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Schufa und Co. Auskunfteien: Warum Handwerker mitmachen sollten

Auskunfteien spielen sowohl im Privaten als auch im Geschäftsleben eine gewichtige Rolle. Das Problem dabei: Viele wissen das nicht.

Egal ob es um einen Kredit, einen Ratenkauf oder die Anmietung einer Wohnung geht: An einer Schufa-Auskunft kommen wir nur schwer vorbei. Erst mit dem Okay aus Wiesbaden kommt das Geschäft zustande. Doch wissen wir eigentlich, was da im Hintergrund passiert? "Nein", sagt Birgit Vorberg, bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zus­tändig für die Sachgebiete Kredit und Entschuldung. Die meisten Menschen, so ihre Erfahrung, kümmern sich überhaupt nicht um das Thema, glauben oftmals sogar, dass es sich bei der Schufa (siehe Kasten) um eine Behörde handelt, und wachen allenfalls dann auf, wenn das Geschäft nicht zustande kommt.

Fakt ist, so Vorberg, dass Auskunfteien die Ausgestaltung von sehr vielen Verträgen beeinflussen – und zwar von Anfang an. Aber die Betroffenen, die zuvor standardmäßig die Einwilligung zur Schufa-Abfrage ihrem Telekommunikationsanbieter oder Lieferanten gegeben haben, bemerken davon oft gar nichts. "Wir alle", so Vorberg, "sollten dem Thema mehr Aufmerksamkeit schenken."

Eine Aussage, die auch Stefan Maier, betriebswirtschaftlicher Berater bei der Handwerkskammer Region Stuttgart, unterschreiben würde. "Denn gerade auch im geschäftlichen Bereich", stellt er klar, "haben Auskunfteien eine größere Bedeutung, als viele meinen." Sie nicht ernst zu nehmen, kann in zweierlei Hinsicht negative Konsequenzen haben. Einerseits, wenn man den Service der Auskunfteien selbst nicht nutzt, in dem man sich über potenzielle Geschäftspartner informiert. Andererseits, wenn man durch falschen Umgang, dazu beiträgt, dass über den eigenen Betrieb eher negative Auskünfte erteilt werden – auch wenn sie gar nicht stimmen.

Die Philosophie der Auskunfteien: Datenaustausch hilft allen

Um das zu verstehen, hilft ein Blick hinter die Kulissen der Auskunfteien. Neben der Schufa, die nicht nur Daten zu 67,9 Millionen Privatpersonen, sondern auch zu sechs Millionen Unternehmen gespeichert hat, gibt es in Deutschland noch weitere, die sich zumeist ausschließlich um Unternehmen kümmern, so zum Beispiel CRIF Bürgel, Arvato Financial Solutions/Infoscore Consumer Data oder Creditreform Boniversum. Manche davon sammeln nicht nur Daten, sondern übernehmen auch noch andere Finanzleistungen wie Inkasso.

Allen gemeinsam ist, dass sie sich als Servicepartner für Unternehmen sehen – und als Vermittler zwischen Geschäftspartnern. Die Philosophie dahinter ist: Wenn Unternehmen ihre Erfahrungen mit Kunden oder anderen Unternehmen untereinander austauschen, hilft das allen. Zahlungsfähige Unternehmen haben Vorteile und bekommen optimierte Einkaufs- und Zahlungskonditionen. Verbraucher profitieren von Ratenzahlung oder Krediten. So erklärt sich auch der Name Schufa: Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung.

Eine Grundidee, die Verbraucher- und Datenschützer nicht prinzipiell kritisieren. Problematisch finden sie die Intransparenz. Denn alle Auskunfteien verarbeiten ihre Informationen wie Firmenhistorie, Verflechtungen mit anderen Unternehmen, mögliche frühere Insolvenzen oder Inkassoverfahren zu sogenannten Scores. Mit diesen Prozentwerten wird dann die Erfüllungswahrscheinlichkeit von Verbindlichkeiten dargestellt.

Niemand weiß, wie der Score zustande kommt

Aber: Niemand weiß genau, wie dieser Score zustande kommt. Um die den Score bestimmenden Formeln nicht offenlegen zu müssen, berufen sich die Auskunfteien auf das Geschäftsgeheimnis – und dürfen dies auch, wie 2014 ein Urteil des Bundesgerichtshofs der Schufa bestätigte. Da das Unternehmen nicht selbst entscheidet, sondern nur Daten weitergibt, so die Begründung der Richter, ist sie nicht von Artikel 22 Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) betroffen.

Zudem beobachten Verbraucherschützer und Juristen, dass viele Auskunfteien derzeit ihre Datenlage massiv ausbauen, wie Andreas Schröteler, Geschäftsführer von Avocado, dies formuliert. Die auf Onlinevermittlung und -beratung spezialisierte Rechtsplattform wendet sich dem Thema gerade stärker zu. Denn vollkommen "gläserne Unternehmen, wären aus rechtlicher und unternehmerischer Sicht extrem kritisch zu bewerten", so Schröteler.

Dennoch, darin sind sich alle Experten einig, Skepsis gegenüber den Datenjongleuren bedeutet nicht, sich ihnen grundsätzlich zu verweigern. Stattdessen gilt es, das System konstruktiv zu nutzen. Für größere Geschäfte und bei neuen Kunden, rät Betriebsberater Maier daher ausdrücklich, die Informationen der Auskunfteien abzufragen.
Gleichzeitig sollte man die eigenen Daten nicht aus dem Auge verlieren. Dies bedeutet, diese regelmäßig bei den relevanten Auskunfteien, für Maier sind dies vor allem Schufa und Creditreform, abzufragen – und bei falschen Informationen auf Korrektur zu bestehen.

Wichtig: Sich selbst ins rechte Licht setzen

Zum anderen heißt es, selbst zur positiven Datensammlung beizutragen. Gerade kleine Betriebe, so Maiers Erfahrung, neigen dazu, die unregelmäßig per Post oder Telefon eingehenden Anfragen der Datensammler einfach zu ignorieren – statt die Gelegenheit zu nutzen, sich ins rechte Licht zu setzen.

Werden jedoch keine Daten gemeldet, können die Auskunfteien auch keine positiven Einschätzungen weitergeben. Im Zweifel orientieren sie sich dann an Mittelwerten. Manche Experten vermuten, dass nicht vorhandene Infos zu Negativwertungen führen. "Sofern es die finanziellen Verhältnisse zulassen", so Maiers Rat, "empfehlen wir den Unternehmen daher immer, ihre Daten an die Auskunfteien weiterzugeben."

Die Schufa Holding AG und ihr Scoring

Die Schufa ist die größte privatwirtschaftliche Wirtschaftsauskunftei in Deutschland. Das Unternehmen hat über 900 Mitarbeiter und erwirtschaftet ­einen Jahresumsatz von über 212 Millionen Euro (Stand 2019). Laut eigenen Angaben verarbeitet sie pro Jahr 169 Millionen Anfragen und Meldungen. Ihren rund 10.000 Vertragspartnern, neben Banken u.a. auch (Online-)Händler, Energieversorger oder Telekommunikationsunternehmen, stellt die Schufa branchenspezifische oder individuelle Scores zur Verfügung, die tagesaktuell errechnet werden. Unabhängig davon gibt es für jeden Verbraucher den sogenannten Schufa-Basisscore, eine branchenübergreifende Einschätzung der Bonität eines Verbrauchers, den viele Betroffene aber nicht richtig einschätzen können. Wirklich hilfreich, ist der Wert nur, wenn er über 97,5 liegt.
Aufgeschlüsselt bedeuten die Prozentzahlen:
> 97,5 % sehr geringes Risiko
95 % – 97,5 % geringes bis überschaubares Risiko
90 % – 95 % zufriedenstellendes bis erhöhtes Risiko
80 % – 90 % deutlich erhöhtes bis hohes Risiko
50 % – 80 % sehr hohes Risiko
< 50 % sehr kritisches Risiko

So sorgen Sie für gute Scorewerte

  • Behalten Sie Ihre Daten im Auge: Stellen Sie sicher, dass immer alles korrekt ist. Verlangen Sie bei falschen Angaben sofortige Korrektur. Werden Ihnen Überprüfungsmöglichkeiten angeboten, nutzen Sie diese.
  • Zahlen Sie immer pünktlich: Das gilt nicht nur für Kredite, sondern auch für Waren und Dienstleistungen.
  • Vorsicht beim Kontokorrentkredit: Die eingeräumte Höhe hat keinen ­Einfluss. Wird diese aber überzogen und das Konto gekündigt, wirkt sich dies negativ aus.
  • Suchen Sie bei Problemen das Gespräch: Falls der Fall doch einmal eintritt und Sie nicht pünktlich zahlen können, treten Sie aktiv an den Gläubiger ­heran. Oft lassen sich so Negativeinträge vermeiden.
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