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Unterhaltspflicht von Eltern Ausbildung: Kein Geld für den Nachwuchs?

Wenn der Nachwuchs nicht direkt nach dem Schulabschluss eine Ausbildung beginnt, müssen Eltern trotzdem für den Unterhalt aufkommen. Zumindest dann, wenn die Kinder während dieser Zeit nicht auf der faulen Haut liegen. Das entschied der Bundesgerichtshof in einem Urteil. Zu lange sollten Jugendliche dennoch nicht damit warten, sich um ihre Berufsausbildung zu kümmern.

Eltern müssen ihre Kinder während der Ausbildung finanziell unterstützen, auch wenn sie nicht direkt nach dem Schulabschluss eine Lehre beginnen. So urteilten die Richter des Bundesgerichtshofs (BGH).

Eine Auszubildende hatte ihren Vater auf finanzielle Unterstützung verklagt. Die junge Frau hatte sich nach der Schule drei Jahre lang mit Gelegenheitsjobs durchgeschlagen. Vier Praktika machte sie in der Erwartung, so einen Ausbildungsplatz zu ergattern. Als ihre Bemühungen endlich fruchteten, wollte ihr Vater die Ausbildung jedoch nicht zahlen.

Praktika beweisen Motivation

Der BGH gab der Frau in letzter Instanz aber Recht und entschied, dass ein Vater seine Tochter nach einer Orientierungszeit von drei Jahren während der Ausbildung unterstützen muss (Az. XII ZR 220/12). Das Gericht hat den Vater nun dazu verpflichtet, den Ausbildungsunterhalt in Höhe von 218, 82 Euro rückwirkend bis September 2010 zu zahlen.

Die Richter begründeten ihre Entscheidung damit, dass Bewerber mit schwachem Schulabschlusszeugnis besonders darauf angewiesen seien, durch Praktika oder Aushilfstätigkeiten ihr Interesse an dem Beruf und ihre Motivation unter Beweis zu stellen. Zwar sei das Kind dazu verpflichtet seine Berufsausbildung zielstrebig zu beenden. Doch eine dreijährige Pause zwischen Schulabschluss und Ausbildungsbeginn, während der Praktika gemacht wurden, stehe dieser Verpflichtung nicht entgegen.

Mehr als fünf Jahre sind zu viel

Zu lange dürfen sich Kinder aber nicht Zeit lassen, erläutert Rechtsanwältin Eva Becker. "Irgendwann genießen Eltern Vertrauensschutz." Liegen zwischen dem Ende der Schule und dem Beginn der Lehre mehr als fünf Jahre, müssen die Eltern laut Becker nicht mehr unbedingt die Ausbildung unterstützen. Denn nach dieser langen Zeit müssten sie nicht mehr zwingend damit rechnen, dass solche finanziellen Belastungen auf sie zukommen.

Hat das Kind jahrelang auch nur wenig getan, was auf eine spätere Ausbildung hindeutet, müssen die Eltern dann nicht unbedingt einspringen. War der Nachwuchs nach dem Ende der Schule zum Beispiel längere Zeit auf Reisen im Ausland und hatte wenig Kontakt zu den Eltern, müssen diese nicht sofort für den Unterhalt aufkommen. dpa/dhz

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