Branche -

Steigende Baukosten und Fachkräftemangel Bau: Diese Trends beschäftigen die Branche

Die Bauwirtschaft kann sich vor Aufträgen kaum retten. Doch trotzdem herrscht keine ungetrübte Euphorie. Der Fachkäftemangel sorgt die Betriebe. Ein Ärgernis sind zudem Milliardenkosten für Baufehler.

Das Bauhandwerk in Deutschland ist derzeit bester Stimmung und die Auftragsbücher sind über Monate hinweg gefüllt (siehe Konjunkturspiegel Ausgabe 21/2018). Dennoch herrscht in der Branche kein ungetrübter Optimismus, wie die Jahresanalyse 2018/2019 des Marktforschungsinstituts BauInfoConsult zeigt. In 600 Interviews wurden Architekten, Bauunternehmen, Fachhandwerker und Hersteller zu aktuellen Themen und Trends in ihren Branchen befragt.

Zu den wichtigsten Entwicklungen für den deutschen Neubausektor zählen die befragten Bauakteure neben den Klassikern "Energieeinsparung/Energieeffizienz" und "Demografie/Barrierefreiheit" auch kritische Themen wie steigende Baupreise und den zunehmenden Fachkräftemangel.

Bautrends: Die Top 10 der Bauakteure:

  1. Energieeinsparung/Energieeffizienz (46 Prozent)
  2. Demografie/Barrierefreiheit (37 Prozent)
  3. erhöhte Baupreise (24 Prozent)
  4. verstärkte Bautätigkeit in Ballungsräumen (17 Prozent)
  5. Fachkräftemangel (16 Prozent)
  6. mehr Sicherheitstechnik/Einbruchschutz (13 Prozent)
  7. kompliziertere Bauprozesse (12 Prozent)
  8. Baulandverknappung (11 Prozent)
  9. nachhaltiges Bauen (10 Prozent)
  10. leistungsfährigere Produkte (9 Prozent)

Bei den befragten Fachhandwerkern in den Branchen Trockenbau/Maler und SHK-Installateure werden diese beiden Aspekte besonders häufig als wichtige Entwicklung genannt. 26 bzw. 28 Prozent der Handwerker glauben, dass die erhöhten Baupreise die Arbeit am stärksten beeinflussen werden, beim Fachkräftemangel sagt dies etwa jeder fünfte Hand­werker.

Zukunftsthemen wie nachhaltiges Bauen oder Smart Home werden von den Bauakteuren noch deutlich weniger stark als Trend aufgefasst.

Fachhandwerker selten für Fehler verantwortlich

Neben ihrer Einschätzung zu den künftigen Branchentrends wurden die Akteure zum heiklen Thema Fehlerkosten am Bau befragt. Auch abseits bekannter Großprojekte wie dem Berliner Flughafen oder Stuttgart 21 kommt es immer wieder zu kostspieligen Fehlern in der Bauplanung oder -ausführung.

Die Befragten schätzen, dass der Fehlerkostenanteil am gesamten Branchenumsatz bei durchschnittlich 13,6 Prozent pro Jahr liegt. Gemessen am Jahresumsatz des Bauhauptgewerbes von 2017 (109,5 Mrd. Euro) ergeben sich laut den Analysten Fehlerkosten in Höhe von 14,9 Milliarden Euro.

Die Bauakteure schätzen, dass bei jedem zehnten Bauprojekt, an dem sie 2017 beteiligt waren, Fehlerkosten entstanden sind. Am häufigsten werden von den Befragten die Bauunternehmer (31 Prozent) und Architekten (28 Prozent) für die Fehlerkosten verantwortlich gemacht. Deutlich besser schneiden hingegen die Fachhandwerker ab. Nur 19 Prozent der Befragten sehen sie als Verursacher von Fehlern am Bau.

Für die Zukunft sind die Bauakteure jedoch optimistisch, dass sich die Fehlerkosten reduzieren lassen. 46 Prozent gehen von einem Rückgang aus, nur zwölf Prozent erwarten einen weiteren Anstieg.

Auch zu ihren Erwartungen speziell im Gewerbebau wurden die Bauakteure befragt. Knapp die Hälfte geht davon aus, dass der Neubau von Gewerbebauten bis 2019 anziehen wird, ein weiteres gutes Drittel geht von einem konstanten Niveau aus. Besonders in Nord- und Süddeutschland wird mit einer steigenden Neubautätigkeit gerechnet, während im Osten die Erwartungen am geringsten ausfallen.

Die vollständige Studie mit vielen weiteren Themen kann unter bauinfoconsult.de bestellt werden.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2018 - Alle Rechte vorbehalten