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Betrieb macht Schule Berufsorientierung: Handwerker am Lehrerpult

In Sachsen fallen im Schnitt 5 Prozent des Schulunterrichts aus, wegen Lehrermangels. Gleichzeitig können viele Betriebe ihre Ausbildungsstellen nicht besetzen, aus Nachwuchsmangel. Der Arbeitskreis Schule-Wirtschaft Mittweida entwickelte nun die Idee, ausgefallene Stunden für Berufsorientierung zu nutzen. Ein Beispiel aus dem Handwerk.

Mario Fischer möchte ans Lehrerpult. "Ich will den Schülern zeigen, wofür sie lernen und wie sie es später praktisch im Beruf anwenden können“, sagt der Dachdeckermeister aus Rossau in Mittelsachsen.

"Betrieb macht Schule“ heißt das Projekt, das aus der Not eine Tugend macht. In Sachsen - wie in anderen Regionen Deutschlands auch - fallen im Schnitt 5 Prozent des Schulunterrichts aus – Lehrermangel. Gleichzeitig können viele Betriebe ihre Ausbildungsstellen nicht besetzen – Nachwuchsmangel. Aus dieser Situation heraus entwickelte der Arbeitskreis Schule-Wirtschaft Mittweida die Idee, die ausgefallenen Stunden für Berufsorientierung zu nutzen.

Bezug von Theorie und Praxis

Fischer hat das Konzept von Anfang an gefallen. Je eine Doppelstunde pro Vortrag ist geplant. Erste Umsetzungsversuche zeigen, dass Schule und Unternehmer sich sehr genau absprechen müssen, damit die Inhalte schülergerecht ankommen.

Kurzfristige Stundenausfälle, weil ein Lehrer plötzlich erkrankt ist, lassen sich also nicht ausgleichen. Doch gebe es planbare Ausfallzeiten, beispielsweise, wenn Lehrer mit einer Klasse auf Exkursion sind oder auf Weiterbildung und damit in anderen Klassen ausfallen, erklärt Ilka Frigge. Die Schulleiterin des Gymnasiums Burgstädt ist Vorsitzende des Arbeitskreises "Betrieb macht Schule“ und hat an ihrer Schule mit dem Projekt gestartet.

Nur ein Handwerker bei "Betrieb macht Schule"

Bisher haben rund 20 regionale Unternehmen ihre Ideen eingebracht, ausnahmslos größere Betriebe und Institutionen – bis auf den Dachdecker Fischer. Der Siebenmannbetrieb, geführt in sechster Generation von Mario und seinem Bruder Nico Fischer, will den Kontakt zur Jugend nicht abreißen lassen. "Wenn wir jemanden erreichen wollen, müssen wir etwas dafür tun“, ist Fischer überzeugt. Deswegen hat er auch Poster seines Betriebs an Schulen aushängen lassen; auf einem Linienbus in der Region prangt seine Nachwuchswerbung.

Was er den Schülern erzählen will, wenn er zum Unterrichten gerufen wird, hat er sich bereits zurechtgelegt: "Wir haben da Unterstützung von unserem Zentralverband“, verweist er auf eine Präsentation speziell für Schüler. Damit könne er den jungen Leuten sehr gut zeigen, worauf es in seinem Beruf ankomme. Übung darin, den eigenen Betrieb und seinen Beruf zu präsentieren, hat Fischer aus früheren Auftritten. Auf der "Woche der offenen Unternehmen“ und regionalen Ausbildungsmessen wirbt er regelmäßig um Nachwuchs.

Viel Einsatz für Nachwuchs

"Zum Teil stößt man bei so etwas nur auf wenig Interesse“, spricht er auch über enttäuschende Erfahrungen. Dennoch lohne sich das Engagement. Seinen aktuellen Azubi hat er über einen solchen Messeauftritt gewonnen. Der junge Mann sei auf den Betrieb neugierig geworden, habe bei ihnen Ferienarbeit gemacht und sich dann für die Ausbildung entschieden. "Dieses Jahr wird er fertig und bleibt dann bei uns“, freut sich Fischer. Jetzt wartet er auf seinen ersten Schulauftritt: "Noch hat es nicht geklappt. Aber ich hoffe, dass sich das bald ändert.“

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