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Beiträge teilen mit dem Finanzamt Wie wirkt sich Altersvorsorge steuerlich aus?

Selbstständige Handwerker sollten bei der Altersvorsorge auf die Steuerlast in der Anspar- und Auszahlungsphase achten.

Junge Handwerker, die noch 20 oder 30 Jahre im Berufsleben vor sich haben, profitieren bei der Altersvorsorge von der langen Ansparphase. Doch auch ältere Handwerker, die finanziell in einen ungewissen Ruhestand blicken, sollten das Thema Altersvorsorge unbedingt zur Chefsache erklären. Bei der Art der Altersvorsorge sind Produkte beliebt, bei denen sich das Finanzamt über Steuerentlastungen für die Beitragszahlungen beteiligt. Hier ein Überblick über die gängigsten und beliebtesten Altersvorsorgeprodukte für Selbstständige.

Rürup-Vertrag: Klassiker mit Steuersparpotential

Bei einer Rürup-Rentenversicherung, im Fachjargon als Basis-Rente bezeichnet, winken für die Beitragszahlungen besonders hohe Steuervorteile. Gefördert werden Beitragszahlungen bis zur Höhe von 23.362 Euro/46.724 Euro (ledig/verheiratet). Davon sind 2017 84 Prozent als steuersparende Sonderausgaben abziehbar.

Konkret: Sind Sie ledig, schließen Sie 2017 noch einen Rürup-Rentenvertrag ab und zahlen a) 23.362 Euro oder b) 40.000 Euro in den Vertrag ein, bringt Ihnen das für 2017 folgenden Sonderausgabenabzug: Variante a: 19.624 Euro (23.362 Euro u 84 Prozent). Variante b: 19.624 Euro (40.000 Euro u 84 Prozent = 33.600 Euro, maximal aber 19.624 Euro). Bei einem unterstellten Steuersatz von 40 Prozent würde die Steuerentlastung 2017 im Beispielsfall 7.850 Euro betragen. Im Verhältnis zu den Beitragszahlungen würde sich das Finanzamt somit mit üppigen 33,6 Prozent an Ihren Zahlungen beteiligen.

Der Sonderausgabenabzug steigt in den nächsten Jahren pro Jahr um zwei Prozentpunkte. Das bedeutet, dass Sie ab dem Jahr 2025 sogar 100 Prozent Ihrer Beitragszahlungen als steuersparende Sonderausgaben absetzen können.

Auszahlungsphase: Steuergeschenke des Finanzamts sind allerdings nie umsonst. Das gilt auch hier. Denn wegen der steuerlichen Förderung in der Ansparphase besteuert das Finanzamt die späteren Rentenzahlungen. Die Höhe der Besteuerung richtet sich nach dem Jahr, in dem Sie die erste Rentenzahlung erhalten. Bei Auszahlungsbeginn im Jahr 2020 müssten Sie 80 Prozent der Rürup-Rente versteuern, bei erstmaliger Auszahlung im Jahr 2030 würden 90 Prozent der Rente steuerpflichtig werden und bei Rentenbeginn ab 2040 besteuert das Finanzamt 100 Prozent Ihrer Altersvorsorge.

Fazit: Steuerlich gesehen ist die Rürup-Rentenversicherung sehr reizvoll. Denn in der Ansparphase haben Sie meist noch einen sehr hohen Steuersatz und sparen dementsprechend durch den Sonderausgabenabzug hohe Steuern. In der Auszahlungsphase ist der Steuersatz meist sehr niedrig.

Riester-Vertrag: Verheiratete ­Selbstständige profitieren

Da Selbstständige nicht gesetzlich rentenversicherungspflichtig sind, stehen ihnen bei Abschluss eines Riester-Rentenvertrags die staatlichen Zulagen nicht zu. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Denn ist ein Selbstständiger verheiratet, kommt der Selbstständige durch ein Hintertürchen mit überschaubaren Beitragszahlungen von nur 60 Euro pro Jahr in den Genuss der Zulagen.

Dieses Hintertürchen findet sich in § 79 Satz 2 EStG und funktioniert bei Einhaltung der folgenden fünf Voraussetzungen: 1. Der Ehepartner des Selbstständigen muss gesetzlich rentenversicherungspflichtig, Minijobber mit eigenen Beitragszahlungen zur Rentenversicherung oder Beamter sein und somit Anspruch auf die Riester-Zulagen haben. 2. Der Ehegatte muss einen Riester-Rentenvertrag abschließen. 3. Der Ehegatte muss die Mindestbeiträge (4 Prozent des Vorjahresbruttogehalts, maximal 2.100 Euro) einbezahlen. 4. Der Selbstständige muss einen Riester-Rentenvertrag abschließen. 5. Der Selbstständige muss mindestens 60 Euro pro Jahr an Beiträgen ­einzahlen. In diesem Fall bekommt der Selbstständige über § 79 Satz 2 EStG einen abgeleiteten Riester-Anspruch.

Im Jahr 2017 winkt den beiden jeweils eine Grundzulage von 154 Euro und für jedes Kind eine Zulage von 185 Euro (bei Geburt ab 2008: 300 Euro). Im Jahr 2018 klettert die Grundzulage auf 175 Euro.

Beispiel: Der selbstständige Handwerker Hans Müller und seine Frau Sabine schließen beide Riester-Verträge ab. Die beiden haben drei Kinder (alle nach 2008 geboren). Die beiden beantragen, dass die Kinderzulagen dem Riester-Vertrag von Hans zugerechnet werden. Folge: Hans zahlt im Rahmen des abgeleiteten Anspruchs 2017 seine 60 Euro Mindestbeiträge und bekommt staatliche Riester-Zulagen in Höhe von 1.054 Euro (Grundzulage 154 Euro + 3 u Kinderzulagen in Höhe von 900 Euro).

Steuervorteile inklusive: Die Beitragszahlungen zur Riester-Rente können zusätzlich auch zu einem Steuervorteil führen. Das Finanzamt zieht bis zu 2.160 Euro der Beitragszahlungen als Sonderausgaben ab und zieht von der errechneten Steuerentlastung die Riester-Zulage ab. Ist die Steuererstattung höher als die Zulagen, winkt für den Differenzbetrag eine zusätzliche Steuerstattung.

Auszahlungsphase: Die spätere Riester-Rente ist in voller Höhe zu versteuern. Nach einer Neuregelung ab 2018 kann der Sparer unter bestimmten Voraussetzungen die Auszahlung der Riester-Rente als Einmalbetrag fordern. Dann besteuert das Finanzamt diese Einmalauszahlung wie Abfindungen steuerbegünstigt nach der sogenannten Fünftelmethode.

Fazit: Die Riester-Rente bringt zwar nicht die üppigste Rendite. Doch wenn der Staat verheirateten Selbstständigen höhere Zulagen als Beitragszahlungen zuschießt – warum darauf verzichten?

Private Rentenversicherung: Vor- und Nachteile beachten

Auf der Suche nach einem Altersvorsorgeprodukt werden Sie sicherlich auf die Möglichkeit aufmerksam, eine private Rentenversicherung abzuschließen. Die Versicherer locken mit hohen Rentenversprechungen. Die Beitragszahlungen für seine solche Police sind steuerlich allerdings nicht begünstig. Das bedeutet: Zumindest für Neuverträge beteiligt sich das Finanzamt in der Ansparphase nicht mit Steuerentlastungen.

Auszahlungsphase: Da die Beitragszahlungen nicht steuerlich gefördert werden, wird die Rente aus einem solchen privaten Rentenversicherungsvertrag später sehr moderat besteuert. Die Höhe der Besteuerung richtet sich nach dem Alter bei Beginn der Rentenzahlungen. Sind Sie bei Rentenbeginn 65 Jahre alt, besteuert das Finanzamt von der privaten Rente nur 18 Prozent.

Fazit: Verschiedene Vergleichsberechnungen belegen, dass die fehlende steuerliche Absetzbarkeit der Beitragszahlungen, die höhere Rente und die günstige Besteuerung mit dem niedrigen Ertragsanteil kaschiert und im Vergleich zu den anderen Altersvorsorgeprodukten mehr investiert werden muss.

Betongold: Investition in Immobilie ­lukrativ

Die Altersvorsorge für Selbstständige ist nicht auf klassische Altersvorsorgeprodukte beschränkt. Auch eine Investition in Immobilien kann sich lohnen, um sich einen finanziell gesicherten Lebensabend zu ermöglichen.

Vermietung: Damit sich das Finanzamt höchstmöglich an der Finanzierung der Immobilie beteiligt, empfiehlt es sich, die Immobilie zu vermieten. Dadurch können Sie alle Kosten von den Mieteinnahmen abziehen. Entstehen dabei in den ersten Jahren Verluste, können diese mit anderen Einkünften steuersparend verrechnet werden. Nach zehn Jahren können Sie die Immobilie steuerfrei verkaufen oder im Ruhestand selbst einziehen.

Versorgungsleistungen: Ersatz für fehlende Altersvorsorge

Stehen Sie als selbstständiger Handwerker kurz vor dem Ruhestand und haben es versäumt, privat vorzusorgen, ist das noch kein Beinbruch. Sie könnten Ihren Betrieb gegen Versorgungsleistungen übertragen. Hier bezahlt der Übernehmer des Betriebs Ihnen eine lebenslange Rente und dafür keinen Einmalbetrag. Der Vorteil: Sie müssen keinen Veräußerungsgewinn versteuern, sondern nur die laufenden Versorgungsleistungen. Der Übernehmer kann die Versorgungsleistungen als Sonderausgaben abziehen. Da die steuerlichen Voraussetzungen zur Vermögensübertragung gegen Versorgungsleistungen kompliziert sind, sollte hier stets ein Steuerberater mit von der Partie sein.

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