Während der Ausbildung -

Probleme mit dem Lehrling Ausbildungsabbruch vermeiden: Die 7 wichtigsten Tipps

Immer noch brechen viele Auszubildende ihre Lehre ab – in Zeiten des Lehrlingsmangels ein echtes Problem für Betriebe. Doch meist ließen sich die Anzeichen dafür schon früh erkennen – und der Abbruch damit verhindern. Die sieben wichtigsten Tipps.

Fast ein Viertel der Ausbildungsverträge werden Jahr für Jahr wieder gelöst. Teils weil die Ausbildung nicht das Richtige für die Jugendlichen war. Fast die Hälfte der Ausbildungsabbrecher gab bei einer Umfrage des Bundesinstituts für Berufsbildung 2011 aber auch Probleme mit den Ausbildern und Kollegen als Grund an. Meistens ließe sich das vermeiden, sagt Ausbildungsberaterin Ingrid Dünzl von der Handwerkskammer Stuttgart.

"Pauschal kann man nicht sagen, woran Ausbildungen scheitern. Es spielen immer viele Faktoren eine Rolle", erläutert Dünzl, die das vom Ministerium für Finanzen und Wirtschaft geförderte Projekt "Ausbildungsabbruch vermeiden – Ausbildung begleiten" bei der HWK Stuttgart betreut. Meistens sei die Hauptquelle für Streitigkeiten jedoch die fehlende Kommunikation.

1. Zeit nehmen zum Erklären

Die Neugier der Auszubildenden wird dabei oftmals zum Problem, denn gerade in kleinen Betrieben haben Chefs nur wenig Zeit, alle Fragen ausführlich zu beantworten. Der Auszubildende fühlt sich dann nicht richtig verstanden und nicht gut betreut, der Chef ist genervt davon, dass der Lehrling seine Anweisungen hinterfragt. "Ich sehe das als Generationenkonflikt, denn die jungen Leute hinterfragen heute alles", sagt Dünzl. Als die Ausbilder selbst ihre Lehre gemacht haben, sei die Beziehung zwischen Chef und Azubis noch sehr viel mehr von Hierarchie geprägt gewesen.

2. Klare Regeln aufstellen

Wenn Regeln nicht klar kommuniziert werden, ist das oft eine zweite Ursache für Probleme. Für den Chef ist es beispielsweise selbstverständlich, dass seine Mitarbeiter in der Früh gleich anrufen, wenn sie krank sind und nach drei Tagen eine Krankmeldung schicken. Dem Azubi, der gerade aus der Schule kommt, ist das jedoch oft nicht klar. Die Ausbilder werden sauer und die Lehrlinge verstehen nicht warum. "Spricht man nicht darüber, staut sich er Ärger auf, bis er irgendwann explodiert", sagt die Beraterin. Von Anfang an sollte daher klar sein, was der Chef von seinem Azubi erwartet.

3. Anzeichen für Probleme erkennen

Hinweise dafür, dass der Azubi kurz davor ist hinzuschmeißen, geben sein Verhalten. Ist er oft krank oder fehlt unentschuldigt, wirkt desinteressiert oder befolgt Anweisungen nicht, ist das ein Zeichen dafür, dass etwas nicht in Ordnung ist. Spätestens dann sollten Ausbilder den Problemen auf den Grund gehen.

4. Regelmäßige Gespräche

Doch dem lässt sich Vorbeugen, etwa durch regelmäßige Gespräche zwischen Lehrling und Chef. "Schon zehn Minuten pro Woche reichen dafür meist schon aus", sagt Dünzl. In solchen Unterhaltungen könnten die Ausbilder fragen, was es Neues gibt, wie die Woche war und wo es Probleme gibt. "Der Azubi fühlt sich dann wichtig genommen." Oft seien es auch nur Kleinigkeiten, die zu einem besseren Arbeitsklima beitragen würden. Etwa, dass auch Azubis Betriebskleidung bekämen.

5. Azubis ins Team integrieren

Zudem sollten Chefs ihre Azubis ins Team einbinden. "Azubis wollen sich zugehörig fühlen", sagt Dünzl. Dann bringen sie auch eigene Ideen ein und der Betrieb profitiert davon. Davor sollten Chefs übrigens keine Angst haben, denn Lehrlinge seien nicht mehr unterwürfig und das könne man auch nicht von ihnen erwarten. "Chefs können auch durchaus Verbesserungsvorschläge von ihren Lehrlingen annehmen."

6. Ausbildungsmappe erstellen

Damit es gar nicht erst zu Problemen kommt, sei es sinnvoll eine Ausbildungsmappe zu erstellen, in der die Betriebsregeln festgehalten sind. So ist von Anfang an klar, welches Verhalten der Chef von seinem Lehrling erwartet. "Diese Mappe sollten Betriebsinhaber gemeinsam mit ihren Azubis erstellen und ständig weiterentwickeln", rät Dünzl.

7. Mediator in Handwerkskammer kontaktieren

Wenn die Beziehung schon angeknackst ist, hilft nur noch, sich mit einer neutralen Personen für eine Aussprache zusammenzusetzen. Damit das Klima wieder besser wird, müssen die "Rettungsvorschläge" aber von den Streitparteien selbst kommen. Denn meist sind beide Seiten Schuld daran, dass es Probleme gibt.

Nur wenn Lehrling und Chef gar nicht mehr miteinander sprechen können, sollte man über eine Auflösung des Ausbildungsvertrages nachdenken. "Das ließe sich jedoch in den meisten Fällen vermeiden, wenn sie rechtzeitig die Mediation der Ausbildungsberater annehmen würden."

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