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Hohe Kosten, aber auch Einnahmen Ausbildungskosten: Investition gegen Fachkräftemangel

Das Handwerk hat seine Ausbildungsleistung 2017 im Vergleich zum Vorjahr um fast drei Prozent angehoben. Dabei ist Ausbildung heute teurer und aufwändiger als früher. Wieviel die Betriebe investieren und warum sich das lohnt.

Ausbildung ist schwieriger geworden – und teurer. "Es ist mehr Aufwand als früher. Die jungen Leute sind nicht weniger intelligent, sie haben genauso Potenzial wie früher. Aber ihnen ist ihr Privatleben wichtiger“, beobachtet Mirko Tippmann. Der Unternehmer leitet die Niederlassung Dresden der Heinrich Schmid GmbH, des größten Malerbetriebs in Deutschland. 41 Mitarbeiter führt Tippmann in Dresden, davon elf Azubis. Bundesweit hat die Gruppe über 5.100 Mitarbeiter, die 800 Azubis mitgezählt.

Tippmann hält starkes Ausbildungsengagement für wichtig: "Das ist die Zukunft unseres Unternehmens. Ohne Ausbildung geht es nicht.“ Pro Azubi und Jahr investiert er im Schnitt 25.000 Euro. "Ich kalkuliere nicht nur Vergütung und Lohnnebenkosten hinein, sondern auch Schulungsmaterial, Lehrgänge, Fehlzeiten im Betrieb während der Berufsschulblöcke, Übernachtungskosten für die Berufsschulzeiten und natürlich auch die Kosten für die Arbeitszeit der Ausbilder und Prüfungsgebühren.“

Schulungen und Perspektiven motivieren

Als Teil der Heinrich-Schmid-Gruppe greift Tippmann auf Ausbildungsstrukturen zurück, von denen Kleinstbetriebe nur träumen können: interne Schulungsprogramme, Grundlagenschulungen für Neulinge oder simulierte Gesellenprüfungen helfen den Nachwuchskräften, sich schnell einzugewöhnen und erfolgreich abzuschließen. Im Anschluss haben sie gute Entwicklungsperspektiven, so wie Tippmann selbst, der nach abgebrochenem Lehramtsstudium 1996 bei Heinrich Schmid den Maler- und Lackiererberuf lernte und parallel an der unternehmenseigenen Berufsakademie studierte.

Klein- und Kleinstbetriebe haben es da schwerer. Ihre finanziellen und personellen Ressourcen sind gering. Trotzdem lohnt sich Ausbildung auch für sie, sagt Andreas Brzezinski, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden: "Für die Mehrzahl der Handwerksbetriebe ist Ausbildung die wesentlichste Form, um ihren Nachwuchs zu sichern.“ Wer nicht ausbildet, aber einen Mitarbeiter oder gar Nachfolger braucht, findet auf dem freien Arbeitsmarkt nur mit hohem Aufwand Kräfte. Zudem stärkt Ausbildung das positive Image der Betriebe vor Ort.

Ausbilden als Kleinunternehmer

Wer als Kleinunternehmer seine Möglichkeiten bei der Ausbildung erweitern möchte, kann auf Verbundausbildungen zurückgreifen. Hier arrangiert er sich entweder mit einem Bildungsdienstleister oder anderen Unternehmen, um gemeinsam alle notwendigen Ausbildungsinhalte abzudecken. Manche Bundesländer, so zum Beispiel Sachsen und Baden-Württemberg, fördern Verbundausbildungen. Die jeweils zuständige Handwerkskammer kann bei der Ausarbeitung unterstützen.

Dass solche Zusammenschlüsse sich lohnen, zeigt eine aktuelle Befragung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) unter Berufsbildungsfachleuten aus Wissenschaft, Politik und Praxis. Aus deren Sicht können kooperative Ausbildungsformen, in denen die Partner ihre Ressourcen und Kompetenzen bündeln, dazu beitragen, dass sich kleine und mittlere Betriebe weiterhin in der Ausbildung engagieren. Außerdem steige damit die Chance, dass die Ausbildungsangebote bei Jugendlichen (wieder) an Attraktivität gewinnen. Mehr Informationen dazu hier.

Wer bisher noch nicht ausbildet, kann von der geplanten Jobstarter plus-Initiative profitieren. Unter dem Titel "Qualifizierung zukünftiger Ausbilderinnen und Ausbilder in Klein- und Kleinstunternehmen" will der Staat bis zu 6.000 Teilnehmer aus kleinen Unternehmen fördern. Derzeit läuft das Vergabeverfahren. Mit den BIBB-Seminaren werden die zukünftigen Ausbilder auf die Prüfung im Rahmen der Ausbildereignungsverordnung (AEVO) vorbereitet und erhalten Unterstützungsleistungen für die anschließende Einrichtung und Besetzung von Ausbildungsplätzen in ihren Betrieben. Informationen gibt es hier.

Hinweise zu weiteren finanziellen und organisatorischen Hilfen bekommen Ausbilder unter www.jobstarter.de sowie unter www.foerderdatenbank.de. In kritischen Phasen der Ausbildung bieten die Arbeitsagenturen vor Ort Hilfe. Einen Überblick über deren Fördermöglichkeiten gibt es hier.

Übernahmevertrag bei Freisprechungsfeier längst in der Tasche

Dass die Betriebe dies erkannt haben, liest Brzezinski an den Zahlen ab: Im Kammerbereich Dresden haben heute rund 75 Prozent der jungen Leute bei ihrer Freisprechungsfeier einen Übernahmevertrag. Vor zehn Jahren waren es nur 30 bis 40 Prozent.

Die Übernahme und der weitere Verbleib der Auszubildenden ist ein Knackpunkt in der Rechnung. Wer in Ausbildung investiert, tut dies meist, um den eigenen Fachkräftebedarf zu decken. Tatsächlich verlässt aber nach den Forschungen des Volkswirtschaftlichen Instituts für Mittelstand und Handwerk an der Universität Göttingen rund ein Drittel der Auszubildenden das Handwerk direkt nach der Ausbildung. Im Verlauf der folgenden Jahre, im produktivsten Alter bis 45 Jahren gehen noch einmal so viele.

Mirko Tippman bemüht sich, jeden ausgelernten Azubi zu übernehmen und dauerhaft zu halten. Heute könne sich niemand mehr leisten, Mitarbeiter zu verlieren. Er setzt deswegen auf Motivation: durch sichere Arbeitsplätze, Entwicklungsperspektiven und einen Lohn, der bei höherer Leistung auch steigt. "Wir müssen uns den veränderten Bedingungen anpassen. Jeder, der geht, ist einer zu viel.“

Kosten der Ausbildung

Wie viel sich Betriebe die Ausbildung kosten lassen, hängt vom einzelnen Unternehmen und dem Gewerk ab. Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hat zuletzt 2012/13 die Kosten erhoben, derzeit werden die Zahlen aktualisiert. Den ausführlichen DHZ-Artikel mit Überblickstabelle dazu lesen Sie hier.

Damals investierten Ausbilder im Schnitt 17.933 Euro brutto pro Auszubildenden. Dabei hatten Friseure die geringsten Bruttokosten mit 10.533 Euro. Die teuerste Handwerksausbildung war die der Mechatroniker mit 26.339 brutto.

Allerdings, so rechnet das BIBB, sagen die Bruttokosten wenig über die tatsächlichen Ausgaben. Im Schnitt lagen diese bei 5.398 Euro pro Azubi, weil die Betriebe durch die jungen Leute auch Einnahmen erwirtschafteten. Friseure kamen so auf Nettokosten von 2.800 Euro, Mechatroniker auf 17.274 Euro. Besonders günstig aus betriebswirtschaftlicher Sicht war die Ausbildung für Bäcker: Sie verdienten schon während der Ausbildung an den Azubis: Ihre Nettokosten lagen bei minus 3.246 Euro.

Zumindest für die tariflichen Ausbildungsvergütungen gibt es aktuelle Zahlen. In der BIBB-Datenbank Ausbildungsvergütungen lassen sich die durchschnittlichen Vergütungen für nahezu alle quantitativ bedeutenden Ausbildungsberufe ablesen. Immer zum 1. Oktober aktualsiert das BIBB die Zahlen.

Einbezogen in die Datenbank sind derzeit 181 Ausbildungsberufe in den alten und 152 Berufe in den neuen Ländern. 90 Prozent der Auszubildenden in den alten und 80 Prozent der Auszubildenden in den neuen Ländern werden gegenwärtig in den erfassten Berufen ausgebildet. Näheres dazu hier.


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