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Modulbauweise wird beliebter Bauen bei Wind und Wetter

Das modulare Bauen soll Zeit und Kosten sparen. Die Zukunft des konventionellen Bauens sieht der Zentralverband Deutsches Baugewerbe durch den Trend jedoch nicht gefährdet

Während es draußen stürmt und schneit, laufen die Arbeiten für das neue Firmengebäude des Handwerksbetriebs uneingeschränkt weiter. Die termingerechte Fertigstellung ist zu keiner Zeit gefährdet. In der Werkhalle spielen Witterungsbedingungen nämlich keine Rolle, es herrschen zu jeder Jahreszeit die gleichen Arbeitsbedingungen vor. Beim elementierten Bauen, auch bekannt als Systembau oder Modulbau, werden die Gebäudeteile in Serie gefertigt. Der Vorgang ähnelt dabei der Produktion eines Pkw in der Fabrik. Nach dem Transport auf die Baustelle sind vor Ort nur noch wenige Arbeitsschritte nötig, bis das Gebäude genutzt werden kann. 

Auch im Wohnungs- und Gewerbebau einsetzbar

"Das modulare Bauen ist ein Markt mit großem Wachstumspotenzial", sagt Günter Jösch, Geschäftsführer des Bundesverbands Bausysteme. In seiner Anfangsphase habe der Modulbau vor allem im öffentlichen Sektor, beim Bau von Schulen, Kitas oder Verwaltungsgebäuden, Anwendung gefunden. Inzwischen sei das Bauverfahren aber auch eine ernste Alternative im Wohnungs- und Gewerbebau, so Jösch. Während die Energieeinsparverordnung (EnEV) für Container mit einer Nutzungsdauer von maximal fünf Jahren geringere Anforderungen stellt, unterscheiden sich der Lebenszyklus von modularen und konventionell gebauten Gebäuden nicht voneinander.

Der wichtigste Vorteil des Modulbaus ist nach Ansicht von Jösch die kurze Bauzeit. Er nennt als Beispiel das neue Gebäude der Arbeitsagentur Köln, das komplett in Modulbauweise errichtet wurde. Nur sieben Monate habe es gedauert, das Gebäude mit einer Fläche von 19.500 Quadratmetern zu errichten. "Der Fertigungsgrad solcher Gebäude in der Werkhalle liegt bei 80 bis 90 Prozent. Das beschleunigt die Bauzeit um bis zu 60 Prozent gegenüber dem konventionellen Bauen", sagt Jösch. Nicht nur die Wand-, Decken- und Bodenelemente werden einschließlich der raumseitigen Bekleidungen im Werk vorgefertigt, sondern auch Fenster, Türen, Rollläden, Heizkörper, Sanitärinstallationen und Versorgungsstränge für Wasser, Strom sowie Telefon/Internet. Die Montagezeiten auf der Baustelle zur Verbindung der Module sowie die Außenarbeiten an Fassaden und Dächern lassen sich deshalb vergleichsweise kurzhalten.

Jösch sieht noch weitere Vorteile beim Modulbau. So sei die Fehlerquote niedriger. "Beim konventionellen Bauen wird während des Bauens noch geplant. Das ist beim Modulbau anders. Hier ist die Planung schon vor der Produktion des ersten Moduls abgeschlossen", sagt Jösch. Für die Entscheidung zugunsten eines Modulbaus könnten auch die Kosten sprechen, meint Jösch. Zwar seien die reinen Baukosten mit dem konventionellen Bau vergleichbar, jedoch gäbe es Vorteile bei der Finanzierung. "Durch die kurze Bauphase kann die Firma das Gebäude schneller nutzen und hat dadurch eine frühere Rendite aus Eigennutzung oder Vermietung", erklärt Jösch.

Wunsch nach Individualität bei den Kunden

Ilona Klein, Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB), relativiert diesen Vorteil. "Die Ersparnisse bei der Finanzierung sind in der aktuellen Niedrigzins­phase so gering, dass sich hier kein wesentlicher Vorteil gegenüber dem konventionellen Bauen ergibt." Der ZDB geht zudem nicht davon aus, dass das elementierte Bauen dem konventionellen Bauen den Rang ablaufen wird. "Das vorgefertigte Bauen hat seine Berechtigung und spielt in einzelnen Segmenten wie etwa dem Holzbau sicher eine wichtige Rolle. Dennoch lässt sich der starke Bedarf an individuellen Gebäuden weiterhin am besten mit dem konventionellen Bauen decken", sagt Klein.

Jösch sieht das etwas anders. Auch der Modulbau ließe sich heute sehr individuell planen. Eine große Herausforderung sei jedoch das Thema Transport. Die Module dürfen gewisse Höchstmaße (circa 24 Meter Länge, sechs Meter Breite und vier Meter Höhe) nicht überschreiten, um eine Beförderungsgenehmigung zur Baustelle zu erhalten. "Hier steckt ein großer logistischer Aufwand dahinter", sagt Jösch.

Doch was bedeutet der Modulbau eigentlich für das Handwerk? Gefährdet die Vorproduktion im Werk Arbeitsplätze von Bauhandwerkern? Ilona Klein vom ZDB beschwichtigt: Die Investitionsvolumina im Baugewerbe seien so hoch, dass die Betriebe mit der Arbeit gar nicht hinterherkämen. "Wir sind bereits jetzt auf 20 Prozent Beschäftigte aus dem Ausland angewiesen, weil der Bedarf mit dem vorhandenen Personal nicht gedeckt werden kann", erklärt Klein.

Handwerker bleiben unverzichtbar

Auch Jösch betont, dass durch den Modulbau keineswegs Arbeit für das Handwerk wegfällt: "Bei der Fertigung der Raumzellen kommt dem Handwerk eine enorm große Bedeutung zu. Das Spektrum beginnt beim Schweißer, Beton- und Holzbauer und reicht bis zum Maler und Bodenleger."

Jösch ergänzt, dass die Branche einen enormen Fachkräftebedarf habe und der Bundesverband Bausysteme sich derzeit mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung und dem Bundeswirtschaftsministerium im Gespräch befinde. Ziel sei es, einen ganz neuen Ausbildungsberuf zu schaffen: den "Modulbauer".

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