Reise -

75. Geburtstag von John Lennon Auf den Spuren der Beatles

Am 9. Oktober wäre John Lennon 75 Jahre alt geworden. In seiner Heimatstadt Liverpool können Besucher ihm und den Fab Four immer noch nahe sein.

"Meins war besser als Pauls", sagte John Lennon über das Haus, in dem er aufwuchs. Ja, Hausnummer 251 in der Menlove Avenue, genannt "Mendips", ist keines dieser schmalen, britischen Einheits-Reihenhäuser. Jugendstilfenster mit bunten Intarsien, plüschiges Kamin-Wohnzimmer, farbenfrohe Küche.

Hier wuchs John auf, bei seiner Tante Mimi, klampfte Skiffle und Rock ’n’ Roll – oft ausgesperrt auf die Veranda, weil Tante Mimi nicht viel von seinen musikalischen Versuchen hielt: "Die Gitarre ist ein schönes Hobby, John, aber damit wirst du nie deinen Lebensunterhalt verdienen", schärfte sie ihm immer wieder ein. Dennoch: „Der erste Nummer-1-Hit der Beatles, 'Please please me', der am 22. Februar 1963 erstmals an der Spitze der Charts war, ist in 'Mendips' entstanden", sagt Phil Hughes. Er ist einer der besten Kenner von Liverpool sowie der Beatles-Geschichte.

Uraufführung in der Kirche

"Komm, wir mussen quick in the Liverpool Cathedral", sagt er in fast fehlerfreiem Deutsch. Weil sie die größte evangelische Kirche der Welt ist? Oder weil drinnen Beatles-T-Shirts verkauft werden? Nein, das sei mehr so Notwehr, grinst Phil mit typisch trockenem Liverpool-Humor: "Wir haben ja keine Kirchensteuer …" Er zeigt den zwei Fußballplätze großen, weinroten Prunkbau.

Hier scheiterte Paul McCartney in den 1950er Jahren mal beim Vorsingen für den Kirchenchor. 1991 dann Pauls kleine Revanche: Die Uraufführung des "Liverpool Oratorio", seines ersten klassischen und halb-autobiographischen Werks, fand in eben dieser Kathedrale statt. Der Kantor, der den Noch-Nicht-Beatle einst als Chorknaben ablehnte, soll sich während des Oratoriums im Kirchturm verkrochen haben.

Unspektakulär, aber berühmt

Liverpool

Weiter geht’s durch grüne, akkurat eingezäunte Vorstadtsiedlungen zur Penny Lane, der wohl bekanntesten Straße der Popgeschichte. Die bei Fans sehr begehrten Penny-Lane-Straßenschilder sind längst zur "Immobilie" geworden, klausicher arretiert im Metallrahmen.

Benannt ist die gänzlich unspektakuläre, von Backsteinhäusern gesäumte Lane nach James Penny, einem Kapitän, der – wie so viele in Liverpool zwischen 1700 und 1807 – mit Sklavenhandel reich wurde. Daher beantragte eine Stadträtin vor Jahren die Straße umzubenennen.

Doch der liebliche Beatles-Song war stärker. Der Straßenname blieb, die im Songtext vorkommenden Orte und die Beatles-Geschichten drumherum auch. Von hier sind John und Paul als Schüler mit dem Nummer-5-Bus immer Richtung City gefahren, oft mit Gitarren und "Love me do" im Gepäck. George Harrison soll auf dem Oberdeck so eines Busses vorgespielt und seine Beatles-Aufnahmeprüfung bestanden haben.

Dann die Überraschung: Nicht der berühmte Cavern Club ist der erste Auftrittsort der Beatles in Liverpool, sondern der Casbah Coffee Club – mit einer von John Lennon gepinselten Kellerdecke in Regenbogenfarben. Sein eingeritzter Name findet sich im Holz. Mit Paul war er von Mona Best, der resoluten Mutter des damaligen Beatles-Trommlers Pete Best, zur Renovierung verpflichtet worden. Sie hatte zuvor angeblich ihren Schmuck verkauft, den Erlös beim Pferderennen auf den krassesten Außenseiter gesetzt und vom Gewinn ein großes Haus im Stadtteil West Derby gekauft, wo sie im Keller einen Rock ’n’ Roll-Club einrichtete.

Handgemalte Beatles-Plakate

Mikrofone von damals, Kofferverstärker und putzige, handgemalte Beatles-Plakate sind noch da. Bei der Eröffnung am 29. August 1959 kamen 800 Leute. Die Beatles spielten auch kurz vor ihrer ersten Plattenveröffentlichung immer wieder hier. Wer im "Casbah" auf Toilette musste, wurde über die Menschenmenge hinweg unter der knapp zwei Meter hohen Decke zum Ausgang durchgereicht – eine frühe Zeitlupen-Variante des heutigen "Crowd-Surfens".

Etwa zweimal im Jahr kommt Paul McCartney zurück nach Liverpool, erzählt Phil Hughes dann noch, oft zu Silvester, dann schaue er gelegentlich inkognito bei seinem Elternhaus vorbei. Einmal soll er um die Ecke am Straßenrand in einem unauffälligen Auto gesessen haben, als eine freche Göre an die Scheibe klopfte: "Hey, Mister, für fünf Pfund zeige ich dir das Haus von Paul, diesem Beatle …"

Die wichtigsten Beatles-Attraktionen in Liverpool

Erst nach dem Tod von John Lennon (1980) ist die Stadt Liverpool richtig aufgewacht und bietet nun viele Beatles-Touren und eine Ausstellung:
  • Magical Mystery Tour – der Klassiker. Rundfahrt im kultigen 60er-Jahre-Reisebus zur Penny Lane, den Wohnhäusern der Beatles, ersten Auftrittsorten sowie dem Cavern Club als Endstation.
  • Phil Hughes Tour – speziell auf die Bedürfnisse der Gäste zugeschnitten, garniert mit reichlich Musik, Anekdoten und Infos. Auf Wunsch in deutscher Sprache und mit individuellem Treffpunkt. www.tourliverpool.co.uk.
  • Besichtigung der Häuser von Paul McCartney und John Lennon: Nur während der zweistündigen „Woolton Tour“ über den National Trust möglich, der beide verwaltet. www.nationaltrust.org.uk/beatles.
  • Beatles-Story – detailgenau zusammengestellte Ausstellung, in der man durch die Karriere der Beatles wandelt – unter anderem durch eine Nachbildung des Cavern Clubs sowie den Plattenladen des Beatles-Managers Brian Epstein. www.beatlesstory.com.
  • Übernachten im Beatles-Themenhotel: Das „Hard Days Night Hotel“, direkt an der Mathew Street, in der auch der Cavern Club liegt. Preise ab ca. 110 Euro. www.harddaysnighthotel.com.
  • Anreise: Von vielen deutschen Flughäfen zum John Lennon Airport Liverpool.
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