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Sonderausstellung "Wer will fleißige Handwerker seh'n..." Augsburger Puppenkiste: Große Bühne für das Handwerk

Noch einmal Kind sein und spielerisch das Handwerk entdecken – eine Sonderausstellung der Augsburger Puppenkiste in Kooperation mit der Handwerkskammer für Schwaben macht es möglich. Wegen des großen Erfolgs wird die Ausstellung jetzt verlängert.

Pinocchio, die Holzpuppe, die ein echter Junge werden möchte und der beim Lügen eine lange Nase wächst, kennt bis heute jedes Kind. Fast genauso bekannt ist sein Ziehvater, Tischlermeister Geppetto, der Pinocchio aus einem lieblosen Stück Holz geformt hat.

Ob Geppetto, das tapfere Schneiderlein oder der Hutmacher in Alice im Wunderland – viele Märchen und Kindergeschichten wären ohne das Handwerk nicht denkbar. Deshalb liegt es nahe, dass die Augsburger Puppenkiste dem Handwerk eine große Sonderausstellung widmet.

Ein Besuch der Puppenkiste lohnt sich nun doppelt: Wer sich auf die Spuren seiner Kinderhelden Jim Knopf, Lukas und Urmel aus dem Eis begibt, kann einen Raum weiter in den Berufsalltag von Bäckern, Friseuren und Schmieden eintauchen und dabei viele spannende Anekdoten zum Weitererzählen mitnehmen.

In den vergangenen fünf Monaten haben bereits über 36.000 Gäste die Sonderausstellung "Wer will Fleißige Handwerker seh’n“ besucht. Deshalb hat sich die Museumsleitung nun entschlossen, die Ausstellung bis zum 2. April 2017 zu verlängern. Wer es also bisher nicht geschafft hat die Ausstellung zu besuchen oder noch ein zweites Mal hin möchte, bekommt jetzt noch die Gelegenheit dazu.

Gebet auf dem Zementsack

Schon am Eingang des Museums trifft der Besucher auf eine Großbaustelle, wo sich im Schatten eines fleißigen Fliesenlegers und eines wagemutigen Dachdeckers sehr skurrile Szenen abspielen. So hat es sich ein Arbeiter in der Schubkarre für ein Schläfchen gemütlich gemacht, während ein anderer wohl seine Mittagspause vorgezogen hat und auf einer unfertigen Mauer in aller Seelenruhe ein Würstchen verspeist. Anlass genug für eine Nonne, sich auf einen Zementsack zu knien und für die noch rechtzeitige Fertigstellung des Hauses zu beten.

Unterhalb der mit viel Liebe fürs Detail gestalteten Schaukästen findet der Besucher bekannte Zeilen aus Kinderliedern mit Handwerksbezug. "Stein auf Stein, das Häuschen wird bald fertig sein“ oder "Schnipp, schnipp, schnapp und gleich schon sind die Haare ab" werden bei dem einen oder anderen Erinnerungen an alte Kinderbücher wecken.

Die hohe Zahl der Arbeitsstunden, die in die Aufbereitung der Kulissen und die Herstellung der Marionetten gesteckt wurde, lässt sich nur erahnen. "Manche der Puppen sind zudem Leihgaben nationaler und internationaler Künstler, etwa aus Prag", verrät Museumsführerin Sigrid Kummer. Auch das Schwäbische Handwerkermuseum, das sich gleich um die Ecke befindet, hat verschiedene Utensilien für die realistisch gestalteten Kulissen zur Verfügung gestellt.

Ob Augenoptiker, Friseur oder Elektroniker – es lohnt, die Hauptfiguren und interessanten Nebenschauplätze etwas länger zu betrachten. Wie bei der Großbaustelle am Eingang, zeigt sich das Handwerk erfrischend unverkrampft und erzählt den Handwerkeralltag mit Augenzwinkern.

Modernes Handwerk

Gleichwohl kommen Informationen über die verschiedenen Gewerke nicht zu kurz. Neben der Geschichte der Handwerksberufe erfährt der Besucher mithilfe von Informationstafeln und Videos, wie sich die Branchen über die Jahre gewandelt haben und wie das moderne Handwerk 3D-Drucker und Robotik in seine Arbeitsprozesse integriert. Damit weckt die Ausstellung das Interesse von Kindern und Jugendlichen an einer Ausbildung im Handwerk.

Passend dazu zeigen echte Handwerker vor Ort ihr Können und laden Besucher in Workshops dazu ein, selbst Hand anzulegen. Eine Korbmachermeisterin erklärt, wie das Flechten mit Weidengewächsen funktioniert, und ein Bildhauer schnitzt mit Kindern aus einem Stück Rundholz ihre Lieblingsfiguren aus der Puppenkiste.

Die Sonderausstellung "Wer will fleißige Handwerker seh’n ..." ist bis zum 2. April 2017 geöffnet. Weitere Informationen zum Programm unter augsburger-puppenkiste.de.

Einen kleinen Rundgang durchs Museum zeigt die Bildergalerie:

Augsburger Puppenkiste zeigt das Handwerk
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