Vor der Ausbildung -

Ausbildungsplatz finden Berufsvorbereitung: Die vier Wege zur Lehrstelle

Viele Jugendliche finden keine Lehrstelle, obwohl seit Jahren Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben. Um ihre Defizite auszugleichen und ihnen eine Ausbildung zu ermöglichen, gibt es berufsvorbereitende Maßnahmen.

Berufsvorbereitung
Die Berufsvorbereitung kann in bestimmen Fällen auf die Ausbildungszeit angerechnet werden. -

Manche Jugendliche haben keinen Schulabschluss, anderen mangelt es an Sprachkenntnissen oder Ausbildungsreife. Berufsvorbereitende Maßnahmen sollen sie dennoch fit für den Arbeitsmarkt machen.

Aufgrund der rückläufigen Zahl der Hauptschulabsolventen und des hohen Lehrstellenangebots nehmen immer weniger Jugendliche an diesen Maßnahmen teil. 2013 haben 259.639 Jugendliche daran teilgenommen, 2005 waren es noch 419.654.

Die wichtigsten Berufsvorbereitungen im Überblick:

1. Berufsvorbereitungsjahr

Das Berufsvorbereitungsjahr  ist für Schüler gedacht, die nach der Beendigung oder dem Abbruch der Schule noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben und noch der Schulpflicht unterliegen.

Dabei erhalten Ausbildungsanwärter neben normalem Unterricht auch fachpraktische Kurse. Dazu gehören auch ein oder mehrere Praktika in einem Betrieb.

In der Regel muss man sich bei der beruflichen Schule mit den letzten Schulzeugnissen, einem Anschreiben und einem Lebenslauf mit Lichtbild bewerben.

2. Berufsgrundbildungsjahr

Jugendliche mit einem Hauptschulabschluss, die noch keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, können das erste Jahr der Berufsausbildung auch als berufliche Grundbildung im Berufsgrundbildungsjahr (BGJ) absolvieren.

Der Unterricht umfasst einen berufsübergreifenden Bereich (allgemeine Fächer) sowie einen berufsbezogenen Bereich (Lernfelder). Im Berufsgrundbildungsjahr werden sowohl fachtheoretische als auch fachpraktische Inhalte eines Berufsbereiches vermittelt. Der erfolgreiche Abschluss des BGJ kann als erstes Ausbildungsjahr auf eine nachfolgende Berufsausbildung angerechnet werden.

3. Berufsvorbereitende Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit

Die Maßnahmen der Agentur für Arbeit wollen die Berufsorientierung junger Menschen unter 25 Jahren verbessern. Zielgruppe sind diejenigen, die keine Ausbildungsstelle gefunden haben oder in anderer Form benachteiligt sind.

Jeder Teilnehmer erhält im Rahmen einer Eignungsanalyse die Möglichkeit, sich beruflich zu orientieren. In Kooperation mit Bildungsträgern, die unterschiedliche Berufsfelder anbieten, werden die Jugendlichen gefördert. Die Jugendlichen lernen fachliche und berufliche Grundfertigkeiten, bekommen Kurse in Persönlichkeitsbildung und Medienkompetenz und Sprach- und Bewerbungstraining. Ein Betriebspraktikum soll zudem die Jugendlichen beruflich noch gezielter fördern.

Die maximale Förderdauer der Maßnahme liegt in der Regel bei bis zu zehn Monaten. Bei jungen Menschen mit Behinderung bei elf Monaten.

4. Einstiegsqualifizierungen

Das Einstiegsqualifizierungsjahr (EQJ) ist für Jugendliche gedacht, die keinen Ausbildungsplatz gefunden haben. Es ist mit einem Praktikum vergleichbar, die Vergütung ist jedoch gesetzlich vorgeschrieben: Sie muss mindestens 212 Euro betragen. Das Bundesarbeitsgericht hat in einem Urteil festgelegt, dass die Ausbildungsvergütung nur dann angemessen ist, wenn sie mindestens 80 Prozent der branchenüblichen tariflichen Vergütung beträgt. Bei außerbetrieblichen Ausbildungen sollte die Vergütung 55 Prozent der branchenüblichen tariflichen Vergütung betragen. Wenn kein Tarifvertrag für einen Azubi gilt und auch für die Branche kein Tarifvertrag existiert, legen die zuständigen Kammern die Vergütungen fest.

Auch die mögliche Dauer des EQJ ist gesetzlich festgelegt: Es muss mindestens ein halbes Jahr dauern und kann bis zu einem Jahr ausgedehnt werden. Die Dauer wird vorher in einem Vertrag festgelegt. In der Regel beginnt das EQJ am 1. Oktober. EQJ-Plätze sind online nur teilweise ausgeschrieben. Das Arbeitsamt oder die Handwerkkammer helfen aber bei der Suche weiter.

Während eines EQJ arbeiten die in einem Betrieb und werden im besten Fall danach in eine reguläre Berufsausbildung übernommen. meh

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