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Wirtschaftliche Lage auf dem Bau Baugewerbe trotzt der Konjunkturflaute

Die Baubranche schraubt ihre Umsatzprognose für 2019 nach oben und will auch 2020 wachsen. Allerdings nicht ganz so stark.

Das Baugewerbe hat dank der hohen Nachfrage in allen Bausparten seine Prognose für das Gesamtjahr nach oben korrigiert. „Die Stimmung am Markt ist nicht schlecht“, sagte der Präsident des Zentralverbands Deutsches Baugewerbes Reinhard Quast. Der Verband erwarte für 2019 ein Umsatzwachstum von 8,7 Prozent auf 137,5 Milliarden Euro. Zuvor war der Verband von einem Umsatzplus von sechs Prozent für 2019 ausgegangen. Für 2020 erwartet Quast ein Plus von fünf Prozent auf 145 Milliarden Euro. Dies entspreche der erwarteten Preisentwicklung. Damit verstetige sich die Umsatzentwicklung. Auch bei der Zahl der Beschäftigten rechnet das Baugewerbe für dieses Jahr mit einem Plus.

Wohnungsbau beflügelt nach wie vor das Geschäft

Zulegen konnte die Branche auch wegen der starken Nachfrage im privaten Wohnungsbau. Sie wird nach wie vor von der positiven Beschäftigungslage, realen Einkommenszuwächsen und niedrigen Zinsen getragen. Hinzu kommen Fördermaßnahmen. „Wir gehen davon aus, dass das Baukindergeld in den folgenden Monaten im Neubau Wirkung zeigt“, sagte Quast.  Insgesamt erwartet der Verband bis Jahresende die Fertigstellung von knapp 300.000 Wohneinheiten. Dass es nicht mehr sind, hänge mit fehlendem Bauland und zu langen Planungs- und Genehmigungsverfahren zusammen. Verbessert werden sollte nach Ansicht Quasts auch die Förderung des sozialen Mietwohnungsbaus. Insgesamt rechnet er im Wohnungsbau mit einem Plus von neuen Prozent auf 50,9 Milliarden Euro.

Wirtschaftsbau und öffentlicher Bau legen zu

Im Wirtschaftsbau zeigt sich nach den Worten Quasts eine nachlassende Dynamik insbesondere bei exportorientierten Unternehmen. Dagegen floriere noch immer der Dienstleistungsbereich. Er sorge für einen Großteil der Bauinvestitionen der gewerblichen Wirtschaft. Für das vierte Quartal 2019 erwartet Quast jedoch einen „Tempoverlust“. Unter dem Strich rechnet er für das Gesamtjahr mit einem Plus von 7,5 Prozent auf 48,6 Milliarden Euro. Beim öffentlichen Bau erwartet Quast für dieses Jahr ein Plus von zehn Prozent auf 38 Milliarden Euro. Getragen werde der Zuwachs vor allem durch die zunehmenden Investitionen des Bundes in die öffentliche Infrastruktur. Sorgen bereiteten ihm dagegen die zurückhaltenden Investitionen der Kommunen. Ihnen gelinge es nicht, den Verschleiß ihrer öffentlichen Infrastruktur aufzuhalten und abzubauen.

Zahl der Beschäftigten steigt

Um die Vielzahl der Bauaufträge abzuarbeiten, wird die Branche auch dieses Jahr weiter Personal aufstocken. Im Jahresdurchschnitt geht der Verband von einem Plus von rund 18.000 Mitarbeitern auf insgesamt 855.000 Beschäftigte aus. Dies seien rund 20 Prozent mehr als 2009. Dabei werde der Personalzuwachs im Bauhauptgewerbe vor allem durch ausländische Arbeitskräfte ermöglicht. Der Großteil von ihnen komme nicht zuletzt als Folge der West-Balkan-Regelung aus den mittel- und südosteuropäischen Ländern. Die bis Ende 2020 befristete Regelung sollte deshalb beibehalten werden.

ZDB warnt vor höheren Energiestandards und setzt auf bessere Förderung

Mit Blick auf die aktuellen Klimadiskussionen warnte der Verband vor erhöhten Energiestandards. „Die letzten Prozente Einsparung bei den Energieverbräuchen kosten überproportional viel“, sagte Quast zu den Ergebnissen einer gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen (Arge) veröffentlichten Studie. Auch bei der energetischen Sanierung sollten die Standards nicht erhöht werden. Ansonsten fiele die ohnehin zu niedrige Sanierungsquote von unter einem Prozent noch weiter ab. Vielmehr sollte die energetische Gebäudesanierung durch eine steuerliche Förderung und durch höhere KfW-Zuschüsse attraktiver gemacht werden. Dies gelte insbesondere für Einzelmaßnahmen.

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