Wiesbaden -

Integration Ausbildung von Flüchtlingen als Chance begreifen

Der Kfz-Meister Robert Haase aus Wiesbaden berichtet von guten Erfahrungen.

Bei uns zählt nicht, wo man herkommt. Sondern wo man hinwill.“ Dieser Spruch der Imagekampagne des deutschen Handwerks ist zwar schon einige Jahre alt, aber aktueller denn je. Wie hoch der Anteil des Handwerks an der Integration von Flüchtlingen ist, verdeutlichen die Zahlen der neu abgeschlossenen Ausbildungsverhältnisse mit Flüchtlingen.

Demnach verzeichneten die drei hessischen Handwerkskammern im vergangenen Ausbildungsjahr 10.390 neu abgeschlossene Lehrverträge. Darunter 971 neu eingetragene Lehrverträge mit jungen Menschen aus den aktuellen Hauptherkunftsländern der Flüchtlinge. Dazu kamen noch 340 Einstiegsqualifizierungsverträge. Diese Werte sind ein Beleg, dass die Wirtschafts- und Gesellschaftsgruppe Handwerk ein wichtiger Integrationsmotor ist. Auch aktuell zeichnet sich ein positiver Trend für das Ausbildungsjahr ab. Denn klar ist: Arbeit und Ausbildung sind der Schlüssel für eine erfolgreiche Integration.

Bereicherung für den Betrieb

Die Ausbildung von Flüchtlingen ist für den Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Wiesbaden-Rheingau-Taunus, Siegfried Huhle, und den stellvertretenden Obermeister der Kfz-Innung Wiesbaden-Rheingau-Taunus, Robert Haase, aber nicht nur eine gesellschaftliche Verantwortung. Beide sehen in der Ausbildung von Geflüchteten eine Chance, eigenen Nachwuchs heranzuziehen, und auch eine echte Bereicherung für den Betrieb.

„Natürlich“, sagt Kfz-Meister Robert Haase, „ist es wichtig, dass es zwischen Geflüchtetem und Betrieb passt.“ Es gehe auch darum, Menschen eine Chance zu geben, egal welcher Nationalität jemand angehört. Den 120 Wiesbadener Kfz-Innungsbetrieben fehlen aktuell rund 80 Lehrlinge. Haase, der auch Lehrlingswart seiner Innung ist, hat deshalb eine Umfrage unter seinen Betrieben gestartet, welche Erwartungen seine Kollegen an junge Menschen haben und woran es liegen könnte, dass der Nachwuchs ausbleibt.

Positive Erfahrungen mit Flüchtlingen

Auch Kreishandwerksmeister Huhle fragt sich, woran es liegt, dass immer mehr Schulabgänger sich unsicher fühlen, nicht wissen, was sie machen sollen und sich nicht für eine handwerkliche Ausbildung entscheiden. Seine Forderung an die Betriebe: „Macht euch attraktiv für die Mitarbeiter. Nicht die Digitalisierung ist das Problem, sondern der Stillstand in der betrieblichen Entwicklung.“

Haase macht aktuell durchweg positive Erfahrungen mit einem 23-jährigem Syrer. Majdy Aldahi ist seit drei Jahren in Deutschland und hatte in seinem Heimatland bereits eine Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker gemacht. Hilfreich war zudem, dass der junge Mann alle Papiere vorlegen konnte und eine sechsmonatige Einstiegsqualifizierung im Betrieb gemacht hatte.

„So konnte man sich gegenseitig prüfen“, meint Haase, der aber auch auf das Votum seiner übrigen Mitarbeiter Wert legte. Auch die Unterstützung des Bildungswerks der Hessischen Wirtschaft sei hilfreich gewesen, betont Haase, der auch dem HR zu seinem syrischem Lehrling Rede und Antwort stand. Zum 1. August 2018 hat Majdy Aldahi seine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker begonnen.

Auch Siegfried Huhle, gelernter Metallbauermeister, berichtet von guten Erfahrungen mit der Ausbildung von Flüchtlingen in seinem Betrieb. Aber klar sei, der Betriebsinhaber müsse dahinterstehen. In seinem Unternehmen würden Flüchtlinge in Ausbildung speziell unterstützt. Jede Woche gebe es einen halben Tag Deutschunterricht und einen halben Tag Fachunterricht. Die Berichtshefte, so Huhle, sind vorbildlich.

Link zur HR Mediathek: hessenschau.de/tv-sendung/hessenschau---ganze-sendung,video-69152.html, unternehmen-integrieren-fluechtlinge.de

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten