das Smartphone am Steuer als häufige Unfallursache (4 bis 6 auf einer Skala von 1 "nie" bis 6 "sehr häufig"). Zudem werden das "zu schnelles Fahren", "Fahren unter Alkoholeinfluss" und "aggressives Fahren" als häufige potentielle Unfallursachen eingeschätzt.

Regeln werden seltener missachtet

Um festzustellen, wie sehr sich die Verkehrsteilnehmer in Deutschland an die Straßenverkehrsordnung halten, wurden beim "Verkehrsklima 2016" Fußgänger, Fahrrad- und Autofahrer nach ihrem Verhalten an roten Ampeln, bei Geschwindigkeitsbegrenzungen und nach Alkoholgenuss befragt. Erfreulich: Gegenüber 2010 verstoßen die Verkehrsteilnehmer nach eigenen Aussagen weniger häufig gegen die Regeln. Autofahrer beispielsweise fahren seltener unter Alkoholeinfluss, Radfahrer halten sich eher an rote Ampeln und Pkw-Fahrer rasen deutlich seltener. Allerdings: Alle Befragten gehen auch von einem höheren Risiko aus, erwischt zu werden als noch 2010. Dies spricht für die Verkehrsüberwachung in Deutschland.

Tempolimits jedoch sehen die meisten als eine unwirksame Verkehrssicherheitsmaßnahme.  Den Fahrradhelm dagegen wird von 80 Prozent als sinnvoll und wirksam angesehen.   

Insgesamt wurden beim "Verkehrsklima 2016" von März bis April 2016 2.061 Personen befragt. Dabei wurden die Antworten der Personen nach folgender Gewichtung berücksichtigt.

  • Führerscheinbesitz (Ja)
  • Pkw-Verfügbarkeit
  • Verkehrsmittelnutzung (Fahrrad, Pkw, ÖPNV)
  • Alter
  • Geschlecht
  • Bildung
  • Bundesland nach Ost-West
  • Bevölkerungsverteilung nach BIK-Regionstyp

dhz

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