Branche -

Ausblick und Forderungen an die Politik Ausblick 2020: Lange Wartezeiten im Handwerk bleiben vorerst

Auch 2020 werden Kunden wieder viele Wochen auf Handwerker warten müssen, prognostiziert ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer. Von der Rückkehr zur Meisterpflicht verspricht er sich mittelfristig jedoch mehr Kapazitäten – und damit auch sinkende Preise für Verbraucher.

Kunden können vorerst nicht damit rechnen, dass Handwerker Aufträge bald schneller erfüllen. "Leider kann ich bei den Wartezeiten auf einen Handwerker noch keine Entwarnung geben, die werden mittelfristig erst einmal nicht geringer", sagte Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) der Deutschen Presse-Agentur (dpa). "Es kommen nicht genügend Handwerker nach." Allerdings würden die Preise aufgrund der Rückkehr zur Meisterpflicht in vielen Berufen sinken.

Diese wurde nach dem Wegfall vor 15 Jahren zum 1. Januar 2020 für zwölf Gewerke wieder eingeführt – darunter sind Fliesen- und Parkettleger, Rollladentechniker und Raumausstatter. Der Vorsitzende der Monopolkommission, Achim Wambach, hatte kritisiert, die Änderungen seien ein Schritt zurück. "Aus Sicht der Verbraucher wird der Zugang zu Handwerksleistungen mit der Wiedereinführung der Meisterpflicht schwieriger. Die Wartezeiten und die Preise können steigen."

Wollseifer: "Es wird nicht teurer, sondern günstiger"

Dagegen sagte Wollseifer: "Durch die Wiedervermeisterung werden die Produktionskapazitäten nicht weniger, denn es gibt einen Bestandsschutz für Betriebe, die bereits ohne Meisterbrief auf dem Markt sind. Wir haben aber festgestellt, dass diese Betriebe weniger ausbilden. Wenn aber wesentlich weniger ausgebildet wird, dann führt dies zu Fachkräftemangel."

Qualifiziert ausbilden könne im Handwerk nur der Meister, sagte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks. "Wenn wir nun wieder mehr Meister haben und wieder mehr ausgebildet wird, schaffen wir auch mehr Kapazitäten. Und wenn es mehr Kapazitäten am Markt gibt, dann wird es nicht teurer, sondern günstiger."

Kunden warten durchschnittlich neun Wochen auf Handwerker

Bis aber Handwerker zu Kunden kommen, kann es dauern. Dem aktuellen Konjunkturbericht des Handwerks zufolge dauert es im Gesamthandwerk inzwischen im Durchschnitt 9,1 Wochen, bis ein Auftrag erfüllt wird. In den Bau- und Ausbauhandwerken müssen Kunden sogar 13,4 beziehungsweise fast 10,6 Wochen warten.

"Schon seit Jahren bleiben jedes Jahr zwischen 16.000 und 20.000 Ausbildungsplätze unbesetzt", sagte Wollseifer. "Das müssen wir ändern, denn nur wenn junge Menschen beruflich ausgebildet werden, stehen sie später als qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung. Aktuell fehlen uns im Handwerk um die 250.000 Fachkräfte." Das Handwerk bemühe sich durch eine Imagekampagne, durch vielfältige Aktivitäten der Handwerksorganisation sowie neue Bildungsangebote, dass es langfristig besser werde. Wollseifer setzt zudem auf die Zuwanderung ausländischer Fachkräfte nach Deutschland, wie er bereits deutlich gemacht hatte.

Ausbildung und Studium finanziell gleichwertig fördern

Er sagte weiter. "Wir müssen davon abkommen, dass rund 60 Prozent unserer Jugendlichen sich für Abi und Studium entscheiden und mehr als 100.000 jedes Jahr ihr Studium abbrechen. Wir brauchen eine Bildungsumkehr und die müssen wir entschlossen in Angriff nehmen." Die berufliche Bildung müsse nicht nur in Sonntagsreden gleichwertig sein, sondern dies müsse sich auch in einer gleichwertigen finanziellen Förderung in der Praxis widerspiegeln.

"Wir müssen jungen Menschen auf den Weg geben, dass mit einer beruflichen Ausbildung Karriereperspektiven verbunden sind. Wir müssen Eltern, Lehrern und den Schulabgängern deutlicher machen, dass es in der beruflichen Bildung gleichwertige Entwicklungsperspektiven gibt wie mit einem Studium", sagte Wollseifer. Im Handwerk warteten ein sicherer Arbeitsplatz, ein guter Verdienst und die Perspektive, schon früh einen eigenen Betrieb zu führen.

Wollseifer fordert Erleichterungen bei Sozialabgaben für Azubis

Der Handwerkspräsident forderte zudem, für Azubis sollten während ihrer Ausbildung bei den Sozialabgaben die gleichen Regelungen wie bei Studenten gelten. "Warum etwa sind die Regelungen für Auszubildende bei der Kranken-, Pflege- und auch Unfallversicherung nicht genauso wie bei Studenten?" Studierende dürften bis zum 25. Lebensjahr auf dem Ticket ihrer Eltern kranken- und pflegeversichert sein. "Warum steht das Auszubildenden eigentlich nicht zu? Warum müssen sie gemeinsam mit dem Arbeitgeber Beiträge abführen?" Ähnlich sei dies bei der Unfallversicherung.

Für Studenten würden die Kosten von den Ländern getragen – also aus Steuermitteln. "Die von uns vorgeschlagenen Entlastungen kämen treffgenau den Betrieben zugute, die auch tatsächlich ausbilden. Es bedürfte keines komplexen Umlagesystems. Eine solche Entlastung könnte eine "wertschätzende Signalwirkung" haben. dpa

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten