Bayerischer Handwerkstag -

Konjunktur Aufschwung ohne Pause

Der Konjunkturaufschwung im bayerischen Handwerk setzt sich weiter fort – ungeachtet aller weltpolitischen Risiken.

Der Dreiklang aus der guten Lage am Arbeitsmarkt mit steigenden Löhnen, der Investitionsfreude der Unternehmen sowie der Bauboom treiben die Konjunktur an. Im 1. Quartal 2018 beurteilten die bayerischen Handwerksbetriebe ihre aktuelle Geschäftslage so gut wie seit 1991 nicht mehr. 91 Prozent der Befragten bezeichneten ihre Gesamtsituation als gut oder zumindest befriedigend.

Vor einem Jahr lag dieser Anteil bei 89 Prozent. Zwar ließ die lange Phase mit Schnee und Kälte zu Jahresanfang die Bautätigkeit im Berichtszeitraum zeitweise stillstehen. Mit durchschnittlich 79 Prozent fiel die Kapazitätsauslastung für die Jahreszeit dennoch außergewöhnlich hoch aus. Im Vorjahresvergleich ist das ein Anstieg um drei Punkte.

Der Präsident des Bayerischen Handwerkstages (BHT), Franz Xaver Peteranderl, betont: „Der verhaltene Start der Bundesregierung lässt das Handwerk unbeeindruckt.“ Laut Schätzung setzten die Betriebe im 1. Quartal 2018 rund 22,9 Milliarden Euro um. Das sind nominal 2,9 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Auftragsbücher der Handwerker im Freistaat sind inzwischen im Schnitt 9,7 Wochen im Voraus gefüllt – im Vorjahresvergleich entspricht dies einem Plus von 1,2 Wochen. „Damit sind die Voraussetzungen für einen kräftigen Umsatzanstieg im Jahresverlauf gegeben“, stellt Peter­anderl fest. Nach Berechnungen des BHT waren im 1. Quartal 2018 durchschnittlich 924.700 Personen im bayerischen Handwerk tätig, ein Zuwachs von 0,6 Prozent.

Die Investi­tionsneigung blieb im 1. Quartal 2018 unverändert: 33 Prozent der Befragten investierten in Gebäude, Fahrzeuge oder Maschinen. Das Investitionsvolumen betrug geschätzt 652 Millionen Euro, minus zwei Prozent. Die Zahl der Handwerksbetriebe stieg im Berichtszeitraum leicht um 0,3 Prozent auf 201.700.

Auch für die kommenden Monate erwarten die Handwerksbetriebe in Bayern gute Geschäfte: 66 Prozent schätzen, dass die Geschäftslage gleich bleibt, 30 Prozent, dass sie sich sogar noch weiter verbessert. Nur vier Prozent gehen skeptisch ins Frühjahr. Für das Gesamtjahr 2018 erwartet das bayerische Handwerk ein Umsatzwachstum von nominal 3,5 Prozent.

Die Zahl der Beschäftigten dürfte im Jahresschnitt um ein Prozent zulegen, die Investitionen um vier Prozent ansteigen. Parallel zu den guten Konjunkturzahlen verbuchte das Handwerk zuletzt auch bei den neu abgeschlossenen Lehrverträgen ein Plus. 2017 wurden 26.459 neue Ausbildungsverträge im bayerischen Handwerk geschlossen. Das entspricht einem Plus von 0,6 Prozent.

Beschäftigung soll steigen

Das bayerische Handwerk benötigt weiterhin viele Auszubildende, um seinen Fachkräftebedarf zu decken. Daher begrüßt der BHT das von Ministerpräsident Dr. Markus Söder angekündigte Programm, mit dem über 100.000 zusätzliche Fachkräfte gewonnen werden sollen. „Zunächst muss aber ermittelt werden, wie groß und wie schnell verfügbar dieses ungenutzte Reservoir ist“, betont Peter­anderl.

Wichtig ist das Bekenntnis des Ministerpräsidenten zu Handwerk und Mittelstand: Mit „Invest daheim“ sollen beispielsweise Unternehmensverlagerungen von den Zentren in den ländlichen Raum finanziell und organisatorisch unterstützt werden. Das sei zwar ein interessanter Ansatz, so der BHT-Präsident; „noch wichtiger ist allerdings, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Unternehmen an ihren angestammten Standorten und damit bei ihren Kunden bleiben können“.

Damit künftig Existenzgründungen an einem Tag möglich sind, sollen „Fast Lanes“ bei Behörden eingeführt, Statistikpflichten ausgesetzt und es soll zur vierteljährlichen Umsatzsteueranmeldung zurückgekehrt werden. „Grundsätzlich begrüßen wir diese Erleichterungen. Allerdings handelt es sich bei den Regelungen der Handwerksordnung, die bei einer Selbstständigkeit in unserem Wirtschaftsbereich greifen, nicht um verzichtbare Bürokratie.

Wichtiger wäre, grundsätzlich Bürokratie abzubauen, anstatt sie für einige kurzzeitig auszusetzen. Davon hätten dann alle Unternehmen etwas“, sagt Peteranderl. Positiv wird im Handwerk Söders Ankündigung aufgenommen, die digitale Infrastruktur auszubauen und die digitale Bildung voran­zutreiben.

Richtig sind auch die Vermeidung von Fahrverboten für Diesel-Fahrzeuge und der geplante Bau von 500.000 Wohnungen bis zum Jahr 2025. Allerdings sieht Peteranderl bei der Umsetzung noch viele Hürden: „Wir brauchen entsprechende Grundstücke, also baureifes Land. Und genau dabei gibt es derzeit die meisten Fragezeichen."

Im Fall der Dienstleistungskarte, mit der sich ausländische Betriebe nach dem Willen der Europäischen Kommission nach den Regeln ihres Heimatlandes europaweit niederlassen können sollen, hat das Handwerk einen Erfolg erzielt: Der federführende Binnenmarktausschuss des Europäischen Parlaments hat sowohl die Vorschläge der Kommission als auch die beiden Berichtsentwürfe abgelehnt.

Der BHT-Präsident: „Damit ist das Thema Dienstleistungskarte vorerst erledigt. Wir werden sehen, ob die Kommission ihre Vorschläge zurückzieht oder sie modifiziert. Ein Verzicht auf die Dienstleistungskarte wäre für das Handwerk die beste Lösung. Damit wäre die lange Zeit von uns befürchtete Einführung des Herkunftslandprinzips vom Tisch.“

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