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Finanztest: Bausparkassen beraten schlecht Bausparen: Worauf Sie achten sollten

Stiftung Warentest sagt: Die meisten Bausparkassen beraten schlecht. Dennoch kann ein Bausparvertrag sinnvoll sein. Beim Abschluss eines Vertrages sollten Sie auf folgende Dinge achten.

Bausparen: Worauf Sie achten sollten
Der Traum vom eigenen Haus macht viele Menschen zu Bausparern. Doch bei Abschluss eines Bausparvertrags sind einige Dinge zu beachten. -

Wer mittel- oder langfristig eine Immobilie bauen, kaufen oder modernisieren möchte, kann sich mit einem Bausparvertrag gegen steigenden Zinsen absichern. Allerdings sollte das Angebot zu den Bedürfnissen des Kunden passen.

Hier sollten Verbraucher gut aufpassen. Denn die Beratung lässt nach Angaben der Stiftung Warentest oft zu wünschen übrig. Von 20 getesteten Bausparkassen fielen vier durch, nur drei waren "gut", heißt es in der Zeitschrift "Finanztest" (Heft 2/2015). Wie Kunden zu einem guten Vertrag kommen:

1. Zeitplan aufstellen: Vor dem Gespräch bei der Bausparkasse sollten Kunden sich über ihre eigenen Wünsche und Ziele klarwerden. Wichtige Fragen hierbei: Wann soll gebaut oder gekauft werden? Wie viel kann monatlich gespart werden? Und steht weiteres Vermögen zur Verfügung?

2. Passende Bausparsumme wählen: Die Bausparsumme sollte nicht zu hoch sein, erklären die Tester. Denn dann benötigen Kunden unter Umständen zu lange, um das Bauspardarlehen pünktlich abzurufen. Wichtig zu beachten: Bauspardarlehen müssen meist innerhalb von acht bis elf Jahren zurückgezahlt werden. Die monatliche Belastung durch die Kreditrate sollte nicht zu hoch sein.

3. Prüfen und vergleichen: Nach dem Gespräch sollten Kunden sich einen Spar- und Tilgungsplan vorlegen lassen, erklären die Experten der Stiftung Warentest. Aus diesem müsse unter anderem hervorgehen, wie hoch die Bausparsumme ist, wie viel der Kunde einzahlen muss, wann der Vertrag voraussichtlich zugeteilt wird und welche Monatsrate zur vollständigen Entschuldung gezahlt werden muss. Kunden sollten sich auch Alternativangebote von weiteren Bausparkassen einholen. Wer sich unsicher ist, kann die Angebote von Experten prüfen lassen.

Was bedeutet Bausparen eigentlich?

Bausparen hat zum Ziel, Eigenkapital für einen Haus-, Wohnungskauf oder eine Renovierung zu bilden. Dafür gibt es Bausparkassen, bei denen viele Sparer ihre Beiträge einzahlen und so eine Zweckspargemeinschaft bilden. Dabei geht es darum, dem einzelnen Sparer ein möglichst zinsgünstiges Darlehen zu ermöglichen. Der monatliche Sparbeitrag richtet sich nach der Bausparsumme, die im Vertrag vereinbart wird. Allerdings müssen Bausparer eine bestimmte Zeit warten und sparen, bis der Vertrag "zuteilungsreif" ist. Dies ist in der Regel der Fall, wenn je nach Tarif ein größerer Teil der Bausparsumme angespart ist und der Vertrag eine angemessene Zeit besteht.

Informationen zum Bausparen erhalten Sie bei der BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) und beim Verband der Privaten Bausparkassen.

Schlechte Noten für die Bausparkassen

Die Beratung von Bausparkassen lässt nach Ansicht der Stiftung Warentest häufig zu wünschen übrig und kostet viele Kunden unnötig Geld. Nur drei der zwanzig Bausparkassen in Deutschland erhielten die Note "gut", vier fielen mit "mangelhaft" durch, wie ausder Zeitschrift "Finanztest" (Februar-Ausgabe) hervorgeht. Die Bausparkassen kündigten an, möglichen Versäumnissen auf den Grund zu gehen.

Bei der Vorstellung der Testergebnisse gestand "Finanztest"-Chefredakteur Heinz Landwehr am Dienstag den Instituten zwar zu: "Die Bausparkassen beraten heute besser als früher." Es gebe aber noch viel Verbesserungsbedarf, sagte er in Berlin. "Bausparen an sich ist eine prima Idee." Der Vertrag müsse aber genau auf den Kunden abgestimmt sein, sonst fliege ihm seine Immobilienfinanzierung um die Ohren.

Jeweils sechs bis sieben Tester hatten bei den zwanzig Anbietern Angebote eingeholt. Die Testkunden (ledig, 2.200 Euro Monatsnetto, 15.000 Euro gespart) gaben an, sie wollten in zehn Jahren eine Immobilie finanzieren und dafür monatlich 400 Euro sparen. Ergebnis: Je nach Anbieter hätten die Bausparer unterm Strich 13.000 Euro zu viel gezahlt.

Dabei unterliefen den Beratern den Verbraucherschützern zufolge zahlreiche Fehler. So sei mitunter die Bausparsumme derart aufgebläht gewesen, dass Kunden das Geld erst in 15 oder 20 Jahren bekommen hätten. Ein anderes Mal sei das Bauspardarlehen im Verhältnis zur Sparleistung viel zu klein oder die Kreditrate erdrückend hoch. Oft habe auch die Transparenz zu wünschen übrig lassen.

Bausparkassen kündigen viele Altverträge

Neben der schlechten Beurteilung machen den Instituten auch die nach wie vor historisch niedrigen Zinsen zu schaffen. Das Problem ist: Die Institute bekommen selbst nur sehr niedrige Zinsen für das Kapital ihrer Bausparer, müssen aber parallel die Kreditverträge zu den ursprünglich vereinbarten Konditionen bedienen. Das rechnet sich angesichts des derzeit historisch niedrigen Zinsniveaus vielfach nicht mehr, viele Altverträge haben eine deutlich höhere Verzinsung.

Zum Jahreswechsel war Tausenden von Bausparern bereits die Kündigung ins Haus geflattert. Immer mehr Bausparkassen drängen Kunden aus gut verzinsten Altverträgen. So ist die rechtliche Lage:

Warum genau kündigen Bausparkassen langjährigen Kunden?

Manche Verträge sind den Anbietern zu teuer geworden. Vor zehn Jahren boten sie Verträge mit vier Prozent Zinsen und mehr an. Das sind Konditionen, von denen Bausparer heute nur träumen können. In der anhaltenden Niedrigzinsphase bekommen Bausparkassen am Finanzmarkt aber selbst nur sehr niedrige Zinsen für das Kapital ihrer Bausparer. Deshalb können sie sich die Altverträge nicht mehr leisten, argumentieren sie. Es geht vor allem um Kunden, die das vorgesehene Darlehen nicht nutzen oder die vereinbarte Sparsumme schon überschritten haben und vor allem von den einst zugesicherten Zinskonditionen profitieren.

Dürfen die einfach kündigen?

Die Bausparkassen berufen sich auf Paragraf 489 des Bürgerlichen Gesetzbuchs. Demnach sind Darlehensverträge nach zehn Jahren kündbar. Verbraucherschützer sehen allerdings eine rechtliche Grauzone, wenn die Bausparsumme noch nicht überschritten ist.

Wie ist die Lage aktuell?

Dieser Tage bekommen erneut Tausende Bausparer Post von ihrer Bausparkasse. Derzeit sind das etwa Kunden der Bausparkasse Wüstenrot. Nach deren Angaben handelt es sich um ein Prozent der Kunden – also rund 30.000 Verträge.

Auch die Landesbausparkasse (LBS) Baden-Württemberg wies Ende des Jahres 22.000 Kunden schriftlich darauf hin, dass sie kündigen will, wie ein Sprecher bestätigt. Ihm zufolge handelt es sich dabei um Verträge, die seit zehn oder mehr Jahren zuteilungsreif sind – für die also längst ein Darlehen in Anspruch genommen werden kann. Die LBS Bayern und Nordrhein-Westfalen handelten ähnlich.

Die Bausparkasse BHW hatte kürzlich ebenfalls 25.000 Verträge gekündigt, bei denen Kunden seit mehr als zehn Jahren kein Darlehen in Anspruch genommen hatten.

Schwäbisch Hall erklärte, nur zu kündigen, wenn das angesparte Guthaben die Bausparsumme überschritten habe. "Dann haben beide Seiten den Vertrag erfüllt, und der Kunde erhält sein Erspartes zurück", sagte ein Sprecher.

Ist ein Bausparvertrag überhaupt noch zu empfehlen?

"Bausparen an sich ist eine prima Idee", heißt es bei der Stiftung Warentest. Wer in sieben oder zehn Jahren bauen wolle, sichere sich schon heute einen Kredit mit niedrigen Zinsen – auch wenn er für seine Sparraten kaum Zinsen von der Bausparkasse bekommt. Beim Sparkonto gibt es auch nicht mehr. Zum Teil schließen auch heutige Bauherren Bausparverträge ab, um mit dem Bauspardarlehen in zehn Jahren einen Kredit abzulösen.

Wie gut sind die Angebote?

Das hängt sehr stark von der Beratung ab, wie ein Test bei allen 20 Bausparkassen in Deutschland ergab. Manche Verträge sind zu schmal bemessen, viele zu üppig, wie Warentester Holger Brackemann kritisiert. Viele Berater setzten Bausparsumme, Guthaben oder Darlehensraten zu hoch an. Gleichzeitig enthielten sie ihren Kunden Informationen vor, um Angebote zu vergleichen.

Warum beraten manche Institute schlecht?

Der falsche Vertrag kann mehrere tausend Euro Mehrkosten bedeuten, wenn dem Kunden nicht sogar die Finanzierung um die Ohren fliegt. Das zu viel bezahlte Geld bleibt der Bausparkasse – hier sieht die Stiftung Warentest einen der Gründe für die Missstände.

Was sagen die Bausparkassen zu den Vorwürfen?

Sie wollen der Kritik auf den Grund gehen. In einzelnen Beratungen seien offenbar Fehler gemacht worden, räumt der Verband der privaten Bausparkassen ein. Mit dem Gesamtbild könne man nicht zufrieden sein, betonen auch die Landesbausparkassen (LBS). Sie verweisen auf eigene Testkäufe, die regelmäßig bessere Ergebnisse zutage förderten. dpa

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