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Betriebsausgaben- bzw. Werbungskostenabzug Berufskleidung steuerlich absetzen: Das müssen Sie beachten

Die Finanzverwaltung hat genaue Vorstellungen, in welchen Fällen Berufskleidung als Betriebsausgabenabzug bzw. bei Arbeitnehmern als Werbungskosten abgesetzt werden darf. Diese Steuerspielregeln sollten Sie beachten.

Was gehört steuerlich zur typischen Berufskleidung?

Kleidungsstücke, Mützen und Schuhe dürfen steuerlich nur dann geltend gemacht werden, wenn es sich dabei nachweislich um typische Berufskleidung handelt. Von typischer Berufskleidung nach § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 6 EStG spricht man, wenn die Kleidung so beschaffen ist, dass sie objektiv nahezu ausschließlich dazu bestimmt ist, bei Ausübung des Berufs getragen zu werden. Als typische Arbeitskleidung werden deshalb steuerlich folgende Kleidungsstücke anerkannt: Blaumann, feuerfeste Kleidung, Schuhe mit Stahlkappen, Kleidung, die den Unfallverhütungsvorschriften entsprechen, Kittel, Hygienehauben.

Praxis-Tipp: Wer auf Nummer sicher gehen möchte beim Betriebsausgaben- bzw. Werbungskostenabzug, sollte seine Arbeitskleidung ausschließlich bei Fachanbietern kaufen. Das sorgt in 99 Prozent aller Fälle dafür, dass das Finanzamt nichts gegen die steuerliche Absetzbarkeit einwenden wird. Viele Artikel dieser Fachanbieter sind tatsächlich so modisch, dass sie auch privat getragen werden können. Das ändert aber nichts an der steuerlichen Betrachtung.

Alltagskleidung als Berufskleidung: Finanzämter sind streng

In der Praxis kommt es natürlich vor, dass sich Unternehmer oder Arbeitnehmer Alltagskleidung kaufen und diese tatsächlich nur für die Arbeit nutzen. Trotzdem scheidet hier der Betriebsausgaben- bzw. Werbungskostenabzug aus. Kauft sich also ein Heizungsmonteur bequeme Turnschuhe, weil er damit weniger Rückenprobleme hat, erkennt das Finanzamt diese Ausgaben steuerlich nicht an. Dasselbe gilt für weiße T-Shirts oder Jeans, die viel aushalten.

Aufteilung der Kosten: Ein Versuch ist es wert

Wer mit dem Finanzamt über den Betriebsausgaben- bzw. Werbungskostenabzug für Kleidung diskutiert, kann vielleicht einen Kompromiss erzielen. Bieten Sie dem Finanzamt an, die Kosten für nicht ganz typische Arbeitskleidung aufzuteilen. Eine Aufteilung teils privater, teils betrieblicher Kosten hat der Bundesfinanzhof schon bei Reisekosten erlaubt (BFH, Beschluss vom 21. September 2009, Az. GrS 1/06). Ein Versuch ist es auf jeden Fall wert.

Reinigungskosten nicht vergessen

Können Sie das Finanzamt vom (anteiligen) Abzug der Ausgaben für typische Arbeitskleidung überzeugen, profitieren Sie von weiteren Steuervorteilen. Sie können neben den Kosten für den Kauf der Kleidung auch die Reinigungskosten steuersparend geltend machen. Dazu legen Sie dem Finanzamt entweder die Rechnung einer Reinigungsfirma vor oder Sie ermitteln pauschale Ausgaben, wenn die Kleidung zu Hause gewaschen wurde.

Fazit: Das Thema "Arbeitskleidung & Steuer" dürfte aufgrund eines neuen Urteils des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg (Urteil vom 29. August 2018, Az. 3 K 3278/15) an Brisanz gewinnen. Denn die Richter haben ein Grundsatzurteil gekippt, das zumindest in Ausnahmefällen den Betriebsausgaben- bzw. Werbungskostenabzug für nicht typische Arbeitskleidung zugelassen hat.

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