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Beim Gasverbrauch auf der Bremse

Im Auto Center Landshut werden frisch lackierte Karossen mit Infrarotstrahlen getrocknet das spart Zeit, Geld und entlastet die Umwelt

Umweltschutz muss nicht teuer sein. Im Gegenteil. Im Auto Center Landshut (ACL) wird kräftig gespart, seit die Fahrzeuglackiererei auf eine neue Technologie setzt. Der Gasverbrauch des Unternehmens ist kräftig gesunken, weil die frisch lackierten Blechteile oder Karossen neuerdings mit Infrarotstrahlen getrocknet werden. Inhaber Viktor Weinberger erhofft sich Einsparungen von bis zu 15.000 Euro pro Jahr.

Umluft hat ausgedient

„Ich bin Kaufmann und habe zuerst an mein Geld gedacht, als ich mich für die Umstellung auf Infrarot entschieden habe“, gesteht Weinberger. Dass davon auch die Umwelt profitiert, wurde dem Jungunternehmer aber schnell klar. Bisher setzte die Autolackiererei in Ergolding wie allgemein üblich auf den Einsatz von Umluft zum Trocknen. Dazu musste die Lackierkabine - immerhin ein Raumvolumen von 90 bis 120 Kubikmeter - auf eine Temperatur von 60 bis 65 °C erwärmt werden. Allein das Aufheizen dauerte bis zu einer halben Stunde. Danach musste die Temperatur 20 bis 25 Minuten gehalten werden. In den 50 Minuten, die ein Trocknungsgang auf diese Weise in Anspruch nahm, verbrannten bis zu 40 Kubikmeter Erdgas - egal, ob eine komplette Karosserie in der Kabine getrocknet wurde oder etwa nur einzelne Blechteile. Kommen Infrarotstrahlen zum Einsatz, sinkt der Gasverbrauch bei einem Kotflügel auf 0,4 Kubikmeter, weil nicht mehr die komplette Kabine aufgeheizt werden muss.

Viel Erfahrung nötig

Mit Begeisterung demonstriert Lackierermeister Tolga Eroltu den neuen Trocknungsroboter aus Italien. An einem Touchscreen-Bildschirm programmiert der 27-Jährige die Maschine, die auf zwei Schienen durch die Lackierkabine laufen kann. Die beiden beweglichen Arme können so gesteuert werden, dass die Infrarotstrahlen nur dort auf die zu trocknenden Teile treffen, wo sie auch gebraucht werden. Eine knappe Viertelstunde dauert die Trocknung der drei Blechteile in der Kabine, währenddessen Eroltu immer wieder die Oberflächentemperatur der frisch lackierten Karosserieteile prüft.

Denn die Programmierung des Trocknungsroboters erfordert viel Erfahrung. Durchdringen die Infrarotstrahlen mit zu großer Intensität das Blech, kann die Farbe verbrennen und die vorangegangene Arbeit wäre umsonst gewesen. Die Mitarbeiter von Viktor Weinberger begegneten der neuen Technik denn auch mit einer gehörigen Portion Skepsis. „Es war ein zäher Kampf, bis das nötige Vertrauen hergestellt war“, räumt der Firmeninhaber ein. Doch inzwischen wissen die Handwerker bei ACL die neue Art der Trocknung zu schätzen, wie auch Harald Stezala bestätigt.

Der 41-jährige Lackierermeister hat gerade Spritzspachtel an einem Goggomobil aufgetragen, jenem legendären Kleinstwagen, der seit Mitte der 50er Jahre bei der Hans Glas GmbH im nahen Dingolfing gefertigt wurde. Dank der Trocknung mit Infrarotstrahlen wird Stezala die Oldtimerkarosse viel schneller lackiert haben als bei konventioneller Trocknung. Zu den Einsparungen beim Gasverbrauch kommt nämlich noch ein erheblicher Zeitgewinn. Weil das langwierige Aufheizen der Kabine entfällt, kann mit dem nächsten Arbeitsgang viel früher begonnen werden. „Für eine komplette Fahrzeuglackierung brauchen wir heute nur noch zwei statt drei Tage“, freut sich Viktor Weinberger. Gerade die Versicherungen wissen es zu schätzen, wenn ein Unfallwagen nach dem Crash möglichst schnell wieder fahrbereit ist.

Eine Investition in die Zukunft

Mit der neuen Technik sieht sich Weinberger für die Zukunft gerüstet. Er hofft, dass er trotz der Steigerungen bei den Energiepreisen seine eigenen Preise stabil halten kann. „Die Qualität muss bei jedem Lackierbetrieb stimmen, sonst kann er nicht bestehen. Unterscheidungsmerkmale sind eher Schnelligkeit und Preis“, weiß der im Nordkaukasus geborene Firmenchef, der seinen Weg ins Handwerk wohl seinem ausgeprägten Geschäftssinn zu verdanken hat.

Als Viktor Weinberger 1990 im Alter von 16 Jahren mit seinen Eltern aus Russland nach Deutschland kam, hatte er wegen seiner fehlenden Sprachkenntnisse zunächst sogar in der Hauptschule Probleme. Doch der ehrgeizige Neuankömmling hatte bald alles nachgeholt und das Fachabitur in der Tasche. Sein BWL-Studium in Landshut hat sich Viktor Weinberger als Reiseführer verdient, später gründete er eine Vertriebsfirma für Satellitenanlagen, die innerhalb weniger Jahre auf 70 Mitarbeiter angewachsen war.

Als er seine neuen Büroräume am ehemaligen Sitz der Dekra in Ergolding bezog, war das Geschäft bereits rückläufig. Weinberger hatte vom Wechsel von Analog- auf Digitaltechnik profitiert, der weitestgehend abgeschlossen war. Aber es kamen nach wie vor Leute zu ihm, die eigentlich zur Dekra wollten. Und so suchte er sich einen Handwerksmeister und gründete Anfang 2006 seine Autolackiererei ACL.

Trotz der Verluste im ersten Jahr läuft der Betrieb laut Weinberger mittlerweile wie geschmiert. Die Belegschaft ist auf 17 Mitarbeiter angewachsen, es wird in allen Bereichen ausgebildet und großer Wert auf Kundenberatung gelegt. Die Investition in den neuen Trocknungsroboter soll sich schon in drei Jahren amortisiert haben. „Aber wir müssen noch viele Erfahrungen sammeln. Wenn mehr Betriebe diese Technologie nutzen, würde das den Erfahrungsaustausch fördern“, glaubt Weinberger, der deshalb gern als Ansprechpartner für interessierte Unternehmer der Branche zur Verfügung steht.

Kontakt: Auto Center Landshut, Viktor Weinberger,
Tel. 0871/1356814, E-Mail: viktor.weinberger@ acl24.de, Internet: www.acl24.de

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