Konstanz -

Besser ausbilden

Die Ausbildertag der Handwerkskammer Konstanz setzt Impulse für Qualitätsentwicklung, Marketing und Krisenbewältigung in der Ausbildung.

Besser ausbilden
Reichliche Anregungen und regen Austausch gab’s beim Ausbildertag an der Bildungsakademie Singen. -

Qualität kann die Summe aller Eigenschaften einer Sache beschreiben – oder aber ihre Güte. Auf Letzteres zielen die Bemühungen, wenn es darum geht, die Qualität der beruflichen Bildung weiter zu verbessern. Dabei sind alle Seiten gefordert, allen voran die Ausbilder in den Betrieben. Für sie veranstaltet die Handwerkskammer Konstanz ihren alljährlichen Ausbildertag. Rund 70 Teilnehmer aus Handwerk und Bildungseinrichtungen der Region waren Ende Mai der Einladung in die Bildungsakademie Singen gefolgt und konnten sich bei Vorträgen und in Workshops auf den neuesten Stand bringen.

Wie eng die Qualität der Ausbildung und die Qualifikation der Ausbilder zusammenhängen, darauf wies Kammerpräsident Gotthard Reiner in seiner Begrüßung hin. Vor diesem Hintergrund sei es nicht nachvollziehbar, dass die EU-Kommission einerseits das deutsche Ausbildungssystem lobe und gleichzeitig den Meistertitel infrage stelle. "Der qualifikationsgebundene Berufszugang, also die Meisterpflicht, ist wesentlicher Teil unseres Erfolgsmodells", so Reiner.

Qualität nach der Graswurzelmethode

Wie sich dieses Erfolgsmodell in der Praxis noch besser gestalten lässt, war Thema des Vortrags von Nicolas Schrode. Der Bildungsexperte von der Gesellschaft für Ausbildungsforschung und Berufsentwicklung in München stellte ein Konzept zur Entwicklung eines Qualitätsleitbilds für die Ausbildung vor, das im Modellversuch auch in Handwerksbetrieben erfolgreich umgesetzt wurde.

Das Besondere: Die Leitgedanken für eine erfolgreiche Ausbildung werden nicht am Schreibtisch entworfen, sondern sollen im Dialog aller Beteiligten erarbeitet werden. Statt auf hierarchische Festlegung setzt das Modell nämlich auf die Graswurzelmethode – von der gemeinsamen Zieldefinition über das Ausarbeiten von Kriterien für Strukturen, Abläufe und das Miteinander im Betrieb bis zur Formulierung einfacher Leitsätze, die künftig als Maßstäbe für die Qualität der Ausbildung herangezogen werden können. "Die Azubis sind stolz, wenn sie teilhaben und mitwirken dürfen", so die Erfahrung von Nicolas Schrode.

Mit einem klaren Bekenntnis und konkreten Aussagen zur Ausbildungsqualität können Betriebe auch beim Nachwuchs punkten. Wie wichtig das Thema Ausbildungsmarketing mittlerweile ist, zeigt nicht nur die jüngste Meldung vom Rekordtief bei der Zahl der Ausbildungsverträge. Von Rekrutierungsproblemen berichten auch die Teilnehmer, die im Workshop von Professor Michael Ruf von der Hochschule Heilbronn Anregungen für eine erfolgreiche Positionierung des eigenen Betriebs auf dem Ausbildungsmarkt bekamen.

Grundlage ist das Konzept der Arbeitgebermarke, das nach den eigenen Stärken fragt, die Zielgruppe kennt und auch die Mitbewerber in den Blick nimmt. "Authentisch, attraktiv und besonders", so beschreibt der Fachmann die wichtigsten Eckpunkte der Markenbildung. Diese Botschaft gelte es dann in die Welt zu tragen. Dafür reicht es allerdings nicht, nur die Bekanntheit des eigenen Unternehmens zu fördern.

Das schafft zwar ein Aha-Erlebnis, doch wer bei der Präferenzbildung der jugendlichen Zielgruppe ein Wörtchen mitreden will, braucht auch den "Wow-Effekt". Gefragt sind also die kreativen Ideen und ungewöhnlichen Auftritte. Doch auch wer nicht über ein Heer von Rekrutierungsspezialisten verfügt oder landesweit plakatieren kann, muss keine schlechten Karten haben. "Die Wahl des Ausbildungsplatzes wird maßgeblich durch persönliche Kontakte geprägt", sagt Michael Ruf. Für Handwerksbetriebe, die ein oder zwei Lehrlinge im Jahr ausbilden möchten, gehe es also nicht um den großen ­Facebook-Auftritt, sondern um die gezielte Nutzung der Netzwerke vor Ort.

Im Gespräch bleiben

Einen Auszubildenden zu finden ist der erste Schritt. Wie man ihn hält und in der Ausbildung für gute Startbedingungen sorgt, dafür hatten Marina Bergmann und Walter Kramer von der Handwerkskammer Konstanz zahlreiche Tipps parat. "Betriebe brauchen eine Willkommenskultur. Sie müssen sich Zeit nehmen, um den jungen Menschen individuell gerecht zu werden und den Übergang von der Schule in den Beruf möglichst reibungslos zu gestalten", so ihre Botschaft.

Die gemeinsame Erarbeitung von Qualitätsleitbildern könne da ein wichtiger Schritt sein, aber auch das klare Aufstellen von Regeln und vor allem das regelmäßige Gespräch mit den Azubis. Dazu raten auch Ausbildungsbegleiterin Katja Haid und Ausbildungsberaterin Susanne Hillan von der Handwerkskammer Konstanz. Ihr Thema: Die Vermeidung von Ausbildungsabbrüchen. Denn die kündigen sich an: "Es gibt von Fehltagen bis zu Unstimmigkeiten im Team zahlreiche Alarmzeichen", sagt Katja Haid.

Um da frühzeitig aktiv werden zu können und die Eskalation von Konflikten zu verhindern, sollten Ausbilder und Lehrlinge in regelmäßigem Austausch stehen. "Wir raten, mindestens einmal im Monat beispielsweise die Abgabe des Berichthefts mit einem persönlichen Gespräch unter vier Augen zu verbinden", so die Ausbildungsbegleiterin. Regelmäßigkeit schaffe Vertrauen und damit die beste Voraussetzung dafür, dass Probleme bewältigt und die Ausbildung zu einem guten Ende gebracht werden könnten.

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