Mobilität -

EU-Verkehrsminister für einheitliche Regeln Autonomes Fahren gewinnt an Tempo

Beim Thema autonomes Fahren haben Politik und Industrie den nächsten Gang eingelegt. Was technisch heute schon möglich ist, war im Umfeld des Treffens der EU-Verkehrsminister in Amsterdam zu sehen.

Wie man freihändig durch die holländische Hauptstadt kutschiert, konnten die Verkehrsminister der 28 EU-Mitgliedsstaaten bei einer Fahrt vom Schifffahrtsmuseum zum Filmmuseum EYE in einem Forschungsfahrzeug von Jaguar Land Rover erleben. An der Veranstaltung waren mit Daimler, BMW, Audi, Renault, PSA, Tesla und Volvo aber noch weitere Hersteller beteiligt. Sie alle arbeiten an Lösungen für das automatisierte Fahren.

Fünf Stufen müssen die Entwicklungsabteilungen der Automobilkonzerne auf dem Weg dahin meistern:

  1. Hände am Steuer (Hands-on)
  2. Hände nicht am Steuer (Hands-off)
  3. hochautomatisiert (Eyes-off)
  4. vollautomatisiert (Mind-off)
  5. fahrerlos (Driverless)
Im Kommen: Autonomes Fahren

Citroën C4 Picasso fährt ohne Kontrolle des Fahrers

Auf Stufe 3 bewegten sich zwei Citroën C4 Picasso, die von Vélizy in Frankreich aus, rund 300 Kilometer auf eigens dafür freigegebenen Straßen ohne die Kontrolle des Fahrers nach Amsterdam gefahren sind.

Der französische PSA-Konzern hat Mitte vergangenen Jahres nach eigenen Angaben als erster Hersteller die Genehmigung zum Test selbstfahrender Autos auf öffentlichen Straßen in Frankreich erhalten. Seither hätten vier Prototypen, alles Citroën C4 Picasso, mehr als 20.000 Kilometer im selbstfahrenden Modus zurückgelegt. Gefahren wurde von Paris nach Bordeaux oder nach Vigo in Spanien. Von 2020 an will PSA das vollständige autonome Fahren einführen, bei dem der Mensch die volle Kontrolle auf das Fahrzeug überträgt.

Ähnliche Szenarien verfolgen auch die anderen Hersteller, die beim informellen Treffen der EU-Verkehrsminister in Amsterdam ihre Prototypen präsentiert haben. Wie Mercedes-Benz sich die Zukunft des autonomen, vernetzten und emissionsfrei fahrenden Fahrzeugs im Jahr 2030 vorstellt, zeigt das Forschungsfahrzeug F015.

Das futuristische Auto, das im vergangenen Jahr bei der IAA in Frankfurt seine Premiere erlebte, begeisterte auch in Amsterdam nicht nur die Politiker, sondern auch zahlreiche Besucher.

Autonomes Fahren

In Amsterdam haben die EU-Verkehrsminister über das autonome Fahren beraten. Gekommen waren auch die Automobilhersteller, um zu zeigen, was heute schon geht.

Mercedes-Benz E-Klasse intelligentestes Straßenfahrzeug

Was bei Mercedes-Benz schon Realität ist, zeigte Daimler mit zwei Serienfahrzeugen der neuen E-Klasse. Die Summe der in diesem Auto bereits serienmäßig verfügbaren Innovationen, macht die neue E-Klasse laut Daimler zum intelligentesten verfügbaren Straßenfahrzeug.

Zur Ausstattung gehören unter anderem der aktive Spurwechsel-Assistent, der Remote Park-Pilot, mit dem das Auto via Smartphone ein- und ausgeparkt werden kann, oder die erste Car-to-X-Kommunikation. Unter letzterem ist der funkbasierte Austausch von Informationen unter den Fahrzeugen, aber auch zwischen Fahrzeugen und Verkehrsinfrastruktur zu verstehen. Auf diese Weise wird es möglich, zum Beispiel früher vor Geisterfahrern oder gefährlichen Stau-Enden zu warnen.

Verkehrsminister verabschieden "Amsterdamer Erklärung"

Das informelle Treffen der europäischen Verkehrsminister und der slowenischen EU-Kommissarin Violeta Bulc war auf Initiative der niederländischen EU-Ratspräsidentschaft zustande gekommen. Im Ergebnis steht mit der „Amsterdamer Erklärung“ ein erster wichtiger Schritt, um auf EU-Ebene einheitliche Rahmenbedingungen für die Entwicklung der Technologie zum autonomen Fahren zu schaffen. Damit kommen die Politiker einer wichtigen Forderung vieler Hersteller nach.

Denn ohne die Zusammenarbeit zwischen den europäischen Mitgliedstaaten bestehe die Gefahr, dass zu viele verschiedene Vorschriften entwickelt werden, die die Markteinführung der neuen Technik behindern. „Es wäre doch ärgerlich, wenn man bei jedem Grenzübertritt ein selbstfahrendes Auto resetten müsste“, sagte die niederländische Verkehrsministerin Melanie Schultz van Haegen. Außerdem müssten Aspekte wie Haftung, Datenschutz und Cyber-Sicherheit geregelt werden.

Größte Mobilitätsrevolution seit der Erfindung des Autos

Um autonomes Fahren rechtlich überhaupt möglich zu machen, wurde bereits das "Wiener Übereinkommen über den Straßenverkehr" angepasst, das seit 1968 als eine Art weltweit gültige Straßenverkehrsordnung von den Vereinten Nationen anerkannt ist.

Mitte April hat nun auch die deutsche Bundesregierung die Umsetzung des geänderten Regelwerks beschlossen. Verkehrsminister Alexander Dobrindt hält das automatisierte und vernetzte Fahren für die größte Mobilitätsrevolution seit der Erfindung des Autos. „Wir wollen diese Technologie auf die Straße bringen“, sagte der Minister und kündigte an, sich in einem nächsten Schritt dafür einzusetzen, den Weg für das Auto mit Autopilot freizumachen.

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