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Studie zur Bundestagswahl "Schwesig hätte besser als Schulz abgeschnitten"

Die Attraktivität von Politikern spielt laut einer Studie bei Wahlentscheidungen eine immer wichtigere Rolle. So hätte Manuela Schwesig für die SPD womöglich ein besseres Ergebnis erzielt als Martin Schulz.

DHZ: Herr Rosar, Sie behaupten, attraktive Politiker sind erfolgreicher als andere. Woran liegt das?

Rosar: Wir beobachten eine zunehmende Medialisierung und damit verbundene Personalisierung von Politik. Die Medien wollen Köpfe und Wahlkampagnen werden heute ganz gezielt auf einzelne Personen ausgerichtet. Nehmen Sie als Beispiel Emmanuel Macron in Frankreich oder Christian Lindner in Deutschland. Attraktiven Politikern werden von den Menschen positive Attribute wie Kompetenz und Zielstrebigkeit zugeschrieben, auch wenn dieser Zusammenhang unbegründet ist. Diese weichen Faktoren spielen eine wichtigere Rolle, weil die klassischen gesellschaftspolitischen Konfliktlinien wie Arbeit versus Kapital stark an Bedeutung verloren haben.

DHZ: Kann Ihre Studie das belegen?

Rosar: Wir haben die Attraktivität aller Kandidaten zur Bundestagswahl 2017 auf einer Skala von 0 bis 6 bewerten lassen. Das Ergebnis zeigt, dass ein Skalenpunkt mehr Attraktivität im Schnitt ein Prozent mehr an Erststimmen einbringt. Auch die Wahlbeteiligung im Wahlkreis und der Zweitstimmenanteil nehmen bei höherer Attraktivität zu.

DHZ: Welchen Spitzenpolitiker finden denn die Bürger besonders attraktiv?

Rosar: Sahra Wagenknecht von der Linken liegt ganz vorne. Dahinter folgen Christian Linder von der FDP als bestplatzierter männlicher Spitzenkandidat und AfD-Fraktionschefin Alice Weidel.

DHZ: Und die Parteizugehörigkeit spielt keine Rolle mehr?

Rosar: Die Partei ist neben der Bekanntheit des Politikers immer noch das wichtigste Wahlkriterium, verliert aber seit Jahren an Bedeutung. Etwas vereinfacht gesagt: Früher hat der Arbeiter im Ruhrgebiet die SPD gewählt und die Hausfrau in Bayern wählte CSU. Diese festgelegten Wählergruppen gibt es heute jedoch nicht mehr.

Rosar

DHZ: Aber Attraktivität ist doch ein sehr subjektives Kriterium für eine Wahlentscheidung. Liegt sie nicht im Auge des Betrachters?

Rosar: Nein, sie ist objektiv messbar. Die Ergebnisse vieler einschlägiger Studien zeigen, dass es eindeutige Schönheitsmerkmale wie Figur, Körpergröße oder Haarwuchs gibt. Und das gilt nicht nur für die Politik. Jede Umfrage würde etwa zu dem Ergebnis führen, dass George Clooney attraktiver ist als Woody Allen.

DHZ: Nach Ihrer These hätte die SPD bei der Bundestagswahl mit einer attraktiven Spitzenkandidatin wie Manuela Schwesig also besser abgeschnitten?

Rosar: Die Forschungsergebnisse sprechen dafür. Frau Schwesig hätte noch einen weiteren Vorteil gehabt. Als Frau könnte sie Angela Merkel viel direkter angreifen, ohne vom Wähler dafür abgestraft zu werden. Martin Schulz war in einer Zwickmühle: Ein Mann soll zwar Stärke zeigen, darf gegenüber einer Frau aber keinesfalls aggressiv auftreten.

DHZ: Glauben Sie, dass Attraktivität und Erfolg auch im Handwerk zusammenhängen?

Rosar: Die Ergebnisse lassen sich auf alle Gesellschaftsbereiche übertragen. Die Attraktivität des Handwerkers kann beim Kundengespräch durchaus eine Rolle spielen und zu Sympathie und Zufriedenheit beitragen. Im Vergleich zu anderen Wirtschaftsbereichen nutzen Handwerker ihre Person jedoch noch wenig für die Selbstvermarktung. Das dürfte sich mit dem verstärkten Einsatz der sozialen Medien aber ändern.

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