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Bauwirtschaft Bautrends 2021: "Greta-Effekt" schon wieder vorbei

In der Bauwirtschaft ist die Corona-Krise das Top-Thema. 2021 könnte zudem von steigenden ­Baupreisen und Fachkräftemangel bestimmt werden. Umweltaspekte rücken in den Hintergrund.

Der Umwelt- und Klimaschutz bestimmte die öffentliche Debatte im vergangenen Jahr und bescherte den Grünen ungeahnte Beliebtheitswerte. Teilweise lag die Partei in Umfragen sogar vor der Union. Doch die Corona-Krise hat das grüne Thema wieder in den Hintergrund treten lassen.

Wie sich die Prioritäten verschoben haben, zeigt auch eine aktuelle Trend-Umfrage in einer der wichtigsten Handwerksbranchen: der Bauwirtschaft. So wird die Corona-Krise mit großem Abstand als wichtigste Entwicklung für 2020/2021 eingeschätzt. 63 Prozent der vom Marktforschungsinstitut Bauinfoconsult befragten 600 Architekten, Bauunternehmer, Maler, Trockenbauer und SHK-Installateure sind davon überzeugt.

Die Befragung fand mitten im Lockdown im April und Mai 2020 statt. Die Betriebe belasten die Abstands- und Hygienevorschriften auf der Baustelle, der Umgang mit Mitarbeitern in Quarantäne, und nicht zuletzt der bürokratische Aufwand mit Kurzarbeit und staatlichen Hilfen.

Weniger Störungen als in anderen Branchen

Die Corona-Krise macht sich auch in den Umsatzerwartungen der Bauunternehmen bemerkbar. Nur 16 Prozent der Betriebe erwarten für 2020 steigende Umsätze. 15 Prozent der Bauunternehmen rechnen mit einem Umsatzrückgang von mehr als fünf Prozent. Doch immerhin fast jeder zweite Befragte (48 Prozent) geht davon aus, das Niveau aus dem Vorjahr halten zu können. Die Branche profitiert davon, dass sie trotz der Corona-Beschränkungen weitgehend reibungslos ihre Arbeit auf den Baustellen fortsetzen konnte, während andere Handwerkszweige, wie etwa Friseure, vorübergehend komplett schließen mussten.

Auch die hohen Auftragsbestände aus den Vormonaten haben der Bauwirtschaft einen Puffer gegeben von dem sie in der Krise zehren kann. Bei Gewerken wie etwa den Malern und Trockenbauern, bei denen private Modernisierungsaufträge einen Großteil des Geschäfts ausmachen, fallen die Auftragseinbußen jedoch stärker aus. Insgesamt betrachtet sind die Bauakteure erstaunlich gelassen hinsichtlich der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise. Nur jeder zehnte Befragte geht davon aus, dass bis Ende 2021 dauerhaft konjunkturelle Unsicherheiten zu spüren sein werden.

Indes fällt in der jährlichen Trendumfrage das Thema Energieeinsparung/Energieeffizienz deutlich zurück. Nur neun Prozent der Befragten sehen hier noch eine der drei wichtigsten Entwicklungen für 2020/2021. Dabei war das Umweltthema einst der Top-Trend in der Branche und lag in der vergangenen Befragung noch auf Platz zwei. Dort liegt in diesem Jahr das Thema Fachkräftemangel. 40 Prozent zählen die beschwerliche Suche nach ausgebildeten Mitarbeitern zu den drei wichtigsten Herausforderungen für das laufende und das kommende Jahr. Die Analysten von Bauinfoconsult bewerten dieses Ergebnis zugleich als ein Indiz für die nach wie vor hohe Auslastung der Betriebe. Denn wem Fachkräfte fehlen, der hat auch noch genug Aufträge, um sie einzusetzen. Zu den wichtigsten Entwicklungen zählen die Marktteilnehmer zudem erhöhte Baupreise. Das Thema gehörte auch in den vergangenen Jahren zu den bedeutendsten Trends der Branche.

Gute Aussichten für den Gewerbebau

Die Studie liefert auch Daten speziell für den Gewerbebau. Der Sektor scheint sich in einer relativ guten Ausgangslage zu befinden. So sind die Neuaufträge seit dem Tiefpunkt im März schon wieder deutlich gestiegen. Im April lag die Zahl etwa 3,9 Prozent höher als im Vormonat. Auch die Genehmigungsverfahren haben sich für die Betriebe spürbar erleichtert. So wurde mehr gewerbliche Nutzfläche genehmigt als im Vorjahreszeitraum. Vor allem das Bürosegment profitiert, aber auch im Fabrik- und Lagerhallenbau stiegen die Zahlen. Die Analysten von Bauinfoconsult führen diesen Effekt auf die verstärkten Bemühungen der Bauämter zurück, in Corona-Zeiten die Genehmigungsverfahren möglichst schnell und unbürokratisch zu erledigen, um weiteren wirtschaftlichen Schaden in der Krise von den Unternehmen abzuwenden.

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