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Wahrnehmbarkeit bei der Arbeit Berufskleidung: Besser gesehen werden

Die Zahl der meldepflichtigen Wegeunfälle steigt – umso wichtiger ist gut sichtbare Berufskleidung.

Ein Anstieg der meldepflichtigen Wegeunfälle um fast fünf Prozent – das ist die traurige Bilanz, die die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) für das erste Halbjahr 2016 zog. Eine bei schlechten Sichtverhältnissen leichter erkennbare Berufskleidung gewinnt angesichts dieser Zahl immer weiter an Bedeutung. Viele Handwerker verbringen einen Teil ihrer Arbeitszeit auf der Straße. Auf den Fahrten zwischen Kundenterminen, Baustellen oder Lieferanten passieren immer wieder Unfälle.

Im ersten Halbjahr 2016 lag die Zahl der meldepflichtigen Wegeunfälle bei 91.298. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht das einer Steigerung um 4.228 und einer Zunahme um 4,9 Prozent. Der deutliche Anstieg dürfte auf die wachsende Zahl der Erwerbstätigen zurückgehen. Die DGUV rät Betrieben daher, die Mitarbeiter – gerade kürzlich eingestellte – regelmäßig im Arbeitsschutz zu unterweisen. Darüber hinaus kann auch Berufskleidung einen kleinen Beitrag für mehr Aufmerksamkeit leisten.

Auffallend ­unnatürlich

Weil schlechte Sicht- und Wetterverhältnisse ihren Teil an einem Unfallgeschehen haben, kann eine auffällige Kleidung die Wahrnehmbarkeit von Personen verbessern. Oberteile und Hosen werden daher immer häufiger mit retroreflektierenden und/oder fluoreszierenden Besätzen ausgestattet. Erste entfalten ihre Wirkung bei eingeschränkten Lichtverhältnissen, letztgenannte sorgen für eine bessere Tagessichtbarkeit. Für die auffällige Optik der retroreflektierenden Paspeln, Streifen und Co. ist deren gerichtete Lichtreflektion verantwortlich. Werden sie angestrahlt, trifft das Licht auf die quasi mit Miniaturspiegeln bestückten Elemente und wird im selben Winkel zurückgestrahlt. Dann wirken sie wie Katzenaugen und "leuchten". Dieser Effekt kann sich beispielsweise beim Aussteigen aus dem Auto oder Kleinbus als nützlich erweisen, denn die Erkennbarkeit des Einzelnen nimmt deutlich zu.

Während Reflexstreifen ihre Wirkung im Dunkeln entfalten, funktionieren fluoreszierendes Gelb, Orange oder Rot bei Tageslicht. Ihre unnatürlich "leuchtende" Farbigkeit hebt sich vor einem Hintergrund, wie er in Städten und in der Natur gegeben ist, deutlich sichtbar ab. Dadurch entsteht ein starker Kontrast zur Umgebung. Dieser wird von aktiven Verkehrsteilnehmern schneller wahrgenommen. Allerdings wirken die fluoreszierenden Farben nicht bei Dunkelheit und die retroreflektierenden Elemente nicht ohne direktes Anleuchten. Um in möglichst vielen Situationen schneller erkannt zu werden, sollte die Berufskleidung idealerweise mit beiden Auffälligkeitsmerkmalen ausgestattet sein.

Pflegehinweise beachten

Von offizieller Seite wird eine entsprechend "ausgerüstete" Bekleidung übrigens nicht gefordert. Wer die Sicherheit seiner Beschäftigten verbessern will, muss daher selbst aktiv werden. Erfreulicherweise steht inzwischen eine große Auswahl entsprechend gestalteter Berufskleidungskollektionen zur Verfügung. Viele Berufskleidungshersteller haben ihre Kollektionen für das Handwerk um fluoreszierende und/oder retroreflektierende Elemente ergänzt.

Ihre Funktion ist allerdings nicht unbegrenzt. Der arbeitsalltägliche Schmutz und Staub überlagern die Sichtbarkeitselemente. Eine Wäsche bringt die gewünschte Wirkung aber wieder zurück. Voraussetzung ist, dass die Herstellerangaben berücksichtigt werden. Enthält eine Arbeitskleidung fluoreszierende Besätze, sollte ein Waschmittel ohne optische Aufheller verwendet werden, um einen "Auslösch"-Effekt zu verhindern.

Dieser tritt auf, wenn zwei fluoreszierende Farbstoffe – in diesem Fall die Leuchtfarbe und der optische Aufheller – aufeinandertreffen. Reflexstreifen vertragen hingegen kein Bleichmittel. Auch diese Substanz verbirgt sich in so manchem Haushaltswaschmittel. Außerdem sind viele retroreflektierenden Materialien gegenüber Hitze empfindlich. Die Hersteller empfehlen die Einhaltung der angegebenen Wasch- und Trockenbedingungen sowie -temperaturen.. Die Nichtbeachtung der vorgeschriebenen Waschhinweise kann die Retroreflexion des Reflexmaterials nachhaltig beeinträchtigen und dessen Lebensdauer erheblich verkürzen. Weil aber ein Laie die Funktion der Kontrastelemente nicht beurteilen kann, liegt die Verantwortung für die eigene Sicherheit letztendlich immer noch bei einem selbst.

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