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Warnelemente und Sicherheitsschuhe Berufskleidung: Sichtbarkeit bei der Arbeit geht vor

Ständig wechselnde Einsatzorte gehören in vielen Handwerksberufen zum Tagesgeschäft. Doch die hohe Mobilität birgt Risiken: Auf Baustellen oder auch im Verkehrsbereich können unauffällig gekleidete Mitarbeiter leicht übersehen werden. Um die Erkennbarkeit zu erhöhen, werden Warn­elemente bei Arbeitskleidung und Sicherheitsschuhen immer wichtiger.

Im Handwerk gibt es genügend Situationen, in denen Mitarbeiter übersehen werden können. Das Risiko besteht etwa beim Ein- und Aussteigen oder beim Be- und Entladen des Transporters im fließenden Verkehr, auf der Baustelle in den frühen Morgenstunden, in Lagerhallen mit schlechten Lichtverhältnissen oder beim ständigen Wechsel von drinnen nach draußen.

Kurzum: Wann immer Unbeteiligte nicht mit "Men at Work" – also Menschen bei der Arbeit – rechnen, kann es zu Unfällen kommen. In diesem Punkt spricht die Statistik der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) in Berlin Klartext: Im ersten Halbjahr 2019 ereigneten sich alleine auf dem Weg zur Arbeit oder nach Hause 91.558 Unfälle.
Immerhin zeichnet sich ein Rückgang der Zahlen an – und daran könnte auch die Arbeitsgarderobe der Mitarbeiter beteiligt sein. Seit einigen Jahren werden nämlich Berufskleidung und Sicherheitsschuhe vermehrt mit gut erkennbaren Warnelementen ausgestattet oder zertifizierte Warnkleidung getragen.

Lichtreflexe als Bewegungsmelder

Grundsätzlich ergibt sich die Notwendigkeit einer Erkennbarkeit von Mitarbeitern immer aus der Risikobewertung, die das Produkt aus Gefahr und Wahrscheinlichkeit ist. Insofern ist eine zusätzliche Erkennbarkeit immer dann notwendig, wenn sich jemand in Verkehrsräumen befindet. Für Straßenbauer trifft dieser Fall zweifelsohne zu, weshalb in der Branche üblicherweise zertifizierte, hoch sichtbare Warnkleidung getragen wird.

Gut sichtbare Berufskleidung

Bei einem Schreiner hingegen, der an seiner Werkbank in der Werkstatt arbeitet, ist eine gute Erkennbarkeit weniger wichtig. Aber auch für ihn kann es Situationen geben, in denen er sich durch eine bessere Sichtbarkeit erkennbar machen möchte.

Reflexelemente für eine Wahrnehmung auf weite Distanz

Für eine bessere "Nachtsichtbarkeit" haben sich Reflexmaterialien als ein auffälliges und zugleich stilistisch interessantes Mittel erwiesen. Da die Erkennbarkeit einer Person bei Regen, im Schatten oder in der Dämmerung ungefähr 30 Meter beträgt, erlauben Reflexelemente eine Wahrnehmung auf weitere Distanzen, denn sie spiegeln das einfallende Scheinwerferlicht mit hoher Intensität zurück.

Aufgrund ihrer Farbe – Reflexmaterialien sind üblicherweise grau – passen sie sich außerdem hervorragend in modern gestaltete Kollektionen ein. Shorts, Hosen, Westen, Softshell- und Wetterschutzjacken bekommen dank Reflexpaspeln, -streifen oder -drucken eine sportliche Silhouette und einen schicken Look.

Die zusätzliche Sichtbarkeit ist aber keineswegs auf die Kleidung beschränkt, denn auch Sicherheitsschuhe werden mit reflektierenden Elementen versehen. Aus gutem Grund: Da bei vielen Tätigkeiten die Füße "vorangehen", funktionieren applizierte Reflexmaterialien quasi als sichtbarer Bewegungsmelder.

Farben, die aus der Umgebung herausstechen

Allerdings ist die Aufbringungsfläche bei Schuhen begrenzt. Weil aber das Sicherheitsbewusstsein bei Arbeiten im öffentlichen Raum wächst, entwickeln die Hersteller schon weitergehende Fußschutzkonzepte, in denen beispielsweise aktiv leuchtende LEDs zusätzliche Aufmerksamkeit erregen.

Während reflektierende Materialien die Nachtsichtbarkeit verbessern, übernehmen fluoreszierende Elemente eine bessere Wahrnehmbarkeit bei Tageslicht. Die unnatürlich grellen Farben in Orange, Gelb und Rot stechen aus jeder Umgebung heraus und sind dadurch tagsüber auch aus weiterer Entfernung gut erkennbar. In herkömmlicher Berufskleidung werden sie als optische Akzente genutzt – etwa in Form von Neon-Reißverschlüssen oder Besätzen an Jacken und Hosen.

Drei Bekleidungsklassen für passive Verkehrsteilnehmer

Allerdings reichen die auffälligen Elemente nicht mehr aus, wenn die Beschäftigten zu passiven Verkehrsteilnehmern werden. Beim Bau, der Unterhaltung oder Reinigung der Straßen und Anlagen im Straßenraum muss bei der Arbeit außerhalb von Gehwegen und Absperrungen auffällige Warnkleidung getragen werden, fordert die Straßenverkehrsordnung (StVo § 35 Absatz 6).

Dann ist normgerechte, hoch sichtbare Warnkleidung gefragt. Sie ist nach der EN ISO 20471 normiert und definiert für passive Verkehrsteilnehmer drei Bekleidungsklassen (1, 2, 3), die von der Geschwindigkeit der vorbeifahrenden Fahrzeuge abhängig sind. Für jede Klasse gilt eine Mindestfläche des fluoreszierenden Hintergrundmaterials und der Reflexstreifen sowie deren Aufbringung.

Da in der niedrigen Schutzklasse 1 die geringsten Anforderungen gelten, bieten sich in diesem Bereich gestalterische und farbliche Spielräume und gute Kombinationsmöglichkeiten mit "normalen" Kollektionen: Hi-Vis Orange, Gelb und Rot werden mit Besatzfarben in Anthrazitgrau, Grün, Schwarz, Marine oder Tintenblau und mit farblich passenden Shirts und Jacken kombiniert.

Unbedingte Einhaltung der Norm

In einigen Berufen – etwa im Straßen- oder Hoch-/Tiefbau – stellt die geforderte Schutzklasse jedoch deutlich höhere Ansprüche an die Gestaltung der Warnkleidung. Farbige Akzente sind dann nicht mehr möglich. Aber auch dann ist ein modischer Touch möglich – etwa durch den Mix von verschiedenen Fluoreszenz-Textilien oder gedruckten Reflexstreifen, die für einen guten Bewegungskomfort sorgen.

Unabhängig vom Stil der Schutzkleidung darf eines aber nicht vergessen werden: Warnkleidung kann durch Gebrauch und Wäsche ihre von der Norm geforderten Anforderungen an Reflex- und Fluoreszenzmaterial verlieren. Textilservice-Unternehmen erhalten die Sichtbarkeit – durch fachgerechte Pflege, regelmäßige Einzelteilkontrollen und den Austausch ungeeigneter Teile.

Das Sicherheitsbewusstsein in den Betrieben hat sich geändert

Während Warnkleidung bis vor wenigen Jahren vor allem das Erscheinungsbild der Straßenbauer prägte, hat sich das Bild inzwischen geändert. In vielen Handwerksberufen ist die Garderobe um hoch sichtbare Schutzkleidung ergänzt, die – je nach Einsatzort und Risiko – den ganzen Tag oder nach Bedarf getragen wird.

An dieser Entwicklung haben im Wesentlichen drei Faktoren mitgewirkt: Strengere Richtlinien des Gesetzgebers, eine umfassende Aufklärungsarbeit durch die Berufsgenossenschaften und ein geändertes Sicherheitsbewusstsein in den Betrieben, die mehr denn je auf gesunde Mitarbeiter angewiesen sind.

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