Freiburg -

Grenzüberschreitende Ausbildung "Auf einem guten Weg"

Die grenzüberschreitende Ausbildung junger Menschen am Oberrhein steckt noch immer in den Kinderschuhen.

"Auf einem guten Weg"
Brückenbauer vor dem Grenzfluss (v.l.n.r.): Steffen Auer, Präsident der IHK Südlicher Oberrhein, Johannes Ullrich, Präsident der Handwerkskammer Freiburg, Christiane Roth, Präsidentin der CCI Colmar,... -

Seit mehr als eineinhalb Jahren kooperieren Kammern und Arbeitsagenturen dies- und jenseits des Oberrheins miteinander, um vor allem jungen arbeitslosen Franzosen im Südwesten Deutschlands eine berufliche Perspektive in Form einer dualen Ausbildung zu eröffnen. Die Euphorie auf französischer Seite war zunächst groß, bei der elsässischen Industrie- und Handelskammer CCI in Colmar und beim Pôle Emploi Haut-Rhin, dem elsässischen Gegenstück der hiesigen Arbeitsagentur, erhoffte man sich vom Fleck weg 1.000 neue Ausbildungsverträge im Jahr. Doch in der Realität werden deutlich kleinere Brötchen gebacken.

Denn von den nicht wegdiskutierbaren Sprachbarrieren über die problematischen Details der wechselseitigen Anerkennung von Ausbildungsabschlüssen bis hin zur Tatsache, dass eine französische „Apprentissage“ in den Augen junger Franzosen nicht den Stellenwert genießt, den wir diesseits des Rheins mit der dualen Ausbildung verbinden, gibt es eine ganze Reihe von Hindernissen für den grenzüberschreitenden Arbeitsmarkt am Oberrhein. Und das, obwohl den rund 3.500 nicht besetzten Ausbildungsplätzen im Bezirk der Arbeitsagentur Freiburg rund 23.000 arbeitslose Elsässer im Alter von bis zu 25 Jahren gegenüberstehen.

Vier Millionen Euro hat der französische Staat für deren Vermittlung in den deutschen Ausbildungsmarkt bereitgestellt. Neun Auszubildende aus dem Elsass haben zum 1. September 2014 eine grenzüberschreitende Ausbildung im südbadischen Handwerk begonnen. Im zweistelligen Bereich bewegt sich die Zahl derer, die im Kammerbezirk am Förderprogramm MobiPro-EU des Bundes für junge Menschen aus der EU teilnehmen und erst einmal Sprachkurse absolvieren, bevor sie in eine Ausbildung gehen. „Uns ist schon klar, dass wir hier dicke Bretter bohren“, sagt der Präsident der Handwerkskammer Freiburg, Johannes Ullrich. „Ich sehe uns bei der grenzüberschreitenden Ausbildung auf einem guten Weg.“

Die duale Ausbildung in Deutschland sei „ein Königsweg für Jugendliche“, so Christian Rateau, der beim Pôle Emploi Haut-Rhin für das Thema grenzüberschreitende Ausbildung verantwortlich ist. Neben der Sprache gehe es auch darum, unterschiedliche Unternehmenskulturen und Mentalitäten zu überwinden und Mobilität zu fördern. „Das Thema ist eine Herausforderung für alle, die sich beteiligen“, so Christian Ramm, der Geschäftsführer der Arbeitsagentur in Freiburg. Es gelte, auf den ersten positiven Erfahrungen aufzubauen.

Gerhard Kaiser, Metzgermeister aus Rheinhausen im Kreis Emmendingen, ist jedenfalls begeistert von dem jungen Franzosen, der bei ihm im Betrieb eine Lehre absolviert. „Er ist ein Glücksgriff für uns“, sagt Kaiser. Und die junge Französin Adeline Haller (24), die im Herbst im Kammerbezirk Freiburg als Bäckerlehrling anfangen wird, freut sich schon jetzt auf das hohe Ausbildungsniveau, das sie hier erfahren wird: „Die Ausbildung im deutschen Handwerk ist sehr renommiert“, sagt sie über ihre Berufswahl.

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