Meisterstücke -

Matthias Krieger ist ein Bauunternehmer mit klaren Zielen Baumeister mit Vision

Das Bauunternehmen "Krieger + Schramm" gewinnt reihenweise Preise, jüngst für sein Ausbildungskonzept. Denn Firmenchef Matthias Krieger hat klare Ziele.

Erst heute morgen hat Matthias Krieger einen Anruf von einem Fleischermeister bekommen. Ob er ihm nicht sagen könne, was in seinem Betrieb falsch laufe. Krieger ist ein gefragter Mann. Sein unternehmerisches Geschick wurde in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gelobt, in diversen regionalen Zeitungen sowie verschiedenen Magazinen. Klug, versiert, überzeugend. So überzeugend, dass Krieger mit seinem Bauunternehmen "Krieger + Schramm" nicht nur als vorbildlicher Unternehmer gehandelt wird, sondern auch als Vortragsredner. Als jemand, der den Menschen heute sagen kann, an was es fehlt – im Unternehmen oder in der Gesellschaft.

Etwa 20 Vorträge hält Krieger im Jahr und nebenbei schreibt er auch noch Bücher zur Unternehmensführung. Von all den Preisen, die er für sein Werk bekommt, war dabei noch nicht einmal die Rede. Erst kürzlich haben die Wirtschaftsjunioren Deutschland und die Junioren des Handwerks dem Unternehmen das „Ausbildungs-Ass“ in Gold verliehen. Eine von vielen Auszeichnungen in den vergangenen Jahren: vom familienfreundlichsten Unternehmen über den besten Arbeitgeber des Jahres bis zum deutschlandweit besten Bauunternehmen überhaupt. Dafür gab es jedes Mal gute Gründe und die manifestieren sich vor allem in der Person Matthias Krieger – und in seiner ­Vision.

Kriegers Karriere begann an der DDR-Sportschule

Denn nicht nur die Art und Weise, wie Krieger sein Unternehmen führt, ist hebt sich ab, auch seine Vita ähnelt beileibe keiner „Kaminkarriere“. So wählt er den Begriff und meint den geradlinigen, vorgezeichneten Weg nach oben. Ursprünglich war Krieger nämlich Leistungssportler, noch zu DDR-Zeiten an einer Sport-Eliteschule in Erfurt ausgebildet. Schon mit zwölf Jahren habe er sein Elternhaus verlassen und gegen die Ausbildung an der Sportschule eingetauscht. Das war für ihn zwar eine harte Schule, wie er zugibt, aber ermöglichte ihm wiederum eine besondere Förderung. Für seine Abiturvorbereitung beispielsweise wurde ihm im letzten Schuljahr ein eigener Lehrer zugeteilt.

Nach dem Abitur 1982 studierte er Bauingenieurwesen an der Bauhaus-Universität in Weimar. Nach der Wende arbeitete er als Statiker in Kassel. Mit einem Partner – Michael Schramm – gründete er 1992 schließlich die Bauunternehmung im thüringischen Dingelstädt. Seitdem folgten Niederlassungen in Kassel und Frankfurt am Main. Bald eröffnet in München die vierte Dependance.

Das DDR-Ausbildungssystem hat sich Krieger nicht zum Vorbild genommen, aber er ist sich sicher, dass er ohne diese dem Leistungssport unterworfene Schule sein Leben nicht so zielstrebig führen würde.

Bei seinen derzeitigen und künftigen Auszubildenden wählt er trotzdem einen etwas anderen Ansatz. Er will das Beste in ihnen entdecken und zum Vorschein bringen. Im Unternehmen gibt es deshalb zahlreiche Projekte innerhalb der Ausbildung, die sich vom Einerlei aus Berufsschule und betrieblicher Praxis deutlich abheben. Gemeinschaftsstiftende Ausflüge, zum Beispiel in einen Kletterpark, oder Einladungen an die Eltern sind nur ein kleiner Teil. Es gibt eine Projektgruppe „Jugend im Unternehmen“, ein Mentorenprogramm und einen Förderpreis.

Das Beste in Jugendlichen zum Vorschein bringen

Ähnlich setzt Krieger schon bei der Nachwuchssuche an. In einer "Talent Company“ kümmert sich die Firma um den Nachwuchs. Ein Zusammenschluss von sechs Firmen sowie der Agentur für Arbeit und einer Schule am Unternehmenssitz in Dingelstädt sucht die größten Talente fürs Baugeschäft. Krieger ist es ganz wichtig, stärkenorientiert vorzugehen. Den Schülern also zu zeigen, was sie können, und diese Talente entsprechend auszubauen. "Man muss Schüler ermutigen, einladen und den Beruf für sie erlebbar ", sagt er. Wenn man sie immer nur mit dem konfrontiert, was sie nicht können, werde man sie entmutigen. Leider basiere das Schulsystem immer noch auf diesem Prinzip.

Gleichzeitig werde den Jugendlichen erzählt, was an einem Beruf wie dem Maurer modern und gut ist. Dass man keine Dummköpfe auf den Baustellen brauchen kann, macht man ihnen natürlich erst recht deutlich. Denn das Klischee des etwas tumben Handwerkers auf der Baustelle hält sich hartnäckig. Vor allem, wenn alles in die höhere Schulbildung strebt. Krieger ist überzeugt: "Auf der Baustelle können wir uns die Dummen gar nicht leisten."

Dem Firmenchef ist es wichtig, Kompetenz, Fähigkeiten und Talente für das Unternehmen zu sichern. Er setzt deswegen auf Begeisterung. Auf gegenseitige Motivation. Auf das Mutmachen. Auch hier denkt der 53-Jährige ganz strategisch. Für ihn ist klar, dass man gute Unternehmensergebnisse nur erzielt, wenn man seine Mitarbeiter gut behandelt.
Seine Strategie beim Häuserbauen orientiert sich ebenfalls an dem, was andere Bauunternehmen vernachlässigen – also an den Nischenprodukten. Krieger nimmt sich zumindest in diesem Wettbewerb den Sport als Vorbild und zitiert den Eishockeyspieler Wayne Gretzky, der als einer der besten Spieler überhaupt gilt und vor allem für seine vielen Tore gerühmt wurde: "A good hockey player plays where the puck is. A great hockey player plays where the puck is going to be."

In diesem Sinne will Krieger bereits dort sein, wohin sich der Markt entwickelt, und sucht deshalb Nachfrage, die andere noch nicht bedienen. Das Unternehmen bietet beispielsweise wohngesundes Bauen an, was ein besseres, angenehmeres Leben mit und im Gebäude verspricht. Oder den wachsenden Markt Sicherheit, der schon in der Planung berücksichtigt wird und nicht erst nach Fertigstellung der Gebäude.

Bereits dort sein, wohin sich der Markt entwickelt

Seine Ziele für die nächsten knapp 20 Jahre sind ihm dabei völlig klar: mit 70 Jahren Übergabe an seine Söhne, ein Bauumsatz von 100 Millionen Euro und 100 beste Mitarbeiter. Vielen Unternehmen fehle so eine Vision, sagt Krieger. Gerade das Handwerk nutze oft nicht die Chance, sich weiterzuentwickeln. Der Fleischermeister, der ihn am Morgen angerufen hat, war zumindest guten Willens, diese Chance zu nutzen.

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