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Den Bart zur E-Gitarre geformt Bartweltmeister: Die verrückten Stylings von Jürgen Burkhardt

Der Bart reicht ihm bis weit über den Bauchnabel, doch im Alltag trägt er ihn am liebsten zu zwei Bartrollen gestylt. Jürgen Burkhardt ist vierfacher Bartweltmeister, Fotograf und Songwriter des vielleicht ersten Bartliedes. Im Interview mit der Deutschen Handwerks Zeitung gibt er Tipps für das perfekte Bartstyling und verrät seine verrücktesten Kreationen.

DHZ: Wie lange brauchen Sie morgens um ihren Bart zu frisieren?

Jürgen Burkhardt: Für meinen Alltagsbart brauche ich morgens circa eine halbe Stunde. Bei Wettbewerben sieht die Sache ganz anders aus. Für eine sehr aufwändige Kreation, die ich in Österreich präsentiert habe, stand ich einmal sechs Stunden vor dem Spiegel.

DHZ: Gönnen Sie sich auch mal einen Bad-Beard-Day ohne Styling?

Burkhardt: Mit einer Spannweite von 1,80 Meter ist mein Bart sehr lang, unfrisiert geht er mir über den Gürtel. Im Alltag wäre das sehr unpraktisch, deshalb frisiere ich mir täglich die beiden großen Bartrollen an den Seiten. Es sieht auch schöner aus, hat seinen Sinn und Zweck – und der Bart ist ja auch mein Markenzeichen.

DHZ: Was fallen denn konkret für Arbeiten an, um Ihren Alltagsbart zu formen?

Burkhardt: Ich style meinen Bart mit Haarlack. Den muss ich erst einmal gründlich mit Bartseife oder einem milden Shampoo auswaschen. Nach der Wäsche kommt Bartöl rein – für die Pflege und ein bisschen Glanz. Mit Haarspray sorge ich erstmal  für eine Grundfestigkeit. Auf einem extra-großen Lockenwickel wird mein Bart aufgerollt und mit Haarlack fixiert. Anschließend wird mein Schnauzbart in diesen beiden Bartrollen formgerecht integriert. Zum Schluss wird alles nochmals mit Haarlack fixiert und der Bart hält so den ganzen Tag.

DHZ: Wie lange lassen Sie Ihren Bart schon wachsen?

Burkhardt: Meinen Schnauzbart habe ich tatsächlich noch nie rasiert. 1993 hat meine Frau erfahren, dass im Schwarzwald eine Bart-Europameisterschaft stattfindet und gemeint, dass das doch etwas für mich wäre. Also habe ich teilgenommen. Das Problem damals war: Für einen Schnauzbart war mein Bart an der Seite zu weit angewachsen, für einen richtigen Backenbart war es wiederum zu wenig. Letztlich hat es für einen Platz im Mittelfeld gereicht. Das Ganze hat mir aber so viel Spaß gemacht, dass ich noch während dem Wettbewerb einem Bartclub beigetreten bin. Seitdem lasse ich meinen Bart weiter wachsen. 1996 war der Bart von der Fülle dann so weit, dass ich meinen ersten Sieg bei einer Bart-Olympiade geholt habe und Dritter in der Gesamtwertung wurde. Ein Jahr später wurde ich in Norwegen erstmals Weltmeister in der Kategorie "Kaiserliche Backenbärte" und direkt auch Weltmeister aller Klassen.

Bartweltmeister: Die verrückten Stylings von Jürgen Burkhardt

DHZ: Inzwischen sind Sie vierfacher Weltmeister und amtierender Vize-Weltmeister. Was muss man – außer Bartwuchs – mitbringen, um Chancen auf den Titel zu haben?

Burkhardt: Wenn man einen richtig schönen Bart machen möchte, ob Natural- oder Freistil-Bart, braucht man als Basis einen guten Bartwuchs – das ist klar. Ein Dali-Bart kommt aber beispielsweise auch mit weniger aus, weil er sehr dünn ist. Im Prinzip gibt es für jeden Mann eine entsprechende Bartform. Bei den Meisterschaften ist die Konkurrenz dann sehr groß. In meiner Disziplin, der Backenbart-Freistilklasse, sind es oft um die 20 Teilnehmer. Um dort Chancen auf den Titel zu haben, muss man sich gut präsentieren können. Der Auftritt wird zwar nicht separat bewertet, er fällt aber trotzdem ins Gewicht. Man schaut also schon, dass Outfit und Bart stimmig sind. Was den Bart betrifft, mache ich mir vorher Gedanken, was denn zum jeweiligen Austragungsort passt. In Austin (Texas) hatte ich mit meinem Bart eine E-Gitarre und die Landkarte von Texas geformt. Der Hintergrund ist folgender: Austin ist die Welthauptstadt der Live-Musik. In Frankreich hatte ich zum Beispiel den Eifelturm, in England den Blackpool-Tower. Mir fällt schon immer was ein. Insgesamt muss man sagen, dass der Anspruch steigt. In letzter Zeit sind speziell aus Amerika viele junge Leute nachgekommen, die uns Deutschen als traditionsreiche Bartnation starke Konkurrenz machen. Bei uns sind die Bartträger wenigstens 50 Jahre alt, die Amerikaner sind im Schnitt 30 Jahre alt. In jungen Jahren ist der Bartwuchs noch sehr stark und intensiv – da merkt man schon Unterschiede.

DHZ: Sie frisieren alles selbst?

Burkhardt: Mich hinsetzen und mir den Bart stylen zu lassen, kommt für mich nicht in Frage. Ich habe den Anspruch, alles aus eigener Kraft zu gestalten, andernfalls könnte ich einen Sieg bei einem Wettbewerb nicht genießen.

DHZ: Winken den Siegern von Bartmeisterschaften denn auch Preisgelder?

Burkhardt: Geld verdienen kann man mit Bartmeisterschaften nicht. Aber es ist schon so, dass einem die Teilnahme an solchen Wettbewerben Türen öffnet, etwa zu Fernsehsendungen. Wir sind auch schon zweimal nach Hongkong und einmal nach Jakarta eingeladen worden, um dort als Weihnachtsmänner aufzutreten. Am letzten Samstag vor Weihnachten trifft man uns zudem immer in einem großen Einkaufszentrum in Stuttgart, wo sich Kinder mit uns fotografieren lassen können und so Spenden für ein Kinderhospiz gesammelt werden. Jetzt aktuell fragen mehrere Fernsehsendungen bei uns an, weil wir ein Bartlied aufgenommen haben, zu dem ich den Text geschrieben habe. Das kommt überall gut an. Zuletzt wurden wir sogar in der Pro7-Show "1:30" gecovert. Am 27. Juli 2019 sind wir samstags um 20:15 Uhr in der SWR-Sendung "Schlager-Spaß mit Andy Borg" zu sehen.

Belle Moustache feat. PIT FOCKE Wir lieben unsern Bart!

DHZ: Der Bart feierte in den vergangenen Jahren ein eindrucksvolles Comeback – was kann der ganz normale Bartträger von Ihnen lernen?

Burkhardt: Man braucht für die Bartpflege nicht allzu viel. Was ich aber empfehle, ist eine Bartbürste und bei längeren Bärten auch eine Rundbürste. Bei den Barbürsten ist wichtig: Es sollte eine mit Naturborsten sein, zum Beispiel Wildschweinborsten. Die sind sehr schonend für den Bart und das Bartöl wird besser verteilt. Zudem wird durch das Bürsten auch die Haut unter dem Bart gepflegt, was nicht zu vernachlässigen ist. Am besten ist, wenn man den Wuchs in eine bestimmte Richtung bürstet. Also zum Beispiel von vorne seitlich nach hinten beziehungsweise am Kinn nach unten. Dann bekommt der Bart schon mal eine schönere Struktur. Ein häufiger Fehler von Bartträgern ist, dass die Haare auf der Oberlippe sehr kurz gehalten werden. Der Bart kann so keine schöne Form bekommen. Besser wäre es den Oberlippenbart nur an den seitlichen Enden zu schneiden. Dann ist irgendwann auch eine üppigere Rolle möglich – und die macht schon was her. Wir machen mit unserem Club "Belle Moustache" auch Bart-Workshops und zeigen individuell, was für jeden Einzelnen am besten zu machen ist.

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