Meinung -

Kommentar Berufliche Bildung ist keine Sackgasse

Über die aktuellen Ausbildungszahlen, das Karrierepotenzial im Handwerk, die Chancen für Flüchtlinge sowie zum Wahlversprechen, Lehrgangs- und Prüfungsgebühren für erfolgreiche Meisterschüler zu übernehmen.

Rund 140.000 junge Menschen dürften 2017 eine Ausbildung im Handwerk beginnen. Die ersten Zahlen deuten darauf hin, dass sich wieder mehr junge Menschen für eine Lehre in unserem Wirtschaftsbereich entscheiden. Das ist allerdings erst eine Momentaufnahme. Abgerechnet wird am Jahresende. Aber auch da könnte ein leichtes Plus zu verzeichnen sein. Dennoch werden weiterhin viele Betriebe bei ihrer Suche nach Nachwuchs leer ausgehen. Alleine in den Lehrstellenbörsen der bayerischen Handwerkskammern sind derzeit noch rund 6.500 unbesetzte Plätze zu finden.

Auf diejenigen, die jetzt ihre Ausbildung beginnen, warten spannende Jahre. Denn die berufliche Bildung ist keine Sackgasse, wie leider noch manche Eltern meinen, sondern sie eröffnet viele Wege. Meister, Existenzgründer, Betriebsübernehmer oder – wenn es sein muss – auch Studium, das sind nur einige, aber die wichtigsten Optionen. Das Handwerk geht auch neue Wege, um zusätzliche Potenziale zu erschließen. Einige, die nun in ihr Berufsleben starten, werden dies mit dem Berufsabitur verbinden.

Ausbildung im Handwerk: Flüchtlingspotenzial bei weitem nicht ausgeschöpft

Spannend wird die Frage sein, wie viele junge Flüchtlinge unter den Ausbildungsanfängern sind. Unabhängig von der Anzahl steht allerdings fest, dass das Potenzial bei weitem nicht ausgeschöpft wird. Zum einen werden Betriebe, die diesem Personenkreis eine Chance geben wollen, durch das ausländerrechtliche Wirrwarr abgeschreckt. Zum anderen ziehen junge Flüchtlinge des vermeintlich schnellen Geldes wegen oftmals eine Helfertätigkeit der Ausbildung vor.

Immer wieder wird auch diskutiert, ob eine duale Berufsausbildung in der üblichen Form für Flüchtlinge überhaupt geeignet ist. Teilqualifizierung und Kompetenzfeststellung sowie -anerkennung sind dazu die Alternativen. Davor kann man nur warnen. Einen Beruf in seiner Breite erlernt man nur durch die vollständige duale Ausbildung. Junge Flüchtlinge müssen nur umfassend darauf vorbereitet werden, insbesondere durch das Erlernen der deutschen Sprache.

Wahlversprechen Meistergebühren: Rund 200 Millionen Euro im Jahr

In Wahlkampfzeiten ist es nicht verwunderlich, dass Parteien die berufliche Bildung entdecken. Ein beliebtes Versprechen ist, dass Meister ähnlich wie Studenten keine Lehrgangs- und Prüfungsgebühren mehr bezahlen müssen. Recht so – müsste man dazu sicherlich sagen –, wenn auch klar vermittelt würde, wer dann dafür in welcher Form aufkommt. 2016 hatten wir im Handwerk etwas mehr als 21.000 bestandene Meisterprüfungen. Bei vollkommenem Kostenersatz addiert sich das schnell auf rund 200 Millionen Euro.

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