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"geplant + ausgeführt": Preisträger stehen fest Bausteine einer kultivierten Gesellschaft

Die Sieger im Architekturwettbewerb "geplant + ausgeführt 2020" stehen fest: Ein Feuerwehrzentrum und eine Sushi-Bar kommen bei Jury und Publikum am besten an.

Formvollendet durch handwerkliche Präzision – was die Jury dem Feuerwehrzentrum Köln-Kalk attestiert, steht stellvertretend für den Anspruch des Architekturwettbewerbs "geplant + aus­geführt". Unter den diesjährigen Kandidaten haben das Leipziger Architekturbüro Knoche und die Schrag Fassaden GmbH aus Chemnitz diesen Anspruch am vorbildlichsten umgesetzt. Für den Bau der neuen Zentrale der Kölner Berufsfeuerwehr werden sie mit dem ersten Preis ausgezeichnet.

Bis die Architekten und Handwerker den Pokal in den Händen halten, kann aber noch einige Zeit vergehen. Die Preisverleihung hätte eigentlich schon Mitte März zur Internationalen Handwerksmesse in München über die Bühne gehen sollen. Aber durch die Absage wegen der Corona-Pandemie musste die Siegerehrung verschoben werden. Nachgeholt wird sie wohl zum Auftakt einer Wanderausstellung (Termin noch offen), auf der die 30 besten Projekte noch einmal Zeugnis davon ablegen sollen, dass gute Architektur erst durch die Kooperation von Planern und Handwerkern entsteht. Für Juryvorsitzende Lydia Haack sind gelungene Bauwerke, "unverzichtbare Bausteine einer kultivierten Gesellschaft".

geplant + ausgeführt 2020

Zwischen Zweckbau und Genusstempel

Um die Teilnehmer des diesjährigen Wettbewerbs "geplant + ausgeführt" aber nicht ewig auf die Folter zu spannen, haben die Veranstalter inzwischen die Sieger bekanntgegeben. Während sich die Jury beim ersten Preis auf einen Zweckbau einigte, der mit seiner Fassade aus feuerverzinkten Stahlblechtafeln den Charakter der Funktionalität betont und gleichzeitig ein ästhetisches Zeichen setzt, haben die Leser der Deutschen Handwerks Zeitung für einen Genusstempel votiert. Bei der Online-Abstimmung für den Publikumspreis sammelte die Sushi-Bar Aska in Regensburg die meisten Stimmen.

Inspiriert von einer verwitterten Fischerhütte entwickelten die Planer von der Pure Gruppe Architekturgesellschaft zusammen mit der Schreinerei Laubmeier aus Geigant ein tiefschwarzes Interieur, dessen handwerklich anspruchsvollen Details die Gäste ergänzend zur Kulinarik auf den Geschmack kommen lassen. Das mit einer speziellen Technik abriebfest verkohlte Holz trägt ebenso zum Ambiente von rauher Natur bei wie der lange Tresen, der nicht zuletzt dank seiner Ver­kleidung mit mehr als 2.400 handgefertigten schwarzen Lederschuppen an einen überdimensionalen Fisch erinnert. Wenn Sternekoch Anton Schmaus seine Restaurants nicht wegen der Corona-Krise schließen muss, dann zelebriert im Aska Sushi-Meister Atsushi Sugimoto japanische Kochkunst.

Gestalterische und handwerkliche Kompetenz

Den Wettbewerb "geplant + ausgeführt" prägt nicht nur seine einzigartige Verknüpfung von gestalterischer und handwerklicher Kompetenz, sondern ebenso die große Bandbreite der eingereichten Arbeiten. Diese kommt auch bei den Preisen und Auszeichnungen zum Ausdruck.

Mit dem zweiten Preis setzt die Jury in diesem Jahr sogar ein politisches Statement. Die Dachaufstockung eines Mehrfamilienhauses in München verkörpert nämlich ein Thema, das Stadtplaner bei zunehmendem Wohnungsmangel als be­sonders dring­lich empfinden – die Nachverdichtung. Mitgewirkt an der flächenschonenden Aufgabe haben neben dem Architekturbüro von Martin Pool und Isabella Leber die Zimmerei Frank und die Spenglerei Markus Lembcke aus München sowie die Dachdeckerei Erwin Müller aus Krailing und Küchenkonzepte Humpel aus Feldkirchen-Westerham.

Ein komplett anderes Thema greift die Jury mit dem dritten Preis auf, der an eine österreichisch-deutsche Ge­meinschaftsarbeit geht. Für die Grablege der Rottenburger Bischöfe haben die Bregenzer Architekten Cukrowicz Nachbauer einen Raum von mystischer Atmosphäre geschaffen, dessen Hülle in Stampflehmbauweise und dessen zurückhaltende Beleuchtung die kontemplative Stimmung verstärkt. Mitgewirkt haben die Lehm Ton Erde Baukunst GmbH aus Schlins, die Lenz Steinmetz GmbH aus Alberschwende, die Schlosserei Götz aus Reutlingen sowie der Steinmetz- und Bildhauermeister Harald Straub aus Rottenburg am Neckar.

Insgesamt hat der Wettbewerb "geplant + ausgeführt" seit seiner Premiere 2012 zunehmend an Renommee gewonnen. Dieses Jahr musste die Jury aus rund 100 Bewerbungen "mit durchweg hohem Qualitätsniveau" die 30 besten Arbeiten auswählen. "An den ausgezeichneten Projekten wird sichtbar, dass sie in einem fruchtbaren Dialog der Beteiligten entstanden sind", betont die Juryvorsitzende Lydia Haack.

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