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Energieeffizienz und Barrierefreiheit Bau: Wo die Trends der Zukunft liegen

Dämmen, umbauen und ausbilden: Die Bauwirtschaft steht vor großen Chancen und Herausforderungen. Die zehn wichtigsten Trends der Branche im Überblick.

Die Baubranche ist das Zugpferd im deutschen Handwerk. Die Anforderungen an die Baubetriebe entwickeln sich jedoch weiter. Neben dem zentralen Thema Energieeffizienz macht der demografische Wandel das barrierefreie Bauen zum großen Trend der Branche. Nicht weniger bedeutend ist der Fachkräftemangel, mit dem viele Betriebe zu kämpfen haben.

Die Marktforschungsagentur BauInfoConsult hat Bauunternehmer nach den wichtigsten Trends gefragt.

Energieeffizienz

Die Energieeinsparverordnung (EnEV 2014) beflügelt den Trend zum energieeffizienten Bauen. Seit dem 1. Mai 2014 werden die energetischen Baubedingungen schrittweise verschärft. So müssen Heizungsanlagen, die älter als 30 Jahre sind, spätestens 2015 ersetzt werden. Oberste Geschossdecken, die nicht die Anforderungen an den Mindestwärmeschutz erfüllen, müssen gedämmt werden. Seit 26. September 2015 gilt zudem ein Energieeffizienzlabel für Heizungen. Abseits der verschärften Gesetze legen immer mehr Auftraggeber Wert auf energiesparsame Gebäude, die weniger Betriebskosten verursachen.

Barrierefreiheit

Der demografische Wandel stellt das Bauhandwerk vor neue Herausforderungen. Jedes Jahr gibt es in Deutschland rund 270.000 neue Senioren, von denen viele in der eigenen Wohnung oder dem eigenen Haus leben. Der altersgerechte Umbau – mit bodentiefen Duschen oder höhenverstellbaren Küchen – ist deshalb ein riesiger Zukunftsmarkt für das Handwerk.

Fachkräftenachwuchs

Der Mangel an neuen Fachkräften betrifft das ganze Handwerk. Im aktuellen Ausbildungsjahr sind erneut tausende von Lehrstellen unbesetzt. Besonders betroffen ist die Baubranche. Das Institut der deutschen Wirtschaft zählt laut einer aktuellen Studie in der Bau- und Gebäudetechnik insgesamt 26 Engpassberufe, wie zum Beispiel den Bauelektriker. Betriebe brauchen attraktive Ausbildungskonzepte, um neue Fachkräfte zu gewinnen und zukunftsfähig zu bleiben.

Mehr Komfort

Wohnen und arbeiten soll nicht nur zweckmäßig, sondern komfortabel und bequem sein. Das bedeutet für Bauhandwerker, dass die Anforderungen an Raumgrößen, Raumaufteilung und -funktion steigen. Hinzu kommt die Vernetzung mit intelligenter Gebäudetechnik. Die elektronische Bedienung von Türen, Fenstern oder Heizungen über Smartphones und Tablet-PCs wird stärker nachgefragt.

Komplexes Bauen

Bauen wird in den nächsten Jahren komplexer. Verantwortlich sind die strengeren Gesetzesvorgaben, der Einsatz neuer Materialien, veränderte Berufsbilder durch die zunehmende Technisierung des Bauens und die Vernetzung von Bauelementen mit Computersystemen.

Bessere Bauprodukte

Die Nachfrage nach modernen und leistungsfähigeren Bauprodukten und -substanzen nimmt zu. Ein Beispiel ist der Verbundwerkstoff Carbonbeton. Anstelle von Stahl werden hochsteife und trotzdem leichte und filigrane Carbonfasern zur Verstärkung des Betons verwendet. Gegenüber Stahlbeton ist der Carbonbeton langlebiger und effizienter, weil die starken Betonaußenschichten zum Schutz der Stahlbewehrung nicht mehr notwendig sind.

Auch "grüner" Beton könnte in den nächsten Jahren mehr genutzt werden. Im One World Trade Center in New York wurde bereits dieser mit Zusatzmitteln versehene Beton eingebaut. Er ist zwar umweltfreundlicher, allerdings in der Produktion noch teurer als herkömmlicher Beton.

Gesundes Wohnen

Das Gesundheitsbewusststein in der Bevölkerung steigt. ­Damit nimmt auch der Wunsch nach einer möglichst schadstoffarmen Wohn­umgebung zu. Ein Grund dafür, dass seit einigen Jahren die Holzbauweise verstärkt nachgefragt wird. Holz ist nachhaltig und sorgt für ein angenehmes Raumklima.

Zudem gilt seit 2013 die neue Bauprodukteverordnung, die bestimmte EU-Standards für das "Inverkehrbringen". von unbedenklichen Baumaterialien vorgibt. Dabei wird unter anderem die CE-Kennzeichnung überwacht, die Angaben zum Hersteller und Produkttyp sowie Normen und Produkteigenschaften liefert. Bei Verstößen können Bußgelder verhängt werden.

Sicherheit

Bauen soll immer nachhaltiger werden, muss aber zugleich sicher sein. Vor allem der Brandschutz steht für Baubetriebe im Fokus. Dicke Brandschutzwände und feuerbeständige Decken entsprechen nicht immer den filigranen Design­ideen von Architekten. Technische Brandschutzlösungen sind gefragt. Zum Thema Bausicherheit gehört auch der Schutz vor Einbrüchen. Eine intelligent vernetzte Gebäude­steuer­ung ermöglicht neue Zutrittskontrollen für Wohn- und Geschäftsgebäude.

Bauen in Großstädten

Ob Berlin, München oder Hamburg – der Zustrom in deutsche Ballungsgebiete geht unvermindert weiter, jedoch ist das Bauland knapp. Laut einer Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) wird in den nächsten Jahren noch deutlich mehr Neubau in Großstädten erforderlich sein – mindestens eine Million Wohnungen in den nächsten vier Jahren. Bauunternehmer müssen das geringer werdende Platzangebot in Großstädten mit dem Trend zu größeren Wohnflächen pro Kopf und Haushalt vereinbaren.

Design

Die architektonischen Ansprüche an den Bau steigen. Puristisches und geradliniges Design, bei dem jeder Quadratmeter funktional ausgenutzt wird, ist gefragt. Ein weiterer Trend ist die "organische Architektur", bei der Gebäude in Harmonie zur umgebenden Natur stehen. Auch der Einsatz von Holz oder die Begrünung von Dächern in Großstädten zählen zu den Designtrends.

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