Während der Ausbildung -

Probleme mit der Ausbildung Ausbildung wechseln: Das ist zu tun

Falsche Berufswahl, kaum fachlicher Anspruch, gemeine Kollegen: Es gibt viele Gründe, warum junge Menschen ihre Ausbildung wechseln oder sogar abbrechen möchten. Aber wie sollte man vorgehen, wenn der Entschluss feststeht? Welche Schritte Azubis im Idealfall durchlaufen und was beim Ausbildungswechsel noch zu beachten ist.

„Hätte ich doch lieber eine Lehre zum KFZ-Mechatroniker gemacht!“ – Nicht wenige junge Menschen kennen das Gefühl, sich für die falsche Ausbildung entschieden zu haben. Viele von ihnen merken erst während ihrer Lehrzeit, dass ihnen der gewählte Beruf nicht liegt.

Andere wiederum sind mit ihrer Jobauswahl zufrieden, haben aber Probleme im Ausbildungsbetrieb – zum Beispiel, weil die fachliche Qualität nicht stimmt, sich unbezahlte Überstunden anhäufen, der Chef unausstehlich ist oder sie mit dem Betriebsklima nicht klarkommen. In all diesen Fällen kann ein Ausbildungswechsel und als letzte Maßnahme sogar ein Ausbildungsabbruch in Frage kommen.

Jede vierte Ausbildung wird vorzeitig beendet

Der Wechsel beziehungsweise Abbruch der Ausbildung ist nicht selten: Laut des Berufsbildungsberichts 2018 des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) wurden im Jahr 2016 25,8 Prozent der Ausbildungsverträge vorzeitig gelöst. Das entspricht einer Zahl von 146.376 Verträgen beziehungsweise jedes vierte Ausbildungsverhältnis. Oft geht damit jedoch ein Wechsel des Betriebs oder des Berufs einher.

So zeigt auch der Ausbildungsreport 2018 des Jugendverbands DGB-Jugend, in dem 14,5 Prozent der Befragten angaben, bereits eine Ausbildung abgebrochen zu haben: 80,8 Prozent von ihnen wechselten in einen neuen Ausbildungsberuf. 19,2 Prozent setzen den gleichen Job in einem anderen Betrieb fort. Laut Bericht des BMBF lösten 2016 im Handwerk am häufigsten die Gebäudereiniger (49,7 Prozent), Friseure (49,6 Prozent) und Gerüstbauer (47,9 Prozent) ihr Ausbildungsverhältnis auf.

Wie wechsle ich meine Ausbildung? Diese 6 Schritte sollten durchlaufen werden

Wie Azubis im Optimalfall vorgehen, wenn sie mit dem Gedanken spielen, ihren Ausbildungsplatz zu wechseln oder abzubrechen, erklärt Katrin Budick. Sie ist Ausbildungsberaterin für die Landkreise Landsberg am Lech, Weilheim und Garmisch-Partenkirchen bei der Handwerkskammer für München und Oberbayern.

1. Sich sorgfältig Gedanken machen

Die Entscheidung, die Ausbildung zu wechseln, sollte nicht leichtfertig geschlossen werden. „Zunächst sollte der Lehrling noch einmal sorgfältig prüfen, welche Gründe für und welche Gründe gegen einen neuen Ausbildungsplatz sprechen“, sagt Budick. Dabei kann es oft schon helfen – wie im nächsten Punkt erläutert – ein klärendes Gespräch zu führen und die angesprochenen Probleme gemeinsam zu beseitigen. Wann und ob ein Ausbildungsabbruch die richtige Wahl ist, kann die Ausbildungsberaterin nicht pauschal beantworten: „Grundsätzlich kann ein Abbruch die letzte Option sein, wenn klar ist, dass der Beruf zum Beispiel aufgrund einer Allergie oder anderweitiger Gründe komplett aufgegeben werden muss.“

2. Gemeinsam an der Situation arbeiten

„Es sollte immer dann gehandelt werden, wenn es länger andauernde Probleme unmöglich machen, die Ausbildung zu einem positiven Abschluss zu führen, obwohl beide Vertragsparteien intensiv an einer Verbesserung der Situation gearbeitet haben“, betont Budick. Es sollte stets abgewogen werden, ob das Ausbildungsverhältnis nicht doch durch die Hilfe von beispielsweise Ausbildungsberatern der Handwerkskammern oder Lehrlingswarten erfolgreich beendet werden kann.

3. Eine neue Lehrstelle suchen

„Wenn der Auszubildende nach reiflicher Überlegung zu dem Entschluss gelangt ist, dass eine Fortsetzung der Ausbildung im Betrieb unmöglich ist, sollte er sich auf die Suche nach einer neuen Lehrstelle machen“, rät Budick. Wer im Handwerk bleiben will und Hilfe bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz braucht, könne die Ausbildungsberatung der Handwerkskammern oder die Innungen zur Rate ziehen, sich auf Ausbildungsmessen umschauen oder beispielsweise die mobile App der deutschen Handwerkskammern für Ausbildungsstellen, Lehrstellenradar 2.0, nutzen. Ebenso lohne es sich, in der Nachbarschaft bzw. Umgebung nach geeigneten Handwerksbetrieben zu suchen. „Im Rahmen der Kontaktaufnahme mit dem neuen Betrieb ist Ehrlichkeit wichtig. Das heißt, der Lehrling sollte offen darlegen, warum er die Ausbildungsstelle wechseln möchte“, sagt Budick.

Doch was passiert, wenn sich trotz all der Mühe kein Ausbildungsplatz findet, der Azubi seine alte Stelle jedoch bereits gekündigt hat? „Hier gilt, sich auf jeden Fall schnellstmöglich mit der Agentur für Arbeit in Verbindung zu setzen“, so Budick.

4. Eine neue Ausbildung gefunden: Was nun?

Sind sich der neue Betrieb und der Lehrling einig, dass es zu einem Ausbildungsverhältnis kommen soll – und sind dabei wichtige Details geklärt, etwa der Zeitpunkt des Ausbildungsbeginns und wie viel der Vorausbildungszeit anerkannt werden soll, – sollte der Lehrling mit seinem derzeitigen Ausbildungsbetrieb sprechen und die Situation erklären. Danach entscheidet sich, ob der Azubi kündigen muss oder ein Aufhebungsvertrag geschlossen wird.

5. Kündigung oder Aufhebungsvertrag?

Bei einer Kündigung gibt es verschiedene Fristen zu beachten. Während der Probezeit kann die Ausbildung laut § 22 Berufsbildungsgesetz (BBig) ohne Einhalten der Kündigungsfrist beendet werden. Nach Ablauf dieser kann das Berufsausbildungsverhältnis dem Gesetz nach nur gekündigt werden, wenn ein wichtiger Grund besteht. Die vierwöchige Kündigungsfrist muss dem BBig zufolge jedoch eingehalten werden, wenn man die Ausbildung aufgeben oder sich für eine andere Berufstätigkeit ausbilden lassen will. Die Kündigung muss immer schriftlich erfolgen. Die Handwerkskammer für München und Oberbayern stellt ihren Mitgliedern dafür zum Beispiel Musterschreiben und Vorlagen zur Verfügung, die diese als Orientierung und Formulierungshilfen verwenden können.

„Bestenfalls stimmt der alte Betrieb einem Aufhebungsvertrag zu und der Lehrling kann seine Ausbildung nahtlos an anderer Stelle fortsetzen“, so Budick. Bei einem Ausbildungsvertragen entscheiden sich beide Parteien einvernehmlich dazu, dass Arbeitsverhältnis zu beenden. Dadurch können Fristen verkürzt werden. Wichtig: Auch ein Aufhebungsvertrag muss schriftlich geschlossen werden.

6. Welche Unterlagen sollte ich vom alten Betrieb einfordern?

Azubis haben laut § 16 BiGG einen Anspruch auf ein schriftliches Arbeitszeugnis. Auch für spätere Bewerbungen kann dies nützlich sein. Neben Art, Dauer und Ziel der Ausbildung, müssen die erworbenen beruflichen Fähigkeiten des Azubis darin festgehalten werden. Wenn es der Azubi verlangt, sind auch Angaben über sein Verhalten und seine Leistung aufzunehmen.

Hilfe beim Thema Ausbildungswechsel

Nicht immer läuft es genauso ab, wenn man sich für den Wechsel oder Abbruch der Ausbildung entscheidet. So kommt es laut Budick häufig vor, dass d er alte Betrieb keine Zustimmung zum Aufhebungsvertrag gibt oder die Suche nach einem neuen Ausbildungsplatz erfolglos ist.

Haben Azubis Schwierigkeiten oder möchten sich über das Thema Ausbildungswechsel und -abbruch informieren, können sie sich entsprechende Hilfe suchen. So stehen zum Beispiel die Ausbildungsberater der Handwerkskammern für weitere Fragen zur Verfügung. Wichtig: Azubis sollten die regionalen Zuständigkeiten beachten (siehe hier diejenigen für die Region München/Oberbayern). „Die Lehrlingswarte der jeweils zuständigen Innung können gegebenenfalls hilfreiche Ansprechpartner sein“, so die Ausbildungsexpertin.

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