Stuttgart -

Aus der Gründervilla in die Bildungsakademie

Buchbinderhandwerk findet nach schwierigen Zeiten eine neue Heimat

Das Buchbinderhandwerk genießt hohes Ansehen in der Stuttgarter Region. In der Bildungsakademie der Handwerkskammer haben die Buchbinder jetzt eine neue berufliche Heimat für die Aus- und Weiterbildung gefunden.

Lange Jahre war das Buchbinder-Colleg in der „Villa Streicher“, einem Gebäude aus der Gründerzeit in Bad Cannstatt, untergebracht. Wirtschaftliche Gründe zwangen zum Verkauf des Objekts an das unmittelbar benachbarte Elektrotechnologiezentrum der Stuttgarter Elektro-Innung. Teile davon wurden zurückgemietet. Aber auch dieser Lösung fehlte, wie sich bald herausstellte, die langfristige wirtschaftliche Perspektive.

Jetzt bezog das Buchbinderhandwerk eine eigens eingerichtete Werkstätte in der Bildungsakademie der Handwerkskammer in Weilimdorf. „Mit der bescheidenen, aber funktionell eingerichteten Werkstatt sehen wir einer neuen Zukunft entgegen“, sagte Martin Kugler, Vorsitzender der Fördervereinigung Buchbinder Colleg e.V., bei der Einweihung der neuen Örtlichkeit Mitte April. „Damit sind wir in eine handwerkliche Institution integriert und können so eine funktionierende Infrastruktur nutzen, die sich aus dem Zusammenwirken vieler Handwerke entwickelt hat“, weiß Kugler die neuen Vorteile der Symbiose mit der Bildungsakademie zu schätzen.

Dass die Zusammenarbeit schon funktioniert, konnte Claus Munkwitz, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, bei der Feierstunde anlässlich der Übergabe der Werkstätte berichten. Die erste Kurswoche für Auszubildende habe bereits stattgefunden, im Mai beginne der Kurs mit dem Abschluss „Buchbinder für Restaurierungsarbeiten“. Weitere Angebote werden rasch folgen. Für die Inhalte der Kurse und deren Weiterentwicklung ist die Fördervereinigung Buchbinder Colleg e.V. zuständig - sie ist sozusagen der „Motor“.

Aus dem ganzen Bundesgebiet

Die Verwaltung, Organisation sowie das kaufmännische Risiko für die Weiterbildung sowie für die überbetriebliche Ausbildung übernimmt die Handwerkskammer. Zuversichtlich zeigt sich Kammerchef Munkwitz: „Diese Vorgehensweise ist genau richtig. Das Buchbinderhandwerk braucht für die komplexer werdenden Zukunftsaufgaben qualifizierte Fachkräfte - wenn wir auf Sicht fahren, ist das eine Chance für beide Seiten.“ Die Idee, eine Weiterbildungseinrichtung für das Buchbinderhandwerk zu betreiben, existiert schon seit über 20 Jahren. Die Fördervereinigung wollte gebündelt Fachpraxis und Fachtheorie anbieten. Das Vorhaben fiel einst auch auf fruchtbaren Boden, fand Unterstützung und wurde von der öffentlichen Hand, vornehmlich dem Wirtschaftsministerium des Landes, gefördert. Das neu eingerichtete Colleg in Bad Cannstatt erfreute sich schnell zahlreicher Kursteilnehmer aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland. Auch im neuen Domizil in Weilimdorf stehen die vier Kurssysteme im Angebot: Der 15 Wochen dauernde Meisterkurs, die Qualifizierung zum „Buchbinder für Restaurierungsarbeiten“ - dem in nächster Zeit der „Restaurator“ folgen wird sowie der „geprüfte Bildeinrahmer“. Zum Programm gehört auch die überbetriebliche Ausbildung für Lehrlinge, die dann viermal eine Woche in der Bildungsakademie zu Gast sein werden.

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