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Bei Anders zählt die Außenwirkung

Metallbaubetrieb aus dem hessischen Fritzlar konstruiert für große Objekte, wie die deutsche Unilever-Firmenzentrale in Hamburg, außergewöhnliche Fassaden

Personalentwicklung. Wenn man Stephan Eichberger fragt, was für das Unternehmen Anders Metallbau in den nächsten Jahren ein ganz essenziell wichtiges Thema werden wird, dann gehört in jedem Fall die Personalentwicklung dazu. Der Geschäftsführer ist sich sicher, dass gerade in der sehr spezialisierten Sparte des Fassadenbaus die Werbung von Fachkräften und die Bindung von Mitarbeitern mit entsprechendem Wissen über die Überlebensfähigkeit in diesem Markt entscheidet.

Nicht dass Anders Metallbau im Moment unter mangelndem Know-how leiden würde. Die Geschäfte laufen gut. Die Firma ist zu 100 Prozent ausgelastet. Sie gehört zu den zehn größten Fassdenbauern in Deutschland und baut an große Häuser außergewöhnliche Fassaden, doch Stephan Eichberger ist einer, der weiterdenkt. Seit 15 Jahren ist er jetzt bei Anders im hessischen Fritzlar in der Nähe von Kassel beschäftigt und er hat stark an der Umsetzung der von Firmenchef Oskar Anders angestoßenen Projekte mitgewirkt. Etwa bei der Einführung von in der Branche einmaligen Controlling Tools. Zurzeit stehe zwar kein weiteres großes Ziel an, schließlich sind gerade einige große Fassadenbauprojekte abgearbeitet und erhebliche Investitionen in Maschinen und Gebäude abgeschlossen worden, doch der sich überall im Handwerk abzeichnende Fachkräftemangel macht sich auch im Metallbau bemerkbar. Und ganz besonders in einem Markt, mit dem junge Leute, Studenten oder Schulabsolventen erstmal sehr wenig anfangen können. „Wer weiß denn schon, dass man Fassadenbau sogar studieren kann“, fragt Eichberger rhetorisch. Dass es einen Bachelor und auch einen Master für dieses Fach gibt, ist den meisten unbekannt.

Ein vielfältiger Beruf

Eichberger wirbt für diesen Beruf, wo er kann. Es gebe kaum etwas Vielseitigeres. Beim Entwickeln einer Fassade müsse man so viele Dinge berücksichtigen: Bauphysik, Baurecht, Statik, Materialkunde. Gerade das habe ihn als gelernten Kfz-Mechaniker und studierten Maschinenbauer begeistert, als er vor 15 Jahren - damals tätig als Unternehmensberater - die Firma Anders kennenlernte. Noch heute zeigt er seinem Sohn nicht ohne Stolz auf das Unternehmen Bilder mit den repräsentativen und zum Teil prämierten Fassaden von Hochhäusern und Firmengebäuden. Darunter fallen so interessante Aufträge wie die Zentrale von Unilever im Hamburger Hafen, mehrere Regierungsgebäude in Aserbaidschan oder die vom international bekannten Architekten Rem Koolhaas entworfene niederländische Botschaft am Rolandufer in Berlin.

Doch Anders kümmert sich nicht nur um solche Vorzeigeobjekte, deren Auftragsvolumen bis zu 15 Millionen Euro umfasst. Ein Auftrag kann auch der neue Wintergarten oder die Kindergartensanierung in der Fritzlarer Nachbarschaft sein. Bereits heute macht die energetische Sanierung von Fassaden einen erheblichen Anteil der Aufträge aus. Umsetzen müssen die Leute von Anders am Ende immer den Entwurf, den sich der Bauherr und der Architekt ausgedacht haben. Was jedoch gerade bei besonderen Bauten sehr knifflich sein kann, wie jüngst beim 135 Meter hohe Palaisquartier an der Frankfurter Zeil mit seinen gewissermaßen geknickten Türmen. Dort ist die Fassade nach innen und außen geneigt. Zwischenelemente, so genannte Parallel-Ausstell-Flügel, die Anders zusammen mit dem Systemhersteller für speziell das Objekt entwickelt hat, sorgen für die Frischluftversorgung. Insgesamt entwickelten die Metallbauer eine Aluminium-Fassadenkonstruktion für 22.000 Quadratmeter.

Der Entwurf ist maßgebend

Jedes Objekt ist individuell und es gibt eben keine Musterlösung, die man aus der Schublade ziehen kann, wenn es anspruchsvoll wird. Die Bauherren wissen, dass Anders im Zweifel so eine Aufgabe lösen kann. Anderenfalls käme das Unternehmen gar nicht in die engere Auswahl. Ist der Zuschlag da, müssen sich die Konstrukteure überlegen, wie die Fassade überhaupt gebaut werden kann. Profilsysteme von Fenstern und Fassaden müssen dann unter Umständen angepasst werden mit zum Beispiel neuen Öffnungsarten oder Sonderbeschlägen, damit der Architekt seine Idee verwirklicht sieht.

Um diesem Anspruch gerecht zu werden, hält Anders für die Entwicklung der Elemente hohe Kapazitäten vor. Von den 140 Mitarbeitern sind allein 20 bis 25 Ingenieure und Techniker nur für die Konstruktion tätig. Das Unternehmen investiert deswegen hohe Summen in Aus- und Fortbildung. „Wir haben einen jährlichen Schulungsplan mit rund 100 Maßnahmen“, sagt Eichberger. Kurse gibt es allerdings für die gesamte Belegschaft, nicht nur für die Ingenieure. Zurzeit hat Anders über alle drei Lehrjahre verteilt allein 25 Auszubildende inklusive der akademischen Ausbildung.

Wissen sichern, Status halten

Gegründet hat das Familienunternehmen Oskar Anders 1933 als Schlosserei. Enkel Oskar Anders, der Vorname bleibt auch mit dem Sohn in der Familie, baute die Firma zum Objektfassadenbauer aus. Heute leitet er das Untenehmen zusammen mit seinem Onkel Herbert und seinem Bruder Christian Anders sowie Ingenieur Stephan Eichberger. Mit der Spezialisierung auf den Fassadenbau hat sich Anders Metallbau auf einen Markt vorgearbeitet, den in dieser Form nur rund zehn Unternehmen in Deutschland bedienen können. „Dieser Status ist für uns ganz wichtig“, betont Eichberger, „uns traut in Sachen Fassadenbau niemand irgendetwas nicht mehr zu.“ Will man diesen Platz halten, heißt es Wissen zu sichern. Womit wir wieder beim Thema Personalentwicklung wären.

Die fängt gleich bei den Schulabsolventen an. Wenn die Schulen ihre Schüler innerhalb einer Projektwoche schicken, heißt das für Eichberger deshalb, Werbung zu machen. Denn die attraktiven Ausbildungsplätze bekommen die Jugendlichen inzwischen fast frei Haus. Größe, so wie sie Anders mit 140 Mitarbeitern repräsentiert, kann dann schon ein Argument sein. Hinzu kommt, dass Eichberger den zumeist jungen Männern Aufstiegsmöglichkeiten bieten kann. Und wenn es auch erstmal nur auf eine Fassade ist.

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