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Berufsbildung Berufliche Ausbildung darf keine Sackgasse sein

Zahlreiche Schulabgänger studieren. Doch nicht immer mit Erfolg und zum Leidwesen vieler Unternehmen, die ihre Lehrstellen nicht besetzen können. Der BIBB-Kongress diskutiert Auswege und hat Lösungsansätze.

Die Bundesregierung will den Wechsel zwischen beruflicher und akademischer Bildung erleichtern und so die berufliche Bildung stärken. "Kein Weg darf eine Sackgasse sein", sagt Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) zum Auftakt des zweitägigen Kongresses des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) mit dem Motto: "Berufsbildung attraktiv gestalten – mehr Durchlässigkeit ermöglichen".

Weg in duale Ausbildung verbessern

Wer mehr Durchlässigkeit erlaube, entzieht nach Ansicht der Bildungsministerin dem dualen System keineswegs Bewerber. Vielmehr würden die Bewerber nicht von vornherein abgeschreckt. Als Erfolg wertet Wanka, dass man heute in allen Bundesländern mit einer beruflichen Ausbildung und Berufserfahrung ein verwandtes Fach studieren könne. In der Praxis gebe es allerdings immer noch "Hürden", die es abzubauen gelte. Gerade für Studienabbrecher sollte aber auch der Weg von der Hochschule in die duale Ausbildung verbessert werden.

Nach Ansicht des BIBB-Präsidenten Friedrich Hubert Esser gibt es hier noch allerhand zu tun: "Innerhalb des Bildungssystems muss der Einzelne die Möglichkeit besitzen, zwischen verschiedenen Bildungsgängen zu wechseln und damit auch seine Bildungsentscheidungen zu revidieren", so Esser.

Verdienst- und Karrieremöglichkeiten aufzeigen

Studienaussteiger müssten deshalb verlässliche Information darüber erhalten, was von ihren Qualifikationen anerkannt werde und inwieweit sich ihre Ausbildung dadurch verkürze. Esser hat auch deutlich gemacht, dass es mittlerweile nicht mehr darum gehe, jungen Menschen attraktive Bildungsangebote zu machen. Wichtig sei auch zu zeigen, welche "Beschäftigungs-, Verdienst- und Karrieremöglichkeiten sich dadurch eröffnen."

Einig waren sich die Bildungsexperten über die Notwendigkeit einer fundierten Berufs- und Studienberatung an allen Schulen und Hilfestellungen beim Übergang von Schule in Beruf. "Wir müssen ein richtiges Coaching haben", so der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Horst Hippler.

Studienorientierung nicht nur Lehrersache

Ziel müsse sein, dass jeder das macht, was er am besten könne. "Nicht immer ist der Weg nach ganz oben, der beste", fügte er hinzu. Dabei sollte die Berufs- und Studienorientierung insbesondere an Gymnasien nach Ansicht des Vorstandsvorsitzenden des Forschungszentrums Jülich, Wolfgang Marquardt, nicht allein den Lehrern überlassen werden. Kammern und Unternehmen und andere Akteure sollten ebenfalls eingebunden werden.

Auch an anderen Schulen sollen mit frühzeitiger Information die Einblicke in Ausbildungsberufe weiter verbessert werden. Wie Wanka weiter sagte, sollte die Idee der Bildungsketten ab Klasse 7 noch weiter ausgebaut und der Berufseinstieg weiter begleitet werden. Das Ministerium habe dafür auch rund 500 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

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