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Was macht eigentlich die Handwerkskammer? Auch Verbraucher nutzen die Handwerksrolle

Die Eintragung der Handwerksrolle erfolgt bei der Handwerkskammer vor Ort. Doch was genau, verbirgt sich hinter dieser Aufgabe? Welche Beratung und Hilfestellung können Handwerker bekommen? Und wie können Handwerkskunden Auskunft über einen Betrieb bekommen. Fragen und Antworten zur Eintragung in die Handwerksrolle im Überblick.

Die Handwerkskammern müssen ein Verzeichnis der selbstständigen Handwerker in ihrem Bezirk führen. Wer in diesem Verzeichnis steht, ist in die Handwerksrolle eingetragen. Die Rolle ist in drei Verzeichnisse unterteilt: jeweils für alle zulassungspflichtigen Handwerksbetriebe nach Anlage A der Handwerksordnung, alle zulassungsfreien Handwerksbetriebe nach Anlage B1 und alle handwerksähnlichen Gewerbetreibende nach Anlage B2.

Die dazugehörigen Daten zu verwalten gehört zu den klassischen Aufgaben der Handwerkskammer. Sie berät zudem ausführlich darüber, wann eine Eintragung nötig ist und wie Betriebe und Verbraucher davon profitieren. Klaus Neubauer ist Referatsleiter in der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz in Passau und beantwortet die wichtigsten Fragen rund um die Eintragung in die Handwerksrolle?

Wann ist der Meisterbrief notwendig?

DHZ: Wie lautet die am häufigsten gestellte Frage im Zusammenhang mit der Eintragung in die Handwerksrolle?

Neubauer: Brauche ich für diese oder jene Tätigkeit zwingend die Meisterprüfung? Und das ist natürlich nur dann der Fall, wenn der Handwerker eine wesentliche Tätigkeit eines zulassungspflichtigen Handwerks nach Anlage A ausüben will. Wir können den Betrieb dann eintragen, wenn der Inhaber selber oder ein angestellter Betriebsleiter diese Voraussetzungen zur selbstständigen Ausübung des Handwerks erfüllt. Das ist bei der Meisterprüfung oder einer entsprechende Qualifikation der Fall. Vor der Eintragung gibt es häufig umfangreiche Beratungsgespräche. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn es um die Überprüfung der Zugangsqualifikation, das Vorhandensein eines ordnungsgemäßen Beschäftigungsverhältnisses bei angestellten Betriebsleitern oder einen Betriebsleiterwechsel geht. Ausgenommen von der Meisterpflicht sind solche Tätigkeiten, die der Betriebsinhaber innerhalb eines kurzfristigen Zeitraumes erlernen kann.

DHZ: Ist auch der Verbraucher Nutznießer der Handwerksrolle?

Klaus Neubauer

Neubauer: Wir müssen jedem Auskunft aus der Handwerksrolle geben, der ein berechtigtes Interesse glaubhaft darlegt. Da rufen zum Beispiel Kunden an, die wissen wollen, ob denn ihr Auftragnehmer eine bestimmte handwerkliche Leistung ausführen darf. Wir sagen ihm dann, ob das bei dem Anbieter der Fall ist.

DHZ: Gibt es beim Thema Handwerksrolle auch Beratungsbedarf bei den Handwerkern?

Neubauer: Handwerker nutzen das Beratungsangebot häufig für Abgrenzungsfragen. Das geschieht meist dann, wenn bei Aufträgen auch Tätigkeiten aus anderen Handwerken anfallen, die den Auftrag wirtschaftlich ergänzen können. Viele Beratungsgespräche drehen sich um die Frage, inwieweit sich der Betrieb ein zweites Standbein schaffen kann. Da geht es konkret um Fragen der Zugangsqualifikationen, die für eine zusätzliche Rolleneintragung erforderlich sind.

Schützt die Eintragung in die Handwerksrolle vor Schwarzarbeit?

DHZ: Was kann die Handwerksrolle zur Bekämpfung der Schwarzarbeit leisten?

Neubauer: Schwarzarbeit leistet auch derjenige, der Dienst- oder Werkleistungen in einem zulassungspflichtigen Handwerk erbringt, ohne dass er in die Handwerksrolle eingetragen ist. Ausgenommen ist das Reisegewerbe. Genau an diesem Punkt sind wir gefragt. So beteiligen wir uns an der Bekämpfung der Schwarzarbeit, um rechtmäßig arbeitende Handwerksbetriebe zu schützen. Anhand unserer Informationen und Ermittlungsergebnisse leiten die zuständigen Kreisverwaltungsbehörden Bußgeldverfahren oder auch Gewerbeuntersagungsverfahren ein. Wir veranlassen regelmäßige Baustellenkontrollen durch die örtliche Polizei, um „Schwarzarbeiter“ bei der unberechtigten Handwerksausübung zu ermitteln. Anzeigen bei Verstößen gegen das Schwarzarbeitergesetz nehmen wir sowohl telefonisch als auch schriftlich entgegen. Wir sorgen dann für eine zeitnahe Verfolgung. dhz

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