Reise -

Deutschen Manufakturenstraße Auf der Straße zur Handarbeit

Rund 2.500 Kilometer quer durchs Land, so lang ist die Deutsche Manufakturenstraße. Seit vergangenem November führt sie offiziell über vier Routen zu interessanten Manufakturen in Deutschland.

Entlang der Strecken "Nordost", "Nordwest", "Südost" und "Südwest" finden sich Glasbläser, Keramiker, Goldschmiede, Uhrmacher, Instrumentenbauer, Schreiner und Tischler etc. Auch der kulinarische Bereich mit Produzenten von Wein, Spirituosen und Delikatessen wird abgedeckt. Die Route Südwest führt an der Holzmanufaktur in Stuttgart vorbei. "Am Anfang waren wir eine Schreinerei, die nur Einzelanfertigungen gemacht hat", sagt Geschäftsführer Volker Braun. Heute arbeiten hier 30 Mitarbeiter, darunter sieben Schreinermeister. Sie fertigen eine eigene Möbelkollektion und kleine Serien. Spezialisiert ist die Holzmanufaktur auf Massivholzmöbel, vornehmlich Betten und Tische sowie in der Region Stuttgart auch auf Maßküchen.

Wendepunkt für die klassische Schreinerei war die Eröffnung eines eigenen Ladengeschäfts in der Stuttgarter Innenstadt. "Wir waren plötzlich auch Einzelhändler und nahmen zu unseren Betten Lattenroste und Matratzen, zu unseren Tischen auch Stühle in den Verkauf", sagt Braun.  Die Kollektion der Holzmanufaktur entwickelte sich so gut, dass sie nicht nur im eigenen Laden angeboten wird. Inzwischen werden über den eigenen Vertrieb auch rund 150 Möbel- und Bettengeschäfte in Deutschland, Österreich und der Schweiz beliefert.

Tischlermeister Eckehard Weimann aus Dietmannsried

Auch Tischlermeister und Bildhauer Eckehard Weimann gehört dem Netzwerk an. Der Einmannbetrieb aus Dietmannsried im Allgäu fertigt organisch geformte Möbel und Möbelskulpturen sowohl als Einzelstücke als auch in Kleinserien. Weimann verbindet in seinen Arbeiten Kunst mit Funktionalität, wobei die handwerkliche Kunst bei ihm an erster Stelle steht. Er verzinkt Schubladen noch per Hand. "Die meisten machen das heute gar nicht mehr, weil es viel zu viel Zeit kostet", sagt er. Auch auf die Haptik seiner Möbel legt er besonderen Wert. "Der Kunde soll das Möbel anfassen und berühren wollen." Dann spürt er die Form, wie sie die Natur vorgibt.

Initiiert wurde das Projekt "Deutsche Manufakturenstraße" von Pascal Johanssen vom Direktorenhaus in Berlin zusammen mit anderen Manufakturorganisationen und Partnern aus der Touristikbranche. Die Idee entstand aus der Ausstellung "handmade in Germany", die Johanssen organisiert und die um die Welt tourt. An der Ausstellung, die im April in Macao (Sonderverwaltungszone der Volksrepublik China) zu sehen ist, sind rund 200 Manufakturen aus Deutschland beteiligt.

Aktionen und Touren geplant

Auch nach dem Start wird die Deutsche Manufakturenstraße mit derzeit 240 Betrieben ausgebaut. "Wir streben eine noch höhere Dichte an", sagt Pascal Johanssen. Die Routen sollen für Touristen attraktiv sein. Sie sollen die Manufakturen besuchen können und exklusive Einblicke erlangen. "So etwas gibt es noch nicht", sagt Johanssen. Geplant sind Aktionen rund um das Netzwerk wie Rallyes mit Automobilclubs und Touren zu speziellen Themen, ein Online-Shop und Ausstellungen zum "Tag des Handwerks" am 17. September.

Straßenschild der Deutschen Manufakturenstraße

Wer seinen Betrieb entlang der Deutschen Manufakturenstraße präsentieren möchte, muss sich bewerben und bestimmte Kriterien erfüllen. Nicht nur Handarbeit wird verlangt. Wichtig sind auch der regionale Bezug und ausgesuchte Materialien. Produktion in Deutschland ist ein weiteres, wichtiges Kriterium für die Initiatoren, die die Betriebe auswählen. "Wir nehmen den Begriff sehr ernst und wollen nicht dass er verwässert wird", sagt Johanssen. Deshalb spielen auch die Eigentümerverhältnisse und die Unternehmensstrukturen eine Rolle. Nicht alle Betriebe der Deutschen Manufakturenstraße sind Handwerksbetriebe. Aber alle haben eines gemeinsam: "handmade in Germany".

Weitere Informationen unter deutsche-manufakturenstrasse.de.

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