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Corona-Pandemie Ausbilden trotz Salon-Schließung: Friseur-Präsident mit Appell

Bundesweit zwingt die Corona-Pandemie Friseurunternehmer ihre Salons zu schließen. Die Ausbildung von Lehrlingen könne dennoch weitergehen, bekräftigte jetzt Friseur-Präsident Harald Esser. Was dabei zu beachten ist.

Erst die Berufsschulen, seit dieser Woche auch die Ausbildungsstätten: Die behördlich angeordneten Schul- und Betriebsschließungen erschweren derzeit die Ausbildung im Friseurhandwerk. Ruhen muss sie deshalb jedoch nicht, wie Harald Esser, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks (ZV), nun klarstellte. Die Ausbildung könne unter Berücksichtigung der vorgegebenen Sicherheitsmaßnahmen weitergehen.

Wichtig hierbei: Die Hygieneregeln müssen eingehalten und zwischen Ausbilder und Auszubildenden muss ein Abstand von mindestens 1,5 Metern gewahrt werden. Dies schließt das Arbeiten an Modellen aus, genauso wie das gleichzeitige Arbeiten am Übungskopf. Des Weiteren ist der Gebrauch von Föhnen, Hauben und anderen Geräten, die die Raumluft beeinflussen, nicht erlaubt. Auch das Föhnen des Übungskopfes sollte unterlassen werden, außer das Training findet Zuhause statt.

Esser: "Nutzen wir die jetzige Zeit"

"Grundsätzlich ist die Schulung von Auszubildenden im Salon möglich", sagte Esser. Ob sich ein Auszubildender mittels eines vom Ausbilder ausgestellten Scheins im Falle einer Kontrolle absichern sollte, muss aktuell noch bei den Gesundheitsministerien der Länder geprüft werden.

Digitale Kommunikations-Tools, wie etwa Skype, können aber ohne viele technische Hilfsmittel und kostenlos dabei unterstützen, die Ausbildung auch ohne persönlichen Kontakt zu realisieren. "Hierzu können die Auszubildenden per Videokonferenz an Übungsköpfen angelernt werden", so Esser.

"Nutzen wir die jetzige Zeit, schaffen ein wenig Normalität und Alltag während der Corona-Epidemie und geben unser Know-how an den Nachwuchs weiter", appellierte der ZV-Präsident an seine Mitgliedsbetriebe.

Zwangspause kein Urlaub für Azubis

Durch die behördlichen Salonschließungen haben die meisten Auszubildenden derzeit weniger Praxiszeiten im Betrieb als vorgesehen. Nach aktuellem Stand entstehen den Lehrlingen dadurch jedoch keine Schwierigkeiten, etwa was die Zulassung zur Abschlussprüfung betrifft, bestätigte ZV-HauptgeschäftsführerJörg Müller der Deutschen Handwerks Zeitung.

Er wies zudem daraufhin, dass die derzeitige Zwangspause für Auszubildende keine Freizeit sei und weiterhin die volle Ausbildungsvergütung bezahlt würde. Wie sein Kollege ermunterte er die Ausbildungsbetriebe zur theoretischen Wissensvermittlung und Übungsaufgaben. Die jetzige Zeit nicht verstreichen zu lassen, sondern aktiv zu nutzen, sei sinnvoll und eine Wertschätzung den Auszubildenden gegenüber, so Müller.

Ausbildung nicht möglich: Außerordentlicher Kündigungsgrund könnte entstehen

Grundsätzlich gilt, dass solange der Ausbildungsvertrag besteht, auch die daraus resultierenden Pflichten zu erfüllen sind, informiert der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Nach § 14 Abs. 1 Nr. 1 BBiG hat der Ausbildende eine Ausbildungspflicht. Je nachdem, wie lange die derzeitige Krisensituation anhält, könne es allerdings dazu kommen, dass die Möglichkeiten zur Erfüllung von Vertragspflichten an Grenzen der Machbarkeit stoßen werden.

"Über längere Zeiträume wird man bei einem sehr kundenbezogenen Handwerk nicht lediglich 'Trockenübungen' machen können", so der ZDH. Wenn die Ausbildung über Wochen faktisch nicht mehr realisierbar ist, etwa weil zum Beispiel Friseurbetriebe über Wochen keine Dienstleistungen anbieten dürfen, könne dadurch ein außerordentlicher Kündigungsgrund für den Betrieb entstehen. Entscheidend seien jedoch immer die Umstände des Einzelfalls.

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