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Bäckerei: Feuer unterm Dach Brandschutz im Betrieb: Worauf Sie achten müssen

Bäckermeister Jürgen Peipp hatte Glück im Unglück. Sein Betrieb brannte im Herbst 2018 aus, doch er konnte ihn wieder aufbauen und startet jetzt neu durch. Worauf Unternehmer beim Brandschutz im Betrieb achten müssen und welche Bestimmungen gelten.

Jürgen Peipp war im Urlaub, als vergangenen November nachts sein Handy klingelte. "Das war mein Sohn. Er sagte mir, dass unsere Bäckerei brennt“ erinnert sich der 62-jährige Bäckermeister.

Das gesamte Gebäude im fränkischen Großhaslach, mit Bäckerei im Erdgeschoss, Privatwohnung der Peipps im ersten Stock und dem Mehlsilo, Büro und einer weiteren Wohnung im zweiten Stock, wurde zerstört.

200.000 Wohnungsbrände im Jahr

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft registriert jedes Jahr 200.000 Wohnungsbrände, gewerbliche Immobilien nicht mitgezählt. 335 Menschen starben 2017 infolge von Feuer. Der Brand der Bäckerei Peipp forderte keine Menschenleben. Doch drei der insgesamt 170 Feuerwehrleute vor Ort erlitten bei dem stundenlangen Einsatz eine Rauchvergiftung. Und es entstand ein Schaden von 1,2 Millionen Euro.

Die Peipps saßen derweil auf den Malediven fest. Ein früherer Rückflug war nicht zu bekommen. "Also haben wir uns Wohnungsangebote durchgesehen und uns neue Kleidung gekauft; zu Hause hatten wir ja nichts mehr.“ Zehn Monate lang lebte das Ehepaar nach seiner Rückkehr in einer kleinen Ferienwohnung im Ort und dirigierte von dort den Wiederaufbau des Betriebs.

Wiederaufbau dank Versicherungen

Denn die Peipps hatten Glück im Unglück. Sie hatten ihren Betrieb immer konsequent warten lassen; ein Feuer durch einen technischen Defekt, vermutlich in einem Kabel des Mehlsilos, war nicht abzusehen. Das akzeptierten auch Peipps Versicherungen: Sowohl Gebäude-, als auch Inhalts- und Betriebsunterbrechungsversicherung leisteten ohne Wenn und Aber. "Wir haben jetzt alles wieder aufgebaut, natürlich nach den neuesten Brandschutzbestimmungen. Sogar unsere vier Vollzeitbeschäftigen konnten wir dank der Versicherung halten“, berichtet der Bäckermeister.

Christine und Jürgen Peipp vor der neu aufgebauten Bäckerei.

Seit 24. September hat er wieder geöffnet und Peipp hofft, dass seine Kunden nach über zehn Monaten Pause zu ihm zurückfinden. Denn viele Unternehmen schaffen zwar noch den Wiederaufbau ihres Betriebs. Sie unterschätzen aber die Auswirkungen der Zwangspause auf ihre Kunden- und Lieferantenbeziehungen.

Peipp aber gibt sich zuversichtlich. Schließlich haben ihn die Dorfbewohner monatelang gefragt, wann er öffnen werde. Und er hat Kunden in ganz Deutschland, die auf seine Zöliakie-Backwaren schwören.

Aufgeben war für den Franken also nie eine Option, trotz seines Alters. Jetzt hofft er, dass er bis zur Rente einen Nachfolger findet. Der würde eine nagelneu ausgestattete Bäckerei bekommen.

Brandschutz im Betrieb

Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet Unternehmer, im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung auch die Gefährdung durch Brände in ihrem Betrieb zu ermitteln und zu beurteilen (s. Technische Regel für Arbeitsstätten: Gefährdungsbeurteilung, ASR V3)

Dabei hat der Unternehmer auf den baulichen, den technischen und den organisatorischen Brandschutz zu achten und muss entsprechende vorbeugende Maßnahmen ergreifen, also beispielsweise Brandmelder und Feuerlöscher installieren.

Welche Kriterien der Unternehmer dabei beachten muss, legt die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A 2.2 fest, die die frühere Regel "Ausrüstung von Arbeitsstätten mit Feuerlöschern BGR/GUV-R 133 ersetzt. Der Bundesverband der Brandschutz-Fachbetriebe (bvbf) informiert, dass die aktuelle ASR A 2.2-Fassung es erlaubt, Feuerlöscher mit weniger als sechs Löschmitteleinheiten anzurechnen. Die Wegstrecken zwischen den einzelnen Feuerlöschern sind dann auf maximal zehn Meter zu verkürzen. Grundsätzlich sollte der Weg zum nächsten Feuerlöscher nie weiter als 20 Meter Laufweg betragen.

Wie oft muss man Mitarbeiter unterweisen?

Zu den Pflichten des Unternehmers gehört es auch, alle Mitarbeiter mindestens einmal im Jahr über mögliche Gefahren bei ihren Tätigkeiten zu unterweisen – also auch über Brand- und Explosionsgefahren, über die Brandschutzeinrichtungen und wie sie sich im Gefahrenfall verhalten müssen. Sobald sich etwas an ihrem Tätigkeitsbereich ändert, ist eine neue Unterweisung fällig.

Die Ausbildung von Brandschutzhelfern reicht weiter. Sie müssen von Fachkundigen unterwiesen werden und den Umgang mit Feuerlöscheinrichtungen üben. So können sie Entstehungsbrände bekämpfen, vor allem aber sicherstellen, dass alle Menschen den gefährdeten Bereich verlassen. Ob ein Betrieb Brandschutzhelfer benötigt, entscheidet sich nach der Gefährdungsbeurteilung.

Was zur Ausbildung von Brandschutzhelfern alles nötig ist, hat die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) in der Publikation "Brandschutzhelfer. Ausbildung und Befähigung" zusammengetragen.

Handwerker fürchten Feuer

Beschäftigte in Handwerksbetrieben befürchten mehr als Angehörige anderer Branchen einen Brand in ihrem Unternehmen. Das zeigt eine Brandschutzstudie des Bundesverbands Brandschutz-Fachbetriebe (bvbf) – allerdings aus dem Jahr 2007.

Für die Studie wurden rund 400 Beschäftigte aus Unternehmen unterschiedlicher Größe repräsentativ ausgewählt und außerhalb ihres Arbeitsplatzes anonym befragt.

Mit 70 Prozent äußerten sich Handwerker auffallend häufiger besorgt, als Angehörige anderer Branchen, zum Beispiel in sozialen Einrichtungen, wo 40 Prozent einen Brand fürchten.

Über alle Branchen hinweg wusste jeder dritte Mitarbeiter von einem Brand in seiner eigenen Firma. Befragt nach den Ursachen, rangieren Fahrlässigkeit, Rauchen und technische Gründe an erster Stelle.

Wann herrscht erhöhte Brandgefährdung?

Die Technische Regel für Arbeitsstätten "Maßnahmen gegen Brände“ (ASR A2.2) geht von erhöhter Brandgefährdung aus, wenn:
  • entzündbare oder oxidierende Stoffe oder Gemische vorhanden sind,
  • die örtlichen und betrieblichen Verhältnisse für eine Brandentstehung günstig sind,
  • in der Anfangsphase eines Brandes mit einer schnellen Brandausbreitung oder großen Rauchfreisetzung zu rechnen ist,
  • Arbeiten mit einer Brandgefährdung durchgeführt werden z.B. Schweißen, Brennschneiden, Trennschleifen, Löten oder Verfahren angewendet werden, bei denen Brandgefährdung besteht, z.B. Farbspritzen, Flammarbeiten,
  • oder erhöhte Gefährdungen vorliegen, z.B. durch selbsterhitzungsfähige Stoffe oder Gemische, Stoffe der Brandklassen D und F, brennbare Stäube, extrem oder leicht entzündbare Flüssigkeiten oder entzündbare Gase.
Wer mit brennbaren oder oxidierenden Gefahrstoffen arbeitet, bei denen Brandgefährdungen entstehen könnten, muss die Technische Regel für Gefahrstoffe: Brandschutzmaßnahmen TRGS 800 beachten.

Herrscht zudem noch Explosionsgefahr, so gilt außerdem die TRGS 720/TRBS 2152: "Gefährliche explosionsfähige Atmosphäre ".

Wer braucht Brandschutzbeauftragte?

Brandschutzbeauftragte brauchen Unternehmen dann, wenn es die für sie geltende Vorschrift fordert. So verlangt die Industriebau-Richtlinie, die für alle produzierenden oder bearbeitenden Gewerbe gilt, ab einer Geschlossfläche von 5.000 Quadratmetern einen Brandschutzbeauftragten; auch Sachversicherer bestehen oft darauf.

Ergibt die Gefährdungsbeurteilung eine erhöhte Brandgefährdung, besteht zwar keine Pflicht für einen Brandschutzexperten, doch die ASR A2.2 empfiehlt dies.

Weil dessen Ausbildung zweitaufwändig und teuer ist, können Betriebe auch eine betriebsfremde Person beauftragen, beispielsweise eine externe Sicherheitsfachkraft mit der zusätzlichen Ausbildung zum Brandschutzbeauftragten.

Nützliche Informationen zum Brandschutz

Weitere Informationen zu Aufgaben, Qualifikation, Ausbildung und Bestellung von Brandschutzbeauftragten sind Inhalt der DGUV-Information 205-003.

Umfassende Informationen zum Brandschutz im Betrieb stehen auf der Webseite "Betrieblicher Brandschutz" , auf der die DGUV die Informationen verschiedener Fachbereiche zusammenfasst.

Mit der Broschüre "Arbeitssicherheit durch vorbeugenden Brandschutz" der Berufsgenossenschaft Holz und Metall lässt sich der Brandschutz im Betrieb von Anfang an aufbauen.

Der Bundesverband Brandschutz-Fachbetriebe (bvbf) hat zusätziche Informationen zum Brandschutz in Unternehmen und Arbeitsstätten zusammengetragen.


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