Freiburg -

Sanierungsabschluss Bäckerlicht am Münster erstrahlt in neuem Glanz

Münsterbauhütte und Bäcker-Innung feierten Abschluss der Sanierungsarbeiten.

Bäckerlicht am Münster erstrahlt in neuem Glanz
Zur Fertigstellung des Bäckerlichts sang der Bäckerchor der Bäckerinnung Freiburg Breisgau-Hochschwarzwald mit Unterstützung des Münsterpfarrers Wolfgang Gaber. -

Die umfassende Sanierung des Bäckerlichts – eines Strebepfeiler-Aufsatzes auf der Nordseite des Freiburger Münsterchors – konnten Ende Juli abgeschossen werden. Am 24. Juli trafen sich Steinmetze der Münsterbauhütte und Vertreter der Bäcker-Innung Freiburg, um feierlich den Transport der letzten Kreuzblume für die Spitze des Bäckerlichts, sozusagen den "Schlussstein", zu begleiten. Diese Sanierungsarbeiten wurden von der Bäcker-Innung Freiburg mit großzügigen Spenden unterstützt.

Hintergrund zur Sanierung

Die Bäcker-Innung Freiburg Breisgau-Hochschwarzwald feierte 2007 ihr 125-jähriges Bestehen und spendete aus diesem Anlass für die Sanierung des Chorstrebepfeileraufsatzes 9/10 Nord – des so genannten "Bäckerlichts". Anfang 2014 kam eine weitere Spende aus der Bäcker-Weihnachtsaktion hinzu. Insgesamt unterstützte die Innung die Arbeiten rund um den Aufsatz mit rund 15.000 Euro.

Der Vorsitzende des Münsterbauvereins, Dr. Sven von Ungern-Sternberg, hob die Bedeutung des Handwerks für das Münster hervor. Er lobte insbesondere, dass die "traditionelle enge Beziehung zwischen den Bäckern und dem Münster seit Jahrhunderten besteht und weiterhin intensiv gepflegt wird". Die feierliche Fertigstellung des Bäckerlichts gab damit einen Vorgeschmack auf den Münstertreff am 19. September, zu dem von Ungern-Sternberg und Münsterpfarrer Wolfgang Gaber die umstehenden Passanten herzlich einluden.

Bäckerlicht am Münster erstrahlt in neuem Glanz
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Die Münsterbauhütte begann ihre Arbeit mit einer umfangreichen Bestandsaufnahme: Schadenskartierungen, die die Planungsgrundlage für die Steinrestaurierungsarbeiten darstellen, Farbbefunds- und Bauzeiten-Kartierung. Viele Schäden ließen sich auf das im Laufe der Zeit verloren gegangene wasserableitende Profil zurückführen: Das Regenwasser konnte unkontrolliert ablaufen und drang in die darunter verlaufende kreuzförmige Ankerkonstruktion ein. Dies führte zu Rostsprengungen und weiteren Steinschäden.

Das Sanierungskonzept bestand aus folgenden Maßnahmen: Reinigung der Oberflächen im Trockenstrahlverfahren, Festigung und Kittungen, darüber hinaus Teilergänzungen mithilfe von so genannten Vierungen, Steinaustausch, Austausch rostender Eisendübel und -anker sowie zahlreiche neue Fugen.

Dafür wurde der Strebepfeileraufsatz abgebaut, um die Werkstücke in der Werkstatt der Bauhütte über den Winter "behandeln" zu können. Circa 90 Prozent der originalen Substanz konnten dank konservatorischer Maßnahmen erhalten und wieder eingebaut werden. Einige Stücke wurden durch Kopien aus Lahrer Sandstein ersetzt – darunter ein Blattkapitell, einige Fialen und Kreuzblumen, von denen die letzte wie bereits erwähnt am 24. Juli versetzt wurde. Die vier Eckfialen der Bäckerlicht-Spitze wurden, basierend auf ca. 100 Jahre alten Fotografien, von den Steinmetzen der Münsterbauhütte entworfen und ausgeführt.

Das Bäckerlicht versteckt sich seit 2009 hinter einem massiven Gerüst, das bis Herbst 2014 wieder vollständig abgebaut sein wird, sodass das Bäckerlicht dann in neuem Glanz über dem Münsterplatz erstrahlen kann.

Geschichte des Bäckerlichts

Vom 12. Jahrhundert bis 1515 diente der Münsterplatz als Friedhof. Auf der Nordseite des Freiburger Münsters wurde im Hochmittelalter eine dem heiligen Andreas geweihte, zweigeschossige Friedhofskapelle errichtet. Ihr Untergeschoss diente als Beinhaus. Unweit von ihr wurde 1516 das Bäckerlicht aufgestellt, ein von der Bruderschaft der Bäckerknechte gestiftetes und von den Gesellen der Bäckerzunft betreutes "Ewiges Licht" zum Gedenken an die gefallenen Bürger der Stadt. 1785 wurde das Bäckerlicht im Zusammenhang mit dem Abriss der Kirchhofmauer am Münsterplatz abgebaut. Im Jahr 1813 wurde auf der Nordseite ein Chorstrebepfeileraufsatz mit Teilen dieses ehemaligen Totenlichts errichtet und mit diesen zierreichen Aufbauten erst nach über 250 Jahren – vermutlich aus finanziellen Gründen – die Strebepfeiler vollendet. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden viele Aufsätze im neugotischen Stil errichtet.

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