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Baukonjunktur: Wachstum 2018 höher als erwartet Bauboom von Fachkräftemangel und Dieselfahrverboten bedroht

Der Bauboom hat im vergangenen Jahr weiter an Fahrt gewonnen. Mit einem Wachstum von 6,6 Prozent und 339,3 Milliarden Euro Umsatz wurden die Erwartungen der Bundesvereinigung Bauwirtschaft (BVB) übertroffen.

"Unsere Unternehmen haben damit wesentlich zur insgesamt guten Wirtschaftsentwicklung in Deutschland beigetragen", sagte der neue BVB-Vorsitzende Marcus Nachbauer zur Konjunkturpressekonferenz auf der Internationalen Handwerksmesse in München. Der 46-jährige Gerüstbauunternehmer aus Ludwigsburg war tags zuvor zum Nachfolger von Dachdeckermeister Karl-Heinz Schneider gewählt worden, der das Amt zwölf Jahre innehatte.

Fachkräftemangel als Wachstumshemmnis

Die gute Konjunktur bescherte Nachbauer einen perfekten Einstand. Als echtes Wachstumshemmnis bezeichnete er den Fachkräftemangel. "Daher brauchen wir dringend ein praxisnahes Fachkräfteeinwanderungsgesetz, das nicht nur Akademiker und IT-Spezialisten im Fokus hat, sondern auch auf Verstärkung für die Bauwirtschaft zielt", so Nachbauer. Trotz der Personalsorgen und steigender Rohstoffkosten sowie der Unsicherheiten über die Folgen des Brexit rechnet die BVB auch für 2019 mit einem weiteren Aufschwung um 4,2 Prozent auf einen Umsatz von 353 Milliarden Euro.

Die starke Nachfrage im Wohnungsbau wird nach Einschätzung von BVB-Geschäftsführer Felix Pakleppa noch zwei bis drei Jahre anhalten. Gebaut würden derzeit vor allem mehrstöckige Häuser mit Miets- und Eigentumswohnungen. "Der klassische Eigenheimbau stagniert auf Vorjahresniveau", sagte Verbandschef Marcus Nachbauer. Dass das von der Bundesregierung ausgegebene Ziel von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr erreicht wird, bezweifelt die Bauwirtschaft jedoch. "320.000 Wohnungen halten wir für realistisch, es können auch 330.000 sein", sagte Pakleppa.

Von der guten Geschäftslage auf dem Bau konnten im vergangenen Jahr nicht alle Sparten profitieren. Während das Bauhauptgewerbe mit einem Plus von 10,2 Prozent besonders kräftig zulegen konnte, mussten sich die Gebäudetechnik (+ 5 Prozent) und der Ausbau (+ 4 Prozent) mit weniger Wachstum begnügen. Gerade die Ausbaugewerke warten dringend auf eine steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung. "Ein entsprechender Gesetzentwurf ist schon dreimal im Bundesrat gescheitert. Kein Wunder, dass die Sanierungsquote bei unter einem Prozent liegt", sagte Felix Pakleppa.

BVB fordert Ausnahmen von Dieselfahrverboten

Dass auf dem Bau trotz der guten Zahlen nicht nur eitel Sonnenschein herrscht, wurde während der Pressekonferenz ebenfalls deutlich. Die größten Sorgen neben dem Fachkräftemangel bereiten den Betrieben die drohenden Dieselfahrverbote. "Viele Unternehmen haben in den vergangenen Jahren kräftig in ihre Fuhrparks investiert und stehen nun vor der Situation, dass ihre neuen Transporter mit Euro5- oder Euro-6-Abgasnorm nur noch Schrott sind, weil sie nicht mehr in die Innenstädte fahren dürfen", sagte Marcus Neubauer. Er forderte daher, baugewerbliche Unternehmen generell von Dieselfahrverboten auszunehmen.

Zur Bundesvereinigung Bauwirtschaft gehören 15 Verbände aus Bauhauptgewerbe, Garten- und Landschaftsbau, Gebäudetechnik, Ausbau sowie Faciliy-Management. Damit vertritt die BVB 370.000 Betriebe mit rund 3,3 Millionen Beschäftigten sowie annähernd 300.000 Lehrlingen.

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