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Allgäu Auf Schneeschuhen die Natur erleben

Neues Kartenmaterial mit naturverträglichen Wanderrouten für Schneeschuhwanderer und Skitourengänger

Auf Schneeschuhen die Natur erleben
Schneeschuhwandern: Für alle die die Natur im Winter entdecken möchten. -
Schneeschuhwandern Allgäu
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Der Erste gibt die Spur vor, der Rest der Gruppe folgt im Gänsemarsch. Dank der Schneeschuhe versinkt man nur knöcheltief und nicht knietief im Neuschnee – eine schweißtreibende Angelegenheit bleibt es trotzdem. Der Erste hat den anstrengendsten Job.

Nach den ersten breitbeinigen Versuchen, kleinere Hänge hinauf- und hinunterzusteigen, und nachdem alle den Zähnen an der Unterseite der Schneeschuhe vertrauen, startet die Wandergruppe unter Thomas Dempfle, Inhaber der Bergschule OASE, und dem Biologen Henning Werth von Rohrmoos bei Oberstdorf ab ins Gelände.

In Serpentinen arbeitet sich die Gruppe den ersten Hang des Naturparks Nagelfluhkette hinauf. Schon nach ein paar Höhenmetern steht man inmitten der Natur. Sanfte Hügel und eine unberührte Schneedecke. Einsamkeit und Ruhe.

Immer wieder zeigt Henning Werth auf Spuren im Schnee oder weist auf seltene Tiere hin, die – wenn überhaupt – nur durch sein Fernglas zu sehen sind. Er sensibilisiert die Wanderer so für die Besonderheit dieses Landstrichs.

Die Natur im Fokus

Schneeschuhwandern Allgäu
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Im Naturpark Nagelfluhkette, zwischen dem Allgäu und dem Bregenzerwald, leben auf etwa 410 Quadratkilometern selten gewordene Tiere. Bekannt ist das grenzüberschreitende Areal zwischen Deutschland und Österreich vor allem für seine Vorkommen von Birk- und Auerhühnern sowie des Steinadlers.

Wer das erste Mal auf Schneeschuhen im Gelände unterwegs ist, dem empfehlen die beiden Experten, sich einer geführten Gruppe anzuschließen. Denn abgesehen von Lawinen bzw. Schneebrettern gilt die Aufmerksamkeit auch der Natur. Nicht alle Gebiete dürfen ohne weiteres durchwandert werden. Und genau hier besteht das Problem. Jeder, der im Sommer wandern kann, dringt im Winter mithilfe von Schneeschuhen problemlos in den Lebensraum der Wildtiere ein. "Besonders in den Wintermonaten, wenn die Nahrung knapp wird, brauchen die Tiere Ruhe", erklärt Werth.

Deswegen wurde 2013 in Zusammenarbeit vom Deutschen Alpenverein (DAV), dem Landesamt für Vermessung und Geoinformation (LVG) und dem Landesamt für Umwelt (LfU) neues Kartenmaterial erarbeitet: die "Alpenvereinskarte" Bayerische Alpen.

Naturverträgliche Routen

20 von 22 geplanten Kartenblättern sind mittlerweile erschienen. Die Erstellung der Karte rund um den Naturpark war besonders arbeitsintensiv, weil sie die meisten für den Wintersport relevanten Eintragungen enthält. Alle Wildschutz- und Wald-Wild-Schongebiete sowie Pistenskigebiete und naturverträgliche Wanderrouten für Schneeschuhwanderer und Tourenskigänger wurden eingezeichnet.

Mit den Gottesackerwänden im Rücken geht es zurück nach Rohrmoos. Zum Abschluss hat Thomas Dempfle noch ein paar allgemeine Tipps zum Schneeschuhwandern: Spätestens nach einer halben Stunde sollte der Erste der Gruppe abgelöst werden. Auch die Kleidung ist ein wichtiger Punkt. Hier gilt das Zwiebelprinzip – lieber mehrere Schichten tragen.

Und neben ausreichend Proviant gehört auch Wechselwäsche in jeden Rucksack. Denn ins Schwitzen kommen die Schneewanderer in jedem Fall.

Tipps und Infos

Naturpark Nagelfluhkette: Informationen rund um den Naturpark gibt es im Naturparkzentrum im "AlpSeeHaus" in Bühl/Immenstadt oder auf nagelfluhkette.info.
Wanderkarte: Die "Alpenvereinskarte Bayerische Alpen" ist im Buchhandel für 9,80 Euro erhältlich oder über dav-shop.de. Die Kosten für DAV-Mitglieder betragen 5,95 Euro.

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