Kassel -

Schimmelspürhund Auf vier Pfoten dem Schimmel auf der Spur

Der Zimmer- und Dachdeckermeister aus Germerode setzt bei der Schimmelsuche auf Snorre, seinen speziell ausgebildeten Australian Shepherd.

Viele Hausbesitzer kennen das Problem, das auch für Handwerksbetriebe bei der Beseitigung immer wieder zur Herausforderung wird: Schimmel. Nicht nur die Bekämpfung macht Probleme, viel schwieriger und aufwändiger ist es, die Ursache zu finden, die nicht immer offensichtlich ist. Deshalb rückt Werner Jäschke dem Problem auf ganz eigenem Weg zu Leibe.

Auf vier Pfoten dem Schimmel auf der Spur

Der Zimmer- und Dachdeckermeister aus Germerode (Werra-Meißner-Kreis) setzt auf Snorre. Der Australian Shepherd ist der einzige Schimmelspürhund in Hessen, entsprechend groß ist das Einsatzgebiet der beiden, das auch Niedersachsen, das nördliche Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und das nördliche Bayern umfasst.

Ein Aussie braucht Beschäftigung

Auch wenn Jäschke bereits Hunde zur Bewachung seines 1991 gegründeten Betriebs eingesetzt hatte, zog mit Snorre im August 2016 erstmals ein Welpe als vierbeiniges Familienmitglied in das Wohnhaus ein. Da der „Aussie“ von Arbeitshunden abstammt, stand von Anfang an fest, dass er dringend eine Beschäftigung braucht, um ausgelastet und ausgeglichen zu sein. Also setzte Jäschke auf die Ausbildung zum Schimmelspürhund, da Nasenarbeit weitaus anstrengender ist als andere Beschäftigungen.

Gut nachvollziehbar, denn Snorre geht seiner Arbeit nicht nur mit viel Freunde nach, sondern kann die 30 gesundheitsgefährdenden Arten von Schimmel erschnüffeln.
Die Idee war Jäschke vor über 20 Jahren auf einer Baustelle in einem alten Fachwerkhaus gekommen, auf der ein Schimmeldetektiv auf vier Pfoten gezeigt hatte, wie effektiv und zuverlässig er die Fäulnis findet.

Nach bestandenem Eignungstest von Hund und Herrchen ging es also los, wobei Jäschke sich für eine einjährige Ausbildung im Ausbildungs- und Prüfungszentrum für Schimmelspürhunde (APzS) entschied. Dort wird mit vom Bundesumweltamt geprüften und freigegeben Proben gearbeitet und die Ausbildung endet mit einem Zertifikat.

Qualitätsstandard ist wichtig

Für den Germeröder ist nicht nur dieser Qualitätsstandard wichtig, sondern auch das Netzwerk, zu dem er über das APzS fand. Denn er schätzt den Austausch mit Kollegen, die Workshops und Weiterbildungsmöglichkeiten, die er gerne nutzt. Deshalb ist der Zimmermeister, der sich als Obermeister der Zimmer-Innung Werra-Meißner-Kreis auch für sein Handwerk engagiert, ebenfalls Mitglied im Verband Internationaler Schimmelspürhunde (VIS).

Weiter zählt für Jeschke, dass nicht nur ein Spürhund samt Hundeführer vor Ort ist, sondern auch ein Sachverständiger, ein Kriterium, dass er als von der Handwerkskammer Kassel öffentlich vereidigter Sachverständiger erfüllt. Obendrauf ist seine Sachkunde in Sachen Schimmelsanierung mittlerweile auch TÜV-zertifiziert.

Wenn er mit seinem Hund in Einsatz ist, geht es ihm nicht um die Sanierung des Objekts, suchen und sanieren passt für ihn nicht zusammen. Deshalb bietet Jäschke seine Dienstleistung nicht nur Haus- und Wohnungsbesitzern an, sondern auch Kollegen. Ist doch die Suche mit Hund nicht nur zerstörungsfrei, sondern auch präziser als mit Messegeräten, die zwar die Spuren in der Luft finden, aber nicht die Ursache. Snorre hingegen zeigt zuverlässig die jeweils am stärksten befallene ­Stelle an.

Mehr Bewusstsein schaffen

Für Jäschke macht der Einsatz seines Hundes aber nicht nur bei der Suche nach einer vermuteten Fäulnisquelle Sinn. Eine weitere Möglichkeit sei kurz vor Abschluss einer Baumaßnahme oder Sanierung so den Nachweis über die Abwesenheit von Schimmel zu führen. Ein Angebot, das der Zimmermeister für alle am Bau beteiligten Gewerke für sinnvoll hält. Spricht man mit Jäschke, merkt man, dass die Suche nach Schimmel für ihn nicht nur ein weiterer Markt ist, sondern dass dem Experten das Thema am Herzen liegt, denn Schimmel kann richtig krank machen.

Angesichts der Tatsache, dass im Bemühen, Energie einzusparen, Häuser und Wohnungen immer besser gedämmt werden und so ein zur Verhinderung von Schimmel notwendiger Luftaustausch erschwert wird, kommt dem Thema eine immer größere Bedeutung zu. Deshalb setzt Jäschke sich dafür ein, mehr Bewusstsein für die Problematik und die Gefahren, die von Schimmel ausgehen, zu schaffen. „Das muss in den Köpfen noch mehr ankommen.“ Sorge, dass ihm und Snorre die Arbeit ausgeht, muss er keine haben. Ideen indessen hat er reichlich. So könnte er sich durchaus vorstellen, einen Hund auch auf das Erschnüffeln von Holz zersetzenden Pilzen zu konditionieren.

Ansprechpartner: Zimmermeister Werner Jäschke, Tel. 05657/91136, schimmelspuerhund-team@web.de, zimmerei-jaeschke.de

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