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GFF-Untersuchung Test the Best: Tremco Illbruck Aus nachwachsenden Rohstoffen: Eine Fensterabdichtung im Test

Handwerker müssen sich mit vielen verschiedenen Materialien auskennen – und ständig kommen neue Produkte dazu. Bei der Orientierung hilft kaum etwas besser als die Erfahrung von Kollegen. Im Testbericht diesmal: Die Bewertung einer neuen Fensterabdichtung. Ein Test des Fachmagazins GFF.

TP 680 Illmod 600 green
Fingerzeig: Preislich liegt TP 680 Illmod 600 green zehn Prozent unter TP600, das Sortiment ist beim konventionellen Band breiter. -

Die Initiative erfordert Mut von einem Unternehmen, von dessen Produkten natürlich in erster Linie bedingungslose Funktionalität erwartet wird. Schließlich spielt die Dichtigkeit in Zeiten von Blower-Door vielfach eine Hauptrolle. Tremco Illbruck, so sagt es Marketingleiterin Nicola Breilmann im Gespräch am Messestand, hat aber auch erkannt, dass andere Hersteller nachgezogen haben. Also lautete die Devise in Köln, wo die Bauchemiker ihre Deutschland-Zentrale haben, USP statt Me Too.

Und hier kommt der Mut ins Spiel – so hat sich der Anbieter entschieden, bei seinem in München vorgestellten Produkt TP680 Illmod 600 green auf Anteile von nachwachsenden Rohstoffen im Polymerimprägnat des Bands für die ­Fensterabdichtung zurückzugreifen.

Nachhaltigkeitsfaktor ist wichtig

TP 680 Illmod 600 green
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Da auch wir von der Branchenzeitschrift GFF uns ständig darüber Gedanken machen, wie wir unser Produkt verbessern können, war dies für uns der Startschuss zu einem "echten", also nicht geschönten, Produkttest. Klar, dass in Anbetracht des Mottos "Test the Best" hier ausschließlich Betriebe zum Zug kommen, die fachlich über jeden Zweifel erhaben sind; im Einzelnen: Fensterbau Werner Sieber, Stetten a.k.M., Fensterbau Düren Niepel, Düren-Hoven, Gregor Lauber ­Fensterbau, Überlingen a.R., Zöllner Fensterbau, Bernkastel-Kues. Die Bewertungen in den sechs Kategorien Verarbeitbarkeit, Marketingfaktor, Preis-Leistungs-Verhältnis, Nutzungseigenschaften, Nachhaltigkeitsfaktor, Materialverträglichkeit finden Sie bitte auf den Folgeseiten.

Dabei kann hier selbstredend nicht der Anspruch auf Wissenschaftlichkeit oder ein repräsentatives Resultat erhoben werden. Sehr wohl aber kam dabei ein neues, in diesem Fall: "grünes", Produkt in vier ausgewiesenen Fachbetrieben unter Baustellenbedingungen und nicht nur im Labor zum Einsatz. Dabei beleuchten wir die Kriterien, die für Sie als Fensterbauer entscheidend sind: Wie lässt sich das Band verarbeiten? Kann ich als Betrieb mit dem Einsatz nachwachsender Rohstoffe im Umgang mit einer zunehmend umweltbewussten Kundschaft punkten? Rentieren sich etwaige Mehrausgaben?

Baustelle statt Labor

Im Nachgang zum Test vermittelt Nicola Breilmann nochmals einen Eindruck davon, was es bedeutet, in der Entwicklung ausgetretene Pfade zu verlassen. "Eine Herausforderung", erinnert sie sich, "lag für uns natürlich darin, dass TP680 Illmod 600 green die geforderten Brandschutzeigenschaften für Produkte der B2-Klassifizierung erreichen musste." Grundsätzlich gilt natürlich für ein Fensterdichtband, dass es noch so "grün" sein kann, aber durchfallen wird, wenn die Anforderungen an Schlagregendichtigkeit, Verarbeitbarkeit etc. nicht erfüllt sind.

Unser Fazit: TP680 Illmod 600 green ist aufgrund seines Leistungsprofils, des Nachhaltigkeitsfaktors und des Preis-Leistungs-Verhältnisses ein sehr interessantes Produkt; und es wird nicht das letzte sein, das wir an dieser Stelle beleuchtet haben – Test the Best geht weiter.

Vier Handwerker bewerten

Lauber Fensterbau: "Umwelteigenschaften überzeugen"

Markus Lauber
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Der Fensterbaubetrieb Lauber, geleitet von den Brüdern Markus und Michael Lauber, testete das Fensterband Illbruck TP680 Illmod 600 green im Monat März zirka drei Wochen lang auf der Baustelle des Hotels Bora HotSpaResort in Radolfzell am Bodensee. Dort war der Familienbetrieb verantwortlich für den Einbau von 80 Holz/Alu-Fenstern im Dachgeschoss.

"Wir haben die ­Fenster von außen unter Druck an Balken montiert", erläutert Markus Lauber. Das Kleben des Bands von Holz auf Holz in der Farbe Grau habe problemlos funktioniert. Trotz eines etwas höheren Preises sagt Lauber: "Die sehr guten Umwelteigenschaften dieses Produkts haben uns überzeugt."

Das Zeugnis zum Produkt

  1. Verarbeitbarkeit: Das Handling gestaltete sich gut bzw. absolut problemlos.
  2. Marketingfaktor: Der Marketingfaktor ist hervorragend, da es nichts Vergleichbares gibt. Interessant ist das v.a. für Projekte, bei denen die Umweltverträglichkeit eine tragende Rolle spielt.
  3. Preis-Leistungs-Verhältnis: Im Vergleich zu herkömmlichen Bändern ist der Preis etwas erhöht. Allerdings erzielt das Band seinen Effekt durch die guten Umweltverkaufsargumente, die es liefert.
  4. Nutzungseigenschaften: So kurz nach dem Einbau waren keine Probleme feststellbar.
  5. Nachhaltigkeitsfaktor/Umwelteigenschaften: Diese sind sehr gut bis super. Gerade für die Projekte, bei denen der Nachhaltigkeitsgedanke und das Thema Umweltverträglichkeit im Vordergrund stehen, eignet sich das Fensterband Illbruck TP680 Illmod 600 green. Denn es ist weniger chemisch behandelt als andere Klebebänder und kann in Räumen eingesetzt werden, in denen sich Menschen mit Allergien aufhalten. In solchen Fällen ist der erhöhte Preis durchaus gerechtfertigt.
  6. Materialverträglichkeit: Das Band lässt sich problemlos zwischen zwei Hölzern verarbeiten, d.h., zwischen die Hölzer kleben. In der gewählten Farbe Grau sieht es optisch ansprechend aus und fällt nicht negativ auf.

Fensterbau Düren Niepel: "Wir brauchen ein nachhaltiges System"

Uwe Niepel
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Geschäftsführer Uwel Niepel von Fensterbau Düren testete das Fensterdichtband Illbruck TP680 Illmod 600 green mit seinen Mitarbeitern in der Praxis. Die Idee für nachhaltige und ökologische Fensterabdichtungs-Produkte findet Niepel grundsätzlich sinnvoll.

Allerdings plädiert er für ein aufeinander abgestimmtes Abdichtungssystem, bei dem alle Komponenten aus nachhaltigen Rohstoffen hergestellt sind. "Ich würde solche Produkte erst dann einsetzen, wenn der Markt ein komplettes System bietet, das ökologisch und nachhaltig ist", betont Niepel. Für die Umwelteigenschaften des getesteten Bands hätte er gerne eine detailliertere Erläuterung.


Das Zeugnis zum Produkt

  1. Verarbeitbarkeit: In der Verarbeitung haben wir keinen Unterschied erkannt. Die Klebekraft befindet sich auf dem Niveau des Illbruck-Illmod-Max-Bands.
  2. Marketingfaktor: Der ökologische Aspekt könnte in der Werbung eine wichtige Rolle spielen, wenn ein komplettes, umweltfreundliches System für die Abdichtung verfügbar ist.
  3. Preis-Leistungs-Verhältnis: Wenn das Band nicht mehr kostet als der Standard, ist es sehr attraktiv. Generell ist Tremco Illbruck immer etwas teurer, dafür aber auch ein innovatives Unternehmen. Das rechtfertigt den etwas höheren Preis.
  4. Nutzungseigenschaften: Es fehlt noch ein stärker komprimiertes Band, das wie Illbruck Illmod Max bis 24 Millimeter Fugenbreite als schlagregendicht zugelassen ist.
  5. Nachhaltigkeitsfaktor/Umwelteigenschaften: Inwiefern dieses Band nachhaltig und ökologisch ist, das ist für mich schwierig nachzuvollziehen. Die Auszeichnung "biogener Kohlenstoff nach ASTM D 6866:2008 = biobasiert 35 Prozent" bedarf der Erklärung. Als gewissenhafter Anbieter will ich meinen Kunden genau sagen können, warum wir mit den Produkten etwas Gutes für unsere Gesundheit und für die Umwelt tun.
  6. Materialverträglichkeit: Wir konnten bei der Materialverträglichkeit keinen Unterschied erkennen.

Fensterbau Werner Sieber: "Bei gleichem Preis stellen wir um"

Jürgen Sieber
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Glasermeister Jürgen Sieber und seine Mitarbeiter testeten das Dichtband im Altbau an insgesamt 40 Fenstern. "Wir testen immer wieder neue Sachen, die uns weiterbringen könnten, und haben Mitarbeiter, die mitziehen", erläutert Sieber seine Motivation. Bei der Verarbeitung stellte er keine Probleme fest und bescheinigt der grünen Version im Vergleich zum Standardband gleichwertige Leistungseigenschaften.

Das nachhaltige sowie ökologische Produkt eignet sich seiner Einschätzung nach gut für den Alltagseinsatz. "Wenn der Preis nicht oder nur geringfügig höher ist als beim Standard, stellen wir auf das TP 680 Illmod 600 green um", bestätigt Sieber.




Das Zeugnis zum Produkt

  1. Verarbeitbarkeit: Einige Mitarbeiter waren bewusst nicht über das neue Band informiert und merkten bei der Verarbeitung keinen Unterschied. Auch die eingeweihten Monteure verarbeiteten das Band ohne Probleme.
  2. Marketingfaktor: Potenzial für die Nachhaltigkeit/Ökologie ist da. Aber wir müssen sie verkaufen, weil die meisten Kunden dafür kein Bewusstsein haben und die Energieeffizienz dominiert.
  3. Preis-Leistungs-Verhältnis: Die Leistung war gut. Der Preis dürfte nur minimal höher sein als beim Standard, weil ein gutes reguläres Kompriband schon die Montage verteuert.
  4. Nutzungseigenschaften: Die Nutzungseigenschaften entsprechen dem Standardband von Tremco Illbruck mit hoher Luft- und Schlagregendichtigkeit.
  5. Nachhaltigkeitsfaktor/Umwelteigenschaften: Die 35 Prozent an biogenem Kohlenstoff im Band gehen in die richtige Richtung. Allerdings sind Bindemittel ja noch drin. Es fühlt sich als Fachbetrieb gut an, ein nachhaltigeres und umweltfreundlicheres Produkt zu verarbeiten, und das sollten wir auch den Kunden vermitteln. Das Band passt in die Zeit und greift ein wichtiges Zukunftsthema auf.
  6. Materialverträglichkeit: Wir haben keine hochreaktiven Eigenschaften festgestellt. Nach dem Testeindruck hat sich das Band problemlos mit unseren anderen Dichtstoffen vertragen.

Zöllner Fensterbau: "Das Band ist gut im Mauerwerksbereich"

Franz-Josef Jakoby
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Bei Fensterbau Zöllner mit Sitz in Bernkastel-Kues kümmert sich Testleiter Franz-Josef Jakoby verantwortlich um die Produktion des Holz/Alu-Spezialisten. Nach einem fehlgeschlagenen ersten Versuch hatte Tremco Illbruck eine neue Charge angeliefert, bei der die Ergebnisse weitaus besser waren. "Wir haben das Band an einem Holz/Aluminium-Fenster getestet, d.h., es wurde auf das Holz geklebt", berichtet Jakoby.

Beim zweiten Test zeigte sich das Band für Fugen von zehn bis 18 Millimeter seinen Angaben zufolge so flexibel wie nötig. Es klebt laut Jakoby im ersten Moment nicht so stark, was auch für etwaige Korrekturen von Vorteil sein kann.

Das Zeugnis zum Produkt

  1. Verarbeitbarkeit: Nach einem ersten, nicht befriedigenden Testlauf wurde eine zweite Testreihe mit dem Illbruck TP680 Illmod 600 green vorgenommen, das Band wurde für Fugen von sieben bis zwölf Millimeter und von zehn bis 18 Millimeter getestet. Das Band war im Vergleich zum ersten Test viel flexibler. Es klebt im ersten Moment nicht so stark, was zur evtl. Korrektur von Vorteil sein kann. Nach ein paar Minuten weist der Kleber eine sehr gute Klebekraft auf. Ansonsten ging das Band gut auf. Durch das breite Anwendungsspektrum ist das Band gut im Mauerwerksbereich einzusetzen, um Toleranzen auszugleichen.
  2. Marketingfaktor: Tremco Illbruck hat einen guten Ruf mit Anspruch auf höchste Qualität, dieses Band hat vor allen Dingen in Sachen Nachhaltigkeit einen hohen Marketingfaktor.
  3. Preis-Leistungs-Verhältnis: Die Bewertung ist schwierig, das Band wurde kostenlos zur Verfügung gestellt.
  4. Nutzungseigenschaften: Das Band klebt sehr gut und die Dekomprimierung erfolgt in einem angemessenen Zeitrahmen.
  5. Nachhaltigkeitsfaktor/Umwelteigenschaften: Das Produkt enthält einen hohen Anteil nachwachsender Rohstoffe, daher ist der Nachhaltigkeitsfaktor hoch.
  6. Materialverträglichkeit: Die Verträglichkeit mit herkömmlichen Baustoffen ist gegeben.

Der Beitrag ist ursprünglich erschienen im Branchenmagazin GFF-Glas-Fenster-Fassade.

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