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Handwerk will mehr Frauen in technische Berufe locken Ausbildung: Frauen mit Benzin im Blut

Eine Lehre als Kraftfahrzeugmechatroniker oder Elektroniker ist im Handwerk meist Männersache. Das soll sich jetzt ändern. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) ist jetzt dem Nationalen Pakt für Frauen in MINT-Berufen beigetreten.

Frauen für technische Berufe begeistern
Das Handwerk will mehr junge Frauen für die Berufsprofile des MINT-Bereichs begeistern: Bundesbildungsministerin Joahnna Wanka (v.li.), ZDH-Präsident Hans Peter Wollseifer, und Alicja Lundt in Berlin. -

Ein Leben ohne Autos ist für Alicja Lundt nicht recht vorstellbar. "Ich habe Benzin im Blut", sagt die 27 Jahre alte Berlinern. Sie fährt nicht nur gerne Autos, sie bastelt auch gerne an ihnen herum. Auch deshalb hat sie sich nach dem Abitur für eine Lehre als Kfz-Mechatronikerin entschieden. Viereinhalb Jahre später hatte sie sogar den Meister in der Tasche. "Man braucht ein dickes Fell und Durchhaltevermögen, dann ist es machbar", beschreibt sie ihr Erfolgsrezept.

Frauen wie Lundt würde ZDH-Präsident Hans-Peter Wollseifer gerne noch mehr im Handwerk sehen. "Wir brauchen noch mehr Frauen als gut ausgebildete Fachkräfte auch in den gewerblich-technischen Berufen", sagte er.

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks ist deshalb jetzt als 200. Partner dem Nationalen Pakt für Frauen in MINT-Berufen beigetreten. Der Pakt war 2008 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit dem Ziel gegründet worden, mehr Schülerinnen für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik zu begeistern und sie auf technisch-naturwissenschaftliche Studiengänge und  Berufe aufmerksam zu machen und sie dafür zu gewinnen.

Anteil der Frauen unter zehn Prozent

Solche Berufe mit entsprechenden Entwicklungsmöglichkeiten gibt es auch im Handwerk. "In manchen MINT-Lehrberufen fehlen schon heute die Fachkräfte von morgen", sagte Wollseifer etwa mit Blick auf unbesetzte Lehrstellen für Anlagenmechaniker für Sanitär, Heizung und Klima, im Elektrohandwerk und bei Kfz-Mechatronikern. Deshalb will das Handwerk verstärkt junge Frauen ansprechen. 

Ihr Anteil an der dualen Ausbildung hat sich im Handwerk in den vergangenen zehn Jahren zwar von rund zehn Prozent auf 22 Prozent erhöht. In den MINT-Gewerken liegt er aber immer noch bei nur bei 8,5 Prozent.

In anderen Wirtschaftszweigen sieht es nicht viel besser aus. Nur knapp zwölf Prozent aller MINT-Ausbildungsanfänger sind Frauen. "Es gibt immer noch viel zu wenige, die sich in diesen Bereich hineinwagen wollen", sagte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU). Bei den Studienanfängern ist man dagegen schon weiter. Hier liegt der Anteil der MINT-Studienanfängerinnen bei 26 Prozent.

Entwicklungsmöglichkeiten in MINT-Gewerken herausstellen

Wanka begrüßte das Engagement des Handwerks im Pakt. Neben Verbänden und Unternehmen sind bisher auch Gewerkschaften, Hochschulen, Länder oder auch Medien vertreten. Sie alle engagieren sich mit Maßnahmen, wie Frauen vom Kindesalter an in Workshops, Projekttagen oder Praktika für Mint-Fragestellungen begeistert werden.

Auch das Handwerk ist in diesen Bereich schon aktiv und wird sein bisheriges Engagement im Netzwerk darstellen. Außerdem sollen die Qualifizierungs- und Karrieremöglichkeiten in MINT-Gewerken dargestellt werden, wie Wollseifer sagte. Dazu zählten auch die verschiedenen dualen oder trialen Studiengänge im Handwerk.

Darüber hinaus könne die Handwerksorganisation die Konzepte  des Netzwerkes nutzen, sagte Ulrike Struwe, die Leiterin der Geschäftsstelle der Nationalen Paktes für Frauen in Mint-Berufen.  "Uns ist es wichtig aufzuzeigen, dass es viele Karrierewege in den MINT-Bereich gibt", fügte sie hinzu. Denn Frauen wie Lundt sollen – mit oder ohne Studium – keine kleine Minderheit mehr bleiben. Die Berlinerin hat ihre Entscheidung bis jetzt noch nicht bereut. "Ich bin froh, dass ich den Weg gegangen bin", sagt die Kfz-Meisterin. 

Weitere Informationen: komm-mach-mint.de, zdh.de und unter bmbf.de

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