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Kaufprämie Autoprämie gefordert: Diese Vorschläge liegen auf dem Tisch

Um den Absatz auf dem Automobilmarkt anzukurbeln, diskutieren Politik und Wirtschaft derzeit über Kaufprämien. Aber für welche Autos soll sie gelten und an welche Bedingungen sollte sie geknüpft sein? Die Ideen sind sehr unterschiedlich.

Um die in der Corona-Krise abgestürzte Nachfrage anzukurbeln, fordert die deutsche Autoindustrie staatliche Prämien für den Neuwagen-Kauf. Strittig ist mitunter, ob sich diese auf klimafreundliche Antriebe beschränken oder auf alle Arten von Autos erstrecken könnten. Am 5. Mai möchten Bund und Autobranche über mögliche Maßnahmen beraten. Die Vorschläge im Überblick.

Verkehrsverbände

Verkehrsverbände forderten etwa eine breiter angelegte "Mobilitätsprämie". Damit solle man zum Beispiel auch E-Bikes oder Abos fürs Bahnfahren kaufen können, erklärte der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) als Initiator eines entsprechenden Aufrufs.

Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe

Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) sprach sich dagegen für eine "technologieoffene" staatliche Kaufprämie aus. "Dazu gehören verbrauchsarme und saubere Diesel und Benziner der aktuellen Schadstoffnormen Euro 6d-Temp und Euro 6d", hieß es.

"Selbstverständlich unterstützen wir den Ansatz, auch Fahrzeuge mit alternativen Antrieben in das Prämienprogramm mit aufzunehmen", sagte ZDK-Vizepräsident Thomas Peckruhn. Würde sich die Prämie jedoch auf diese Gruppe - wie Elektro-Autos - beschränken, werde bei den Kunden eine Erwartungshaltung geweckt, die in absehbarer Zeit aufgrund fehlender Stückzahlen gar nicht zu befriedigen sei.

Volkswagen

Nach den Vorstellungen des VW-Betriebsrats sollte ein Fördermodell unter anderem eine "Impuls-Prämie" für Neuwagenkäufe inklusive Leasing umfassen, die auch für moderne Verbrenner gilt und über "einen klar begrenzten Zeitraum" läuft. Sie sollte ähnlich hoch sein wie die "Abwrackprämie" in der Finanzkrise 2009 und sich auch auf junge Gebrauchtwagen bis zum Alter von einem Jahr erstrecken.

Zudem möchte VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh  eine "zusätzliche Abwrackprämie obendrauf", die es für verschrottete Altautos der Abgasnormen Euro-3 und Euro-4 gibt. Die deutschen Hersteller sollten sich nach Meinung von VW einig sein, die staatlichen Mittel "je nach zugesagter Summe womöglich sogar zu verdoppeln, zumindest aber die Wechselkosten zu übernehmen". Daneben solle der CO2-Ausstoß als Bemessungsgrundlage für die Kfz-Steuer stärker berücksichtigt werden.

Verband der internationalen Kraftfahrzeughersteller

Ein dreistufiges staatliches Vorgehen schlägt der Verband der internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) vor. Zunächst solle der Staat seinen Anteil an der bereits bestehenden Kaufprämie für Elektroautos verdoppeln. Als zweite Förderkategorie sollten Kaufanreize für Fahrzeuge gesetzt werden, die weniger als 95 Gramm CO2/km ausstoßen. Dies treffe beispielsweise auf viele Kleinwagen und Hybride zu. Als dritte Stufe schwebt den Importeuren eine klassische Abwrackprämie für ältere Fahrzeuge vor, die gegen Verbrenner mit den neueren Abgasnormen Euro 6d und Euro 6dTemp eingetauscht werden.

Gesamtverband Autoteile-Handel

Der Gesamtverband Autoteile-Handel e.V. (GVA) stellt sich gegen eine staatliche Prämie für den Neuwagenkauf. Der Verband hält eine Kaufprämie weder für ökonomisch zielführend noch für ökologisch sinnvoll. Denn eine entsprechende Prämie setze keine neuen Kaufanreize, da diese "in der Regel nur einen Bruchteil des ohnehin marktüblichen Neuwagenrabatts darstellt." Durch die Krise wirtschaftlich getroffene Unternehmen oder Privatpersonen würden ungehindert dessen, ihre Kaufabsicht zurückstellen. Die wegen der temporären Schließung der Schauräume aufgeschobenen Käufe könnten nun zeitnah nachgeholt werden.

Die Kaufprämie sei zudem eine indirekte Zuwendung an die Fahrzeughersteller. Die staatlichen Mittel sollten stattdessen gezielt für in Not geratene Betriebe genutzt und nicht nach dem Gießkannenprinzip verteilt werden.

Deutsche Bank

Die Deutschen Bank warnte derweil vor einer Abwrackprämie nach dem Vorbild aus dem Jahr 2009. "Anders als andere Sektoren wie die Gastronomie war und ist die Automobilproduktion in Deutschland nicht vom staatlichen Lockdown betroffen. Auch die Autohäuser haben inzwischen wieder geöffnet" Eine Abwrackprämie für Autos führe zu Vorzieheffekten mit entsprechenden Rückgängen im nächsten Jahr sowie zu Mitnahmeeffekten, von denen vor allem Besserverdiener profitierten. "Und schließlich gibt es mit den Subventionen für Elektroautos bereits eine ökologisch ausgerichtete Kaufprämie."

Umweltschutzorganisationen

Umweltschutzorganisationen kritisieren Vorschläge, neben Autos mit alternativen Antrieben auch Hybrid-, Benzin- oder Dieselwagen zu bezuschussen. "Es ist nicht zielführend, Fahrzeuge zu fördern, deren Technik nicht zukunftsweisend ist", sagte die baden-württembergische BUND-Landeschefin Brigitte Dahlbender. "Wenn überhaupt, darf es nur eine Kaufprämie für kleine, rein elektrische Fahrzeuge geben."

Mit Inhalten aus dpa

Verbraucherumfrage zur Kaufprämie

Die Bundesbürger reagieren gespalten auf eine mögliche Autoprämie, wie eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Verkaufsplattform mobile.de zeigt: 47 Prozent der Befragten würden eine Prämie befürworten - zur Förderung von umweltfreundlichen Autos oder auch, um persönlich zu sparen. Dagegen sagen 38 Prozent, dafür sollten keine Steuergelder ausgegeben werden.

Laut Umfrage planen derzeit 14 Prozent der Deutschen, ein Auto zu kaufen. Weitere sieben Prozent wollten eigentlich ein Auto kaufen, haben ihre Pläne wegen der Corona-Krise jetzt aber erst einmal ad acta gelegt. Um einen Anreiz zum Kauf eines Neuwagens zu bieten, müsse eine Prämie bei mindestens 5.000 Euro liegen, sagten 37 Prozent der Befragten.

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) möchte für Elektroautos sogar 10.000 Euro Prämie zahlen. Allerdings würden nur knapp 16 Prozent der Befragten auch dann ein E-Auto kaufen, wenn es trotz Prämie immer noch teurer wäre als ein Diesel oder Benziner. 38 Prozent wünschen sich Kaufprämien für Gebrauchtwagen.

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