Thüringer Handwerkstag -

Thüringer Schulgesetz Berufsorientierung im Lehrplan

Die Thüringer Landesregierung überarbeitet derzeit das Schulgesetz. Dabei ist für das Handwerk ein Thema von zentraler Bedeutung: Ausweitung und Verstetigung der Maßnahmen zur Berufsorientierung für Schülerinnen und Schüler.

Gemäß dem kürzlich veröffentlichten Berufsbildungsbericht des Bundesministeriums für Bildung und Forschung wurden 2016 bundesweit 146.376 Ausbildungsverträge vorzeitig gelöst. Dies entspricht einer Vertragslösungsquote von 25,8 Prozent. Wenngleich nicht jede Vertrags­lösung einem endgültigen Ausbildungsabbruch gleichkommt, zeigt der Trend der letzten Jahre nach oben.

„Die Gründe sind vielfältig. Oft sind es falsche Erwartungen vom Berufsbild und dem Arbeitsalltag, die zu einer Umorientierung der Jugendlichen führen“, schätzt Stefan Lobenstein, Präsident des Thüringer Handwerkstages (THT) und Konditormeister, die Lage ein. „Umso wichtiger ist es, Schülerinnen und Schüler schon frühzeitig auf Basis ihrer Interessen, Kompetenzen und Potenziale Orientierungshilfen zu geben.“

Orientierungsmaßnahmen

Mit der „Landesstrategie zur praxisnahen Berufsorientierung“ hat das Land Thüringen 2013 ein wegweisendes Instrumentarium geschaffen, welches durch Schulen und Wirtschaft erfolgreich getragen und entwickelt wird. Schülerinnen und Schüler sollen sich dadurch selbstverantwortlich und frei von Klischees für ihren weiteren Bildungs- und Berufsweg entscheiden.

„Die Erfolge der letzten Jahre sind durchaus sichtbar. Die Abbruchquoten im Thüringer Handwerk liegen deutlich unterhalb des bundesweiten Durchschnitts. Aber es gibt Gewerke, in denen können wir mit der Entwicklung nicht zufrieden sein. Umso wichtiger ist eine Weiterentwicklung und Ausweitung der Berufsorientierungsmaßnahmen“, so Lobenstein.

Erstmals gesetzliche Verankerung

Im Zuge der Reform ist erstmals eine Festschreibung der beruflichen Orientierung im Gesetz vorgesehen. „Dieser Schritt wird ausdrücklich begrüßt. Die Formulierungen sind aber noch zu schwammig. Es fehlt das klare Bekenntnis zur Ausweitung auf die Gymnasien, da hier bislang oftmals keine ausgeglichene Berufs- und Studienorientierung stattfindet“, so der THT-Präsident.

Ausweitung auf Gymnasien gefordert

Die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass die Studien­berechtigtenquote in Thüringen mittlerweile bei annähernd 50 Prozent liegt. Die ausgeprägte gesellschaftliche Entwicklung hin zum akademischen Bildungsweg führt dazu, dass großen Teilen der Schülerschaft die Alternativen zum Studium, etwa die klassischen und modernen Bildungswege des Handwerks, nur unzureichend bekannt sind.

Derzeit beginnt nur jeder achte Abiturient eine Ausbildung in einem Handwerksberuf. „Die berufliche Orientierung an Gymnasien sollte im Gesetz deshalb deutlich differenzierter betrachtet und entsprechend einheitlich, analog den Regelschulen, gefasst werden“, fasst Lobenstein die Marschrichtung für den weiteren Abstimmungsprozess zusammen.

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